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Heike Jaschhof
Rückkehr zu den Wurzeln

Buch-Rezension von Heike Jaschhof Jun 2021

Rosa, die Zentralfigur in diesem Roman, steht nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters vor der Aufgabe, den Hof allein zu bewirtschaften. Niemand im Dorf traut ihr dies zu. Aber Rosa geht mit großem Elan an ihre Aufgabe. Doch Krieg und Nachkriegsjahre bringen Veränderungen mit sich. Altbewährtes verliert allmählich seine Gültigkeit. Sohn Sepp und Enkel Hannes müssen nach neuen Wegen suchen, den Hof aufrechtzuerhalten. Trotz aller Bemühungen verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation unaufhaltsam. Doch unversehens tritt ein Ereignis ein, das zu einer tiefgreifenden Wende führt.

„Wachsen oder Weichen“

Jarka Kubsova, geboren 1977 in Tschechien, beschreibt in ihrem Debütroman das Leben einer Familie über drei Generationen. Mittelpunkt des Geschehens ist Innerleit, ein in 1670m Höhe gelegener Bergbauernhof im Südtiroler Tiefenthal. Beginnend in den vierziger Jahren bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert die Autorin in einer sehr stimmungsvollen Sprache die Idylle der Landschaft und das selbstgenügsame und zufriedene Zusammenleben der Bergbauern.

In Kapiteln, unregelmäßig vor – und rückblickend gestaltet, führt die Schriftstellerin die Leserin und Leser am Beispiel der Familie in die Denk – und Lebensweise der Landwirte ein.

„Maloche ist das eine, den richtigen Zeitpunkt zu kennen ist das andere“.

Dieser Ausspruch beschreibt treffend das Lebens- und Arbeitsmotto der Landwirte. Wetterabhängigkeit, schwere körperliche Arbeit, ständige Präsenz in Haus und Hof ist der Preis für ein mit der Natur im Einklang stehendes Leben.

Hinzu kommt die ungleiche Rollenverteilung zwischen den Ehepartnern. Wird das 20. / 21. Jahrhundert auch von dem Thema Gleichstellung der Frau bestimmt, so trifft dies in dem vorliegenden Roman nicht zu. Die Frauen sind zuständig für Haushalt, Kindererziehung und Mitarbeit auf Feld und Hof; die Männer für den Lebensunterhalt.

Um das Leben der Menschen kennenzulernen, lebte die Autorin sieben Monate auf einem Bergbauernhof in Südtirol. Mit großem Einfühlungsvermögen versteht es die Bestseller- Sachbuch- Co.- Autorin die tiefe Verwurzelung der Menschen mit Ihrer Heimat darzustellen.

Im weiteren Verlauf durchbricht der ergreifende Roman die harmonische Lebensweise im Tiefenthal. Krieg und Nachkriegsjahre erreichen auch die in aller Abgeschiedenheit gelegenen Höfe. Die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg werden weitestgehend ausgeblendet, im Vordergrund stehen die Nachkriegsjahre. Wirtschaftswachstum und Fortschritt machen auch vor dem Dorf nicht Halt. Ist das 21. Jahrhundert geprägt von ökologischem Denken, werden die Bauern aufgrund agrarpolitischer Vorlagen gedrängt, nachhaltig geführte Landwirtschaft zugunsten einer ökonomisch geführten Agrikultur aufzugeben.

Jarka Kubsova, im Alter von zehn Jahren nach Deutschland emigriert, gelingt es, mit einer authentisch- und melancholischen Erzählstimme sowohl die Persönlichkeit der Bergbewohner als auch die Berglandschaft beeindruckend darzustellen.

Fazit

Ein ergreifendes Buch über das Zusammenspiel zwischen Menschen und Natur. Eindrucksvoll verbindet Jarka Kubsova poetische Naturbeobachtungen mit Gesellschaftskritik. Sachlich und bodenständig zeigt sie, wie ein respektvoller Umgang mit der Natur geht und so den Weg zur Entfaltung persönlicher Freiheit ebnen kann.

Bergland

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