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Karin Speck
Nicht alles kann unter Schnee begraben werden

Rezension von Karin Speck Nov 2021

Die Bewohner von Schloss Schwanenholz tragen Trauer, ihre Gräfin Luise von Schwan ist verstorben und ihre Beerdigung steht kurz bevor. Es ist Ende Dezember des Jahres 1978, als sich alle in der Kapelle einfinden, um Abschied zu nehmen, doch ein heftiger Sturm fegt übers Land. Das Gut liegt im Herzen Schleswig-Holsteins direkt an der Ostsee. Der unerwartete heftige Sturm sorgt schnell dafür, dass das Gut von der Außenwelt abgeschnitten wird. Die Bewohner sind nun auf sich allein gestellt, zudem ist auch noch ein unerwarteter Gast aus Frankreich eingetroffen. Die fremde Frau trägt ein Geheimnis mit sich herum und behauptet, die Tochter von Luise zu sein. Kann das wirklich sein? Was will die Frau jetzt hier auf dem Gut?

Ein Gut mit vielen Geheimnissen

Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit der Trauerfeier der Gräfin, in Gedanken scheint jeder für sich allein zu sein, als der große Sturm losbricht und die Feier unerwartet beendet. Die Autorin beschreibt nun die große Schneekatastrophe von 1978 im Norden von Schleswig-Holstein. Das Gut und seine Bewohner werden von der Außenwelt abgeschnitten und müssen sich selbst helfen. Katrin Burseg erzählt diesen Teil gekonnt und nachvollziehbar. Es fällt durchaus leicht, sich die Menschen im Krisengebiet vorzustellen, aber dies allein ist es natürlich nicht. Mit der fremden Frau aus Frankreich kommt auch ein düsteres Kapitel der Gutsgeschichte zum Vorschein. Die Gräfin Luise hat das Gut, welches eine Baumschule ist, von ihrem Vater geerbt und hat es in der Familientradition verwaltet. So nach und nach erfährt der Leser nun, wie sich das Leben auf Schloss Schwanenholz gestaltet hat. Die Gedanken gehen zurück in die Kriegsjahre des 2. Weltkrieges und in die Nachkriegszeit. Die Autorin arbeitet hier das dunkle Kapitel der Zwangsarbeiter auf. Sie schildert, wie so manch einer verschleppt wurde und sich in der Fremde wiederfand, aber auch davon, dass es manche auch geschafft haben, eine Liebe in diesen schweren Zeiten zu finden.

Nachkriegszeit geschickt mit der Schneekatastrophe verbunden

Der Autorin ist es gelungen, die Zeit der Schneekatastrophe mit der Vergangenheit der Nachkriegszeit zu verbinden. So nach und nach werden einige Geheimnisse der Familie gelüftet. Gefühle werden freigesetzt und nehmen ihre ganz eigenen Wege. Die Protagonisten hat Katrin Burseg geschickt ausgearbeitet. Sie hat es verstanden, nicht zu viel zu verraten und damit eine gewisse Spannung in der Geschichte zu halten. Irgendwie haben alle in dieser Familie ein Geheimnis zu bewahren. Die Vergangenheit will aufgearbeitet werden.

Die Autorin hat ihre Geschichte in mehrere Handlungsstränge aufgegliedert und lässt mal den einen Protagonisten zu Wort kommen, um dann im nächsten Kapitel bei einem anderen Charakter zu sein. Auf diese Weise erlebt man als Leser die Geschichte von vielen Seiten und mit all seinen Facetten. Zudem ist der Erzählstil leicht und locker zu lesen. Die Beschreibungen der Naturkatastrophe ist Katrin Burseg gelungen, jeder, der dabei war, wird ihr wohl zustimmen und sagen: „Ja, so ist es damals gewesen.“

In ihrem Nachwort am Ende erläutert Burseg woher sie ihre Idee zum Buch hatte und klärt Fiktion und Wahrheit. Ein kleiner Stammbaum der Familie von Schwan ist ebenfalls vorhanden.

Fazit

Ein schöner Roman, der Liebe und Leid, Vertreibung und Zwangsarbeit miteinander verbindet. Eingebettet in die Schneekatastrophe von 1978/79 authentisch erzählt und mit interessantem Hintergrundwissen verwoben. Zudem gibt „Unter dem Schnee“ die Familiengeheimnisse nur so nach und nach frei, dadurch kann man das Buch eigentlich nicht aus der Hand legen.

Unter dem Schnee

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