Piraten

  • Heyne
  • Erschienen: Juli 2022
Piraten
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Carsten Jaehner
65

Histo-Couch Rezension vonSep 2022

Wie man ein echter Pirat wird

Piräus, Griechenland, 25 nach Christus. Durch Zufall hilft der 16jährige Telemachos dem Frachterkapitän Clemestes, der des nächstens von ein paar Spitzbuben überfallen wird. Aus Dankbarkeit nimmt dieser Telemachos mit an Bord seines Schiffes. Telemachos ist eigentlich ein kleiner Dieb, der sich gerade so über Wasser hält und ein geregeltes Einkommen gut brauchen kann, da er seinen älteren Bruder aus der Sklaverei freikaufen will.

Als das Schiff ausläuft und von Piraten überfallen wird, bleibt Telemachos nichts anderes übrig, als sich den Piraten anzuschließen, da sie ihn sonst gemeuchelt hätten. Zudem winken ihm als Pirat höhere Reichtümer, als wenn er auf einem Kaufmannsboot mitgefahren wäre. All dies bringt ihn dem Traum näher, seinen Bruder freikaufen zu können. Doch auch das Piratenleben ist nicht ohne, gerade wenn man sich mit dem General der römischen Flotte, Canis, anlegt, der den Auftrag hat, die Piraten im Adriaticum (heute: Adria) zu erledigen. Die Landratte Telemachos wird schneller zu einem Seemann, als ihm lieb ist, und durch sein Geschick macht er sich nicht nur Freunde.

Glatter Aufstieg

Der britische Schriftsteller Simon Scarrow, der hauptsächlich für seine Rom-Romanserie mit Macro und Cato berühmt wurde, schreibt gelegentlich auch andere Geschichten. 2019 erschien in Zusammenarbeit mit T. J. Andrews eine fünfteilige Reihe mit dem Übertitel „Pirata“, die nun (2022) unter dem Titel „Piraten“ in einem Band zusammengefasst auf Deutsch erschienen ist. „Piraten“ spielt wie gewohnt im Antiken Rom, genauer gesagt im Jahr 25 nach Christus und hat mit der Rom-Reihe nichts zu tun.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 16jährige Telemachos, der sich auf den Straßen von Piräus im wahrsten Wortsinn irgendwie durchschlägt. Als er einen Frachterkapitän rettet, der hoch verschuldet ist, wird er von diesem aus Dank mit an Bord genommen, wo er Geld verdienen kann, das Telemachos sparen will, um seinen älteren Bruder Nereus aus der Sklaverei freizukaufen. Dies ist die Haupt-Antriebsfeder, die im Roman immer wieder auftaucht und teilweise langatmig durchgekaut wird, immer wieder kommen ihm Zweifel, ob er es schaffen wird, und diese Zweifel werden doch wieder besiegt.

Sprachlich einfach

Telemachos macht sich schnell durch seine gewitzten, aber funktionierenden Ideen nicht nur Freunde, sondern auch Feinde, da er in der Beliebtheit seines neuen Piratenkapitäns Bulla schnell nach oben steigt. Obwohl er noch nie auf See war und ihm auch anfangs vom Seegang übel wird, lernt er schnell das Seefahrerhandwerk und kann sich dank seiner Erfahrung aus den Straßen von Piräus auch in anstehenden Gefechten behaupten.

Obwohl Telemachos die Hauptfigur ist, lernt man ihn recht wenig kennen, und auch seine Mitpiraten bleiben im Grunde genommen beliebig und austauschbar. Er findet schnell Freunde, alles geht glatt. Telemachos‘ Aufstieg vom Straßenjungen zum handfesten Piratenkapitän in ein paar Monaten ist sehr geradlinig und läuft mehr oder weniger an allen Piratenmannschaften vorbei. Die meisten sind natürlich für ihn, aber es gibt immer ein paar Gegner, die es sich aber nicht erlauben können, gegen ihn zu sein, solange er Erfolg hat.

Sprachlich kommt der Roman recht einfach daher und man wird das Gefühl nicht los, dass es sich hier um einen Jugendroman handeln könnte, wenn nicht gelegentlich Schlachten recht ausführlich in ihrer Brutalität beschrieben würden. Telemachos erlebt einen fulminanten Aufstieg, er hat immer die richtigen Ideen, und da beschleicht sich beim Leser das Gefühl, dass im Gegensatz dazu der Autor nicht viele Ideen hatte, die ein abwechslungsreichere Geschichte mit mehr Ecken und Kanten ergeben hätte. Man erfährt ein bisschen was über das Leben der Piraten, erhält aber keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse, die einem diese Menschen nähergebracht hätten. „Piraten“ ist nicht Scarrows originellster Wurf.

Fazit

„Piraten“ ist eine zu glatte Geschichte, die erst im letzten Viertel richtig Fahrt aufnimmt und zuvor auch in einer anderen Zeit hätte spielen können. Viele Piratenfiguren bleiben klischeehaft einseitig charakterisiert, Telemachos‘ Aufstieg ist vorhersehbar und daher fast langweilig. Sprachlich lässt sich der Roman locker weglesen und eignet sich daher eher als entspannte Ferienlektüre.

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