Der Mann, der die Welt ordnete

  • Kindler
  • Erschienen: Dezember 2021
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Julian Hübecker
87

Histo-Couch Rezension von Julian Hübecker Jan 2022

Ein Revolutionär, an dem sich die Geister scheiden

Mitte des 18. Jahrhunderts sorgte Carl Linnaeus für einen Aufschrei unter den Naturwissenschaftlern, insbesondere den Botanikern: er wollte das altbekannte und akzeptierte System zur Einteilung der Tiere und Pflanzen verändern. Die einen feierten ihn als Revolutionär, andere wollten ihn als Ketzer brandmarken; dabei war auch Linnaeus gottesfürchtig. Doch niemand konnte den brillanten Botaniker aufhalten – nicht einmal sein schärfster Widersacher: Johann Georg Siegesbeck.

„Kirche ist das eine, die Wissenschaft das andere.“

Carls‘ Vater hatte eigentlich andere Pläne für seinen Sohn: Wie er, soll auch Carl das Priesteramt bekleiden. Doch stets ist der kleine Junge lieber in der Natur unterwegs und sucht nach seltenen Pflanzen, als dass er die Schulbank drückt. Weder Eltern noch Lehrer können ihn davon abhalten, dass sein Herbarium größer wird und er stoisch den Weg des Wissenschaftlers bestreitet. Sogar in die Wildnis Lapplands soll es ihn verschlagen, wo er weitere Pflanzen sammelt, und schließlich wird er eine neue Nomenklatur einführen, die ihn zu einem der bedeutendsten Naturwissenschaftler werden lässt: das binäre System.

Demnach wird jedes Lebewesen mit zwei lateinischen Namen und nicht wie üblich einer komplizierten Aneinanderreihung vieler Namen beschrieben. Der eine – der Gattungsname – verrät die Verwandtschaft zu anderen Lebewesen, und der andere – der Artname – beschreibt die jeweilige Spezies. Als Botaniker haben ihn natürlich die Pflanzen besonders interessiert und ihre Einteilung nahm er anhand ihrer Sexualorgane vor, ja verglich sie sogar mit dem menschlichen Beischlaf. So mancher Wissenschaftler war entsetzt – so auch Johann Georg Siegesbeck, der als Botaniker in Sankt Petersburg arbeitete und Linnaeus‘ Schrift als Blasphemie ansah, woraufhin er eine Gegenschrift verfasste. Doch Linnaeus wurde immer bekannter, wurde bald sogar als Carl von Linné in den Adelsstand erhoben. Siegesbeck indes führt sein Sinn nach Rache durch halb Europa …

„Denn Klarheit und Allgemeingültigkeit waren die Grundprinzipien der Wissenschaft, und ein Artname ohne Gattungsnamen war wie eine Glocke ohne Klöppel.“

Wenn man sich mit der Zoologie oder Botanik befasst, kommt man an dem großen Carl von Linné nicht vorbei. Sein binäres System sorgte dafür, dass nun eine international verständliche Nomenklatur zur Einteilung der Lebewesen vorliegt. Wenngleich sein Gottesglaube ihn in der Weiterentwicklung ausbremste, so sollte seine Idee den Grundstein für die heutige Nomenklatur der Arten legen, die im Wesentlichen nicht mehr geändert wurde.

Doch wer war von Linné? Axel S. Meyer nimmt sich seiner wichtigsten Etappen auf unterhaltsame Weise an.

Zum einen begleitet man von Linné (beziehungsweise über den größten Teil des Buches Linnaeus) von seiner Geburt bis zu der Zeit, wo er selbst spät Vater wird. Seine Begeisterung für alles Botanische, sein Ehrgeiz, aber auch sein wachsendes Selbstbewusstsein werden zu einem spannenden Bericht zusammengefasst und die damalige Zeit wird glaubhaft vermittelt.

Dem gegenüber steht Siegesbeck, der erfolglos versucht, seinen Widersacher mundtot zu machen. Im Nachwort verrät der Autor, dass über ihn nicht viel bekannt ist, weshalb er sich hier der reinen Fiktion bedient, dabei aber amüsant den fruchtlosen Kampf Siegesbecks einbindet. Es trifft also eine biografische Buchhälfte auf eine fiktive Romanhälfte, die zum einen Spannung, aber auch Witz auslösen und herrlich unterhalten.

Fazit

Ein ungewöhnliches, aber gelungenes Buch über zwei Widersacher: Siegesbeck als tragische, aber humorige Figur; von Linné als großer Wissenschaftler, dessen Wirken bis heute anhält.

Der Mann, der die Welt ordnete

Axel S. Meyer, Kindler

Der Mann, der die Welt ordnete

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