Der Herr der Schlacht

Erschienen: September 2021

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98
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Carsten Jaehner
Ein Königreich für England

Rezension von Carsten Jaehner Okt 2021

Uhtred, Herr von Bebbanburg, könnte seine Altersfreiheit auf dem Sitz seiner Familie genießen, er hat so manche Schlacht geschlagen und die eine oder andere Blessur davongetragen. Allein sein Name flößt seinen Gegnern immer noch Respekt und Furcht ein, doch steht Bebbanburg an der Grenze zu Schottland, und die Schotten wollen sich dem Willen König Ӕthelstans nicht beugen, der im Namen seines Großvaters, Alfreds des Großen, eine Vereinigung aller Königreiche der Insel zu einer Nation namens Englaland anstrebt.

Ӕthelstan, dem Uhtred einst den Treueeid geschworen hat, hat diesem Bebbanburg versprochen, doch nun sieht es so aus, als würde er sein Versprechen brechen wollen. Uhtred weiß nicht mehr, wem er trauen kann – König Ӕthelstan, dem er seinerzeit auf den Thron geholfen hat und der nun gegen ihn zu sein scheint, oder den Schotten unter den Königen Anglaf und Constantine, die Uhtred Reichtum und Macht versprechen.

Im Jahr 937 kommt es schließlich bei Brunanburh zur entscheidenden Schlacht um Englaland, und Uhtred muss sich entscheiden, ob er für seinen König antritt, der mit seinen Truppen viel weniger Männer aufweisen kann als der Feind, oder für die Schotten, und damit seinen Eid brechen muss. Sein eigenes Bestreben war stets, lediglich Herr von Bebbanburg zu sein. Die Entscheidung führt ihn in die größte Schlacht, die die Insel je gesehen hat.

Das Ende der 13-bändigen Geschichte, wie England entstand

Das ist er also, der letzte Band der Reihe um Uhtred, den rastlosen Kämpfer für ein geeintes England. 14 Jahre und 13 Romane hat Bernard Cornwell gebraucht, um die Geschichte der Entstehung Englands anhand des Lebens von Uhtred von Bebbanburg zu erzählen, dabei immer so exakt und nah wie möglich an der nicht immer vor wirklichen Belegen strotzenden historischen Wahrheit; die Löcher in der Überlieferung wurden aber immer logisch gefüllt und in den Nachworten der Romane begründet. So geschieht dies auch in „Der Herr der Schlacht“, dem Schlusskapitel der Reihe.

Uhtred ist alt und müde geworden, und auch wenn man keine genaue Alterszahl erfährt, so erinnert man sich doch an die eine oder andere Schlacht und kann mitfühlen, wie gerne er einfach im Kreise seiner Familie seine hart erkämpften Blessuren pflegen würde. Doch herrscht Unruhe, seine Feinde und auch seine Freunde lassen ihn nicht ruhen.

Schlachten und Taktiken

Gekonnt wie gewohnt baut der Autor seine Geschichte auf, die oftmals nur dahinplätschert, und auf einmal macht alles, was passiert und passiert ist, einen Sinn, die Zusammenhänge erschließen sich, und man folgt als Leser den Gedanken des Ich-Erzählers Uhtred, sofern er den Leser denn daran teilhaben lässt. Uhtred steckt in mehreren Zwickmühlen, dem Treueid an Ӕthelstan, der ihn möglicherweise hintergangen hat, und den Verlockungen seiner Feinde für Ruhm, Reichtum, Frieden und vor allem Bebbanburg. Dramaturgisch geschickt baut Cornwell seinen Roman auf, und als Uhtred sich für eine Seite entschieden hat, lässt sich der Autor Zeit für den Showdown des Romans, der Schlacht um Brunanburh, historisch belegt, wenn auch bei den meisten Engländern unbekannt, aber von wegweisender Bedeutung.

Wie in allen vorhergehenden Bänden trifft man auf alte Bekannte, Freund wie Feind, und auch Uhtreds Familie zieht mit ihm in die Schlacht, seit Generationen hat ein Uhtred gekämpft, so wird es auch weitergehen. Alte Freunde wie Egil und vor allem Finan, ebenso alt und mit entsprechendem schwarzen Humor ausgestattet, sind an Uhtreds Seite und sorgen für den Wiedererkennungswert innerhalb der Romane, die treuesten Freunde von der ersten bis zur letzte Seite. Überhaupt sorgt der sarkastische Humor, gerade wenn man ums Alter frotzelt oder um die „Sache“ mit den Göttern, also die heidnischen Götter oder der christliche „angenagelte Gott“, immer wieder für Auflockerung und zaubert dem Leser ein ums andere Mal ein wohliges Schmunzeln ins Gesicht. Nicht zu vergessen die traditionellen Rituale, die man kennenlernt, und seien es „nur“ die Beschimpfungen der Feinde, wenn man sich mal zufällig außerhalb des Schlachtfelds trifft.

Spannende Geschichtsstunde mit britischem Humor

Bernard Cornwells Geschichtsstunde lässt sprachlich nichts zu wünschen übrig, Leser der Reihe werden problemlos Anschluss finden. Die Geschichtsstunde hat sowohl einen hohen Lern-, als auch Unterhaltungswert, und dieser zog sich nun über 13 Romane. Das einzige, was sich hier kritisieren lässt, ist, dass es nun leider vorbei ist. Aber nichts sollte den geneigten Leser davon abhalten, nun alles noch einmal in einem Rutsch zu lesen, schließlich musste man sonst immer ein Jahr auf den neuen Band warten.

Neben einer Karte Englands enthält der Band wie gewohnt eine Übersetzung der Ortsnamen, ein lesenswertes Nachwort, das den Plot des Romans noch einmal in die wahre historische Geschichte transportiert, und eine Danksagung. Wer sich immer schon gefragt hat, wie Uhtreds Geschichte wohl enden wird, der bekommt hier die Antwort, die natürlich nicht verraten werden soll. Doch wie heißt es in jedem der dreizehn Bücher mehrfach: Wyrd biđ ful āræd – Das Schicksal ist unausweichlich.

Fazit

Bernard Cornwell hat sein Opus Magnum über die Entstehung von England erfolgreich beendet und mit dem abschließenden „Der Herr der Schlacht“ noch einmal seine ganz große Erzählkunst gezeigt. Es mag einige Längen geben, die dem Autor als Schwächen ausgelegt werden könnten, aber auch in diesen Teilen bleibt er sich treu und überrascht die Leser mit Wissen und Humor, mit Details und geschickter Dramaturgie, mit seinem unvergleichlichen Schreibstil und seiner Geschichte, die ihn zu einem der großen englischen Erzähler dieser Zeit machen. Für Fans ein Muss, für alle anderen ein Sollte, aber bitte chronologisch von Band 1 an. Hervorragend und daher sehr lesenswert.

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