Frau Merian und die Wunder der Welt

Erschienen: Mai 2021

Couch-Wertung:

92
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Christina Wohlgemuth
Inspirierende Geschichte einer mutigen Frau

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Mai 2021

Amsterdam, Ende des 17. Jahrhunderts. Maria Sybilla Merian wagt einen nahezu unerhörten Schritt. Sie hat Ihren Mann verlassen, ist der einengenden Ehe entflohen und hat sich mit Ihren Töchtern aufgemacht in die Niederlande. In Amsterdam hofft sie darauf, sich ihren Traum erfüllen zu können: Sie will nach Übersee reisen und exotische Insekten und Pflanzen mit eigenen Augen sehen, zeichnen und über sie publizieren. Für eine Frau, noch dazu ohne Ehemann, ein großes Wagnis. Und der Weg, der vor Maria liegt, ist lang: Sie hält sich mit Malschülerinnen und den Verkäufen Ihrer Gemälde über Wasser, doch eine Reise nach Surinam, gelegen an der Nordostküste Südamerikas, erscheint ferner denn je. Aber es gibt noch etwas Anderes, das in Marias Leben einen großen Platz einnimmt: Ein Mann, in den Sie sich auf den ersten Blick verliebt, der Ihre Liebe erwidert, der aber immer wieder verschwindet – und dessen Leben gefährlich zu sein scheint. Doch dann tut sich die Chance ihres Lebens für Maria auf, und sie muss sich entscheiden: Wagt sie den großen Schritt? Oder bleibt sie?

Es ist eine bis heute nicht ganz verschwundene Tradition, dass die großen Entdeckungen, Erfindungen und Antworten, häufig mit männlichen Namen verbunden werden. Frauen tauchen, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, in diesem Zusammenhang umso seltener auf. Dabei ist ihre Leistung nicht hoch genug einzuschätzen, insbesondere angesichts der damaligen gesellschaftlichen Stellung der Frauen. Frauen, die damals etwas wagten, mussten sich nicht nur auf ein finanzielles Wagnis einstellen, sondern auch mit der Skepsis ihrer Mitmenschen rechnen. Eine Frau, die auf Forscher- und Entdeckungsreise geht? Für Maria Merian war all dies kein Grund, ihren Traum aufzugeben.

Aus einer labadistischen Gemeinde in den Urwald von Surinam

Marias Weg führt aus einer kleinen, labadistischen Gemeinde in das damals schon umtriebige Amsterdam, von wo aus schon damals Schiffe in alle Welt aufbrachen. Gut 200 Jahre, nachdem Kolumbus seinen ersten Fuß auf amerikanischen Boden setzte, füllt sich die Landkarte der Welt immer weiter, Küsten werden entdeckt, Siedlungen gegründet – und die einheimische Bevölkerung mit Argusaugen betrachtet, missioniert oder gar versklavt. Wer die Überfahrt wagt, muss mit Schwierigkeiten und Gefahren rechnen, und das nicht nur, weil die Überfahrt nach Surinam mehrere Wochen dauert und nicht wenige Schiffe im Sturm kentern oder von Piraten überfallen werden.

Man kann den Mut einer Frau dieser Zeit gar nicht hoch genug würdigen. Dabei gelingt es der Autorin, Maria als Person und Frau greifbar und nachvollziehbar zu zeichnen, mit ihren Sorgen und Ängsten, aber auch mit ihrer unbändigen Hoffnung, ihren Traum doch noch erfüllen zu können. Dadurch bleibt sie mit Leser und Leserin auf Augenhöhe, und es ist sehr leicht, mit ihr mitzuempfinden und sich in sie hineinzuversetzen.

Ein gut zu lesender Stil rundet das Leseerlebnis ab

Die Liebesgeschichte ist detailreich erzählt; sie ist romantisch, ohne kitschig zu wirken und fügt sich hervorragend in den Hauptstrang der Erzählung ein. Gleichzeitig vermittelt die Autorin einen lebendigen Eindruck von der damaligen Gesellschaft und erlaubt darüber hinaus interessante Einblicke in die damaligen Mal- und Zeichentechniken, aber auch in die Welt der Schifffahrt und in das Leben in den Kolonien. Dadurch entstehen zu keiner Zeit Längen, sondern viel mehr ein farbenfroher, intensiver und atmosphärischer Roman über eine außergewöhnliche Frau, die ihren Träumen mit ebensolcher Geduld und Leidenschaft nachjagt, mit der sie auch Schmetterlinge fängt und zeichnet.

Fazit:

Wer vor historischen Romanen zurückschreckt, weil er zu viel Informationen oder gar eine trockene Wissensvermittlung befürchtet, wird dies bei Ruth Kornbergers erstem Roman ganz und gar nicht bestätigt sehen. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen Historie und Fiktion, zwischen Spannung, Liebe und gesellschaftlichem Einblick. Ihre Figuren sind lebendig, greifbar und dreidimensional, und ihre Schilderung insbesondere der Tier- und Pflanzenwelt in Surinam lässt Leserin und Leser in eine faszinierende Welt eintauchen und vermittelt dabei einen Hauch der Magie, die in der damaligen Zeit die Reise in ferne Länder umgeben haben muss.

Frau Merian und die Wunder der Welt

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