Das Buch der verschollenen Namen

Erschienen: Oktober 2021

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Heike Jaschhof
Hoffen auf Gottes Hilfe

Rezension von Heike Jaschhof Nov 2021

Paris 1942: Im Zuge einer Massenverhaftung von ausländischen Juden müssen Eva Traube und ihre Mutter hilflos zusehen, wie ihr Vater und Ehemann festgenommen wird. Zum Schutz ihres eigenen Lebens, fliehen sie in eine unbesetzte Zone, nach Aurignon. Dort finden sie Unterschlupf und Sicherheit. Zur Unterstützung in einer kirchlich geleiteten Flüchtlingsorganisation wird Eva Traube als Dokumentenfälscherin angeworben. Trotz unterschiedlicher Standpunkte finden sich Mutter und Tochter in ihre neue Lebenssituation ein. Doch es kommt erneut zu einer tiefgreifenden Wende: Deutsche Truppen marschieren in Aurignon ein…

 „Was immer mit mir geschieht, es ist Dein Wille“

Kristin Harmel, geboren 1979 in Newton, Massachusetts, USA, beschreibt in ihrem Roman die Arbeit der französischen Widerstandsbewegung während des zweiten Weltkrieges. Mittelpunkt des Geschehens ist Aurignon, ein 500- Seelendorf in Frankreich.

In einem Zeitraum von 1942 bis 1945 schildert die Autorin sehr fesselnd das Leben von Eva Traube und ihrer Mutter in dem französischen Dorf. Als exzellente Dokumentenfälscherin wird sie zu einem unverzichtbaren Mitglied in der französischen Widerstandsbewegung. Ein kleiner Bibliotheksraum in der katholischen Dorfkirche wird ihr Arbeitsplatz. Mit all ihrer zur Verfügung stehenden Kraft und Energie leistet sie bravourös ihren Beitrag, kriegsverfolgte Menschen, insbesondere Kinder, in Sicherheit vor den Nazis zu bringen.

Je mehr Eva in ihre Aufgabe eintaucht, desto mehr schleichen sich bei ihr Selbstzweifel ein. Fragen nach Identität und Glauben stehen neben Verlustgefühlen und Trauer im Vordergrund. Hinzu kommen Schuldgefühle gegenüber ihrer Mutter, einer traditionsbewussten, renitenten Frau jüdischen Glaubens.

In einem flüssigen Schreibstil führt Kristin Harmel die Leserinnen und Leser in eine Welt ein, die im heutigen 21. Jahrhundert kaum vorstellbar ist.  Voller Mut, gegenseitigem Verständnis und Zusammenhalt versuchen Eva und ihre Weggefährten, den entmenschlichten Nazis zu entkommen.

Das Buch, stellenweise emotional schwer bekömmlich, wird abgerundet durch unregelmäßige Kapiteleinschübe, die über Evas weiteren Werdegang nach Kriegsende berichten. Auch hier wird durch ein unerwartetes Ereignis das Leben der inzwischen 84jährigen nochmals ordentlich durchgerüttelt.

Angelehnt an eine wahre Begebenheit wird der historische Roman, von Anfang bis Ende sehr spannend erzählt. Kristin Harmel, Bestseller – Autorin und Journalistin, gelingt es, in einem unfassbaren, düsteren Abschnitt der deutschen Geschichte, eindrucksvoll und feinfühlig Character und seelische Empfindungen der Menschen darzustellen.

Fazit

Kirsten Harmel hat ein gewaltiges Thema ihrem Roman zugrunde gelegt. Die tröstliche Moral, die aus dem Buch zu gewinnen ist, liegt in nichts anderem als einer großen Dankbarkeit, niemals einen Krieg miterlebt zu haben. Jedoch ist es trotz aller Tragik auch ein positives Buch über Liebe, menschlichen Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft.

Das Buch der verschollenen Namen

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