Eisflut 1784

Erschienen: November 2021

Couch-Wertung:

90
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Karin Speck
Düstere Geheimnisse, Kälte, Hunger und Not am Rhein

Rezension von Karin Speck Jan 2022

Mühlheim 1784, es herrscht bitterkalter Winter, als ein Mord entdeckt wird. Der Amtmann Henrik Venray ist wegen der Überwachung eines Deiches in das kleine Städtchen am Rhein gekommen, doch als er von diesem Leichenfund erfährt, sieht er sich in der Pflicht, der Sache nachzugehen. Die Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt steht ihm dabei zur Seite. Gemeinsam machen sie sich daran, den Mord zu klären und entdecken dabei ein düsteres Geheimnis. Aber nicht nur diesen Täter müssen sie fassen, sondern auch gegen die extreme Kälte kämpfen und dabei zusehen, wie der Hunger um sich greift. Als wäre dies alles noch nicht schlimm genug, droht auch noch eine große Überflutung, sollte es endlich zu tauen beginnen. Denn auf dem Rhein und seinem Umland haben sich riesige Eismengen gebildet; die Frage ist hier nicht mehr, ob diese Schmelzwasserflut kommt, sondern nur wann sie beginnen wird und welche Folgen sie haben wird.

Vom Deichbau zum Mord

Die Geschichte dieses historischen Kriminalromans beginnt mit einem Prolog, der scheinbar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hat. Geschildert wird eine Naturkatastrophe auf Island, erst danach geht es mit der eigentlichen Handlung weiter. Jetzt beginnt die Geschichte rund um den Amtmann Henrik Venray. Er ist ein offizieller Ermittler für schwierige Aufgaben. Marco Hasenkopf hat sich die Zeit genommen, den Herren ausgiebig vorzustellen und vor allem seine Arbeitsweise zu erläutern. So braucht es einige Seiten, bis der Amtmann dann den eigentlichen Ort der Handlung, nämlich Mühlheim am Rhein nahe Cöln erreicht. Hier wird es dann von Anfang an brenzlig für Henrik Venray. Eigentlich soll er ja den Deich erkunden und auch fertig stellen, eine schwere Aufgabe mitten im Winter. Der Mord, den es dann aber zu klären gilt, ist um einiges spannender als der Deichbau. Dabei ist es dem Autor gelungen, die Umstände in diesem Ort lebensnah zu schildern.

Kälte und Grauen gehen unter die Haut

Marco Hasenkopf hat seine fiktive Mordserie so glaubhaft in den historischen Hintergrund verpackt, dass man ihm als Leser jedes Wort glaubt. Dabei schildert er die Ereignisse und Abläufe detailgetreu und nachvollziehbar. Die Kälte dieses Winters ist genauso spürbar wie das Grauen dieser Morde. Gleichzeitig erfährt man aber auch, was diese Umstände für die Menschen bedeutet haben. Vor allem wie sehr sie unter der Kälte und dem damit einhergehenden Hunger gelitten haben.

Auch der religiöse Aspekt wurde ausgearbeitet und die Kluft zwischen Arm und Reich geschildert. 

Einmal mehr wird mithilfe der Apothekerwitwe gezeigt, wie schwer es vor allem alleinstehende Frauen hatten. Anna-Maria muss in all den Erschwernissen dieser Zeit kämpfen, um ihren Lebensunterhalt nicht zu verlieren, dabei schadet es sicher nicht, dass ihr der Amtmann Henrik Venray nicht unsympathisch ist und dies auf Gegenseitigkeit zu beruhen scheint. Die Beziehung dieser beiden entwickelt sich so nach und nach und fügt sich nahtlos in die Handlung ein. Es scheint fast so, als müsste alles so kommen, wie es kommt. Alles in allem sind dem Autor seine Charaktere durchaus gelungen.

Die Suche nach dem Mörder ist aber nur ein Teil dieser Geschichte, das große Ereignis kommt dann erst zum Ende und lässt seine Leser/innen dann aber auch nicht mehr los. Der Autor hat es gut verstanden, diese Geschichte so zu erzählen, dass man einfach nicht anders kann, als bis zum Ende zu lesen und das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

In seinem Nachwort klärt Marco Hasenkopf noch Wahrheit und Fiktion auf und gibt einige interessante Details zum historischen Hintergrund wieder.

Fazit:

„Eisflut 1784“ ist mehr als nur ein fiktiver historischer Kriminalroman. Er schildert gleichzeitig eine bedeutende Naturkatastrophe am Rhein, die historisch belegt ist. Gleichzeitig ist es dem Autor gelungen eine mitreisende Geschichte zu erzählen, die die Leser/innen in Atem hält.

Eisflut 1784

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