In den Klauen der Macht

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  • Erschienen: April 2021
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Karin Speck
90

Histo-Couch Rezension vonJan 2022

Fesselnde Geschichte aus dem Herzogtum Österreich

Ännlin lebt zurückgezogen mit ihrer Mutter im Wald. Sie haben alles, was sie zum Leben brauchen, doch dann verstirbt ihre Mutter und Ännlin bleibt allein zurück. Lediglich einen kleinen Hinweis hat die Mutter ihr hinterlassen, wer ihr Vater sein könnte. Das 16-jährige Mädchen begibt sich auf die Suche und entdeckt eine ganz neue Welt jenseits des Waldes.

Claus ist als unfreier Knecht geboren und wird seiner Heimat entrissen. Fortan soll er in einem neuen Dorf leben und arbeiten, aber Claus hat einen wachen Verstand. Er hinterfragt die Gegebenheiten im Dorf und versucht gegen einen tyrannischen Meier zu bestehen. Gleichzeitig schwirren seine Gedanken immer wieder einer jungen Frau nach, der er nur kurz begegnet ist, ihn aber tief beeindruckt hat.

Dietmar von Losenstein kann es immer noch nicht glauben, dass seiner Familie das Amt des Burggrafen von Styra entzogen wurde. Er setzt alles daran, diese Ehre wiederzuerlangen und den Emporkömmling Irenfried irgendwie wieder loszuwerden. Das Herzogtum Österreich in der Mitte des 13. Jahrhunderts zwischen Intrigen im Adel und Armut und Knechtschaft in der einfachen Bevölkerung.

Ein Leben im Wald

Ana Pawlik beginnt ihre Geschichte mit einem Prolog, der von einem tragischen Schicksal einer Frau erzählt. Erst später im Buch wird klar, warum dieser Prolog für die Handlung wichtig war. Dann setzt die eigentliche Handlung 16 Jahre nach dem Prolog ein. Erzählt wird nun das Leben von Ännlin im Wald zunächst mit ihrer Mutter. Die Autorin schildert ausführlich, wie das Leben dieser Menschen abseits der Siedlungen, Städte und Dörfer ausgesehen haben könnte. Sie erzählt davon, wie sie gejagt haben, um an Nahrung zu kommen und auch wie sie es geschafft haben, die nötigen Dinge des täglichen Lebens zu erhalten. Ana Pawlik schildert aber auch von den Vorurteilen der Menschen gegenüber der Waldbevölkerung. Sie macht das so anschaulich, dass es glaubwürdig klingt und man beim Lesen direkt bei der jungen Ännlin ist.

Mehrere Handlungsstränge umfassen die Ereignisse

Dann wechselt die Handlung zu einem zweiten Handlungsstrang. Jetzt wird das Leben von Claus, dem Knecht erzählt. Die Autorin erzählt, wie es dazu kam, dass er sein Dorf verlassen musste. Mit Claus erleben die Leser*innen, was es bedeutet hat, im 13. Jahrhundert unfrei zu sein. Claus hat sich in seinem Heim wohlgefühlt, er kannte nur dieses Leben als Knecht, jetzt wird er einfach so weitergereicht und muss gehorchen. Sein eigener Wille spielt dabei überhaupt keine Rolle. Die Gefühle und Emotionen des jungen Knechts hat Pawlik geschickt in Szene gesetzt. Gleichzeitig zeigt sie auf, welche Macht die Kirche in diesem Gefüge besaß.

Ein dritter Handlungsstrang erzählt dann die Geschichte von Dietmar von Losenstein und seinem Gefolge. Schnell wird klar, nur weil man von Adel war, hieß das noch lange nicht, man könne machen, was man wolle. Die Intrigen rund um die Burggrafenwürde werden anschaulich geschildert.

Die Autorin wechselt nun immer zwischen ihren Protagonisten hin und her. Damit man als Leser*in nicht den Überblick verliert, steht vor jedem Kapitel der Name des jeweiligen Charakters, um den es gerade geht. Zudem wechselt die Autorin immer im richtigen Moment den Handlungsstrang, sodass es durchgehend spannend bleibt. Das Leben dieser Protagonisten hat Ana Pawlik nicht nur glaubhaft in Szene gesetzt, sondern auch bildgewaltig und facettenreich geschildert. Das 13. Jahrhundert in Österreich wird lebendig.

In einem kleinen Nachwort zum Schluss erzählt die Autorin, wie sie auf die Idee zu diesem Buch gekommen ist und klärt Fiktion und Wahrheit.

Fazit

Mit diesem historischen Roman hat die Autorin Ana Pawlik ein gelungenes Debüt vorgelegt. Ihre fiktive Geschichte in der Zeit eines österreichischen Herzogtums des 13. Jahrhunderts ist eingebettet in einem gut recherchierten Hintergrund. Nur am Ende blickt man etwas wehmütig auf die Geschichte, denn dies ist nur der Auftakt einer Reihe und einige lose Fäden bleiben zurück.

In den Klauen der Macht

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