Die Macht der sieben Familien

  • Goldmann
  • Erschienen: November 2021

Ingrid Exo, Christine Heinzius (Übersetzung)

Die Macht der sieben Familien
Die Macht der sieben Familien
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Carsten Jaehner
85

Histo-Couch Rezension vonFeb 2022

Familienfehden auf Italienisch

Italien, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mehrere Familien kämpfen in den verschiedenen Königreichen und im Kirchenstaat um die Macht. Nach dem abendländischen Schisma einigen sich die drei gegnerischen Parteien auf Martin V. als neuen Papst. Nach dessen Tod wird am 3. März 1431 der Venezianer Gabriele Condulmer zum neuen Papst gewählt, erstaunlicherweise einstimmig und dennoch direkt mit Intrigen und Problemen behaftet. Seine Feinde wählten ihn, weil sie ihn nicht für stark und daher beeinflussbar hielten, seine Freunde wählten ihn sowieso. Unter dem Namen Eugen IV. residiert er bis 1434 in Rom, muss dann aber mit Hilfe der Medici nach Florenz fliehen.

Feinde Eugens sind unter anderem die Mailänder unter Filippo Maria Visconti, der hässliche Herzog von Mailand, der seine Tochter mit dem viel älteren Francesco Sforza verheiratet, der sein Nachfolger als Herzog wurde und das einflussreiche Geschlecht der Mailänder Sforza begründete. Er war für den Aufstieg Mailands verantwortlich und mit Cosimo de Medici befreundet. Doch in diesen Zeiten kann niemand sicher sein, was das Schicksal und vor allem das Machtstreben anderer Familien noch vorsehen.

Eine Mammutaufgabe

Mit „Die Macht der sieben Familien“ widmet Mateo Strukul sich der – freilich selbst auferlegten - Mammutaufgabe, das 15. Jahrhundert Italiens in Romanform darzustellen. Das Endergebnis ist ein 700 Seiten starkes Werk, das von 1418 bis 1476 fast sechzig Jahre umspannt. Daher darf man auch keine kleinsten Details oder ausufernde Handlungsstränge erwarten, dennoch setzt er wichtige Akzente und hilft dem Leser, den einen oder anderen Winkelzug in der Politik der herrschenden Familien zu verstehen.

Dem Roman sind nach dem Inhaltsverzeichnis zunächst Auflistungen der sieben handelnden Geschlechter vorangestellt, was dem Leser erleichtert, dem Geschehen folgen zu können und manche Dinge und Taten richtig einzuordnen. Neben den Visconti und Sforza aus Mailand sind dies die Condulmer aus Venedig, die Este aus Ferrara, die Medici aus Florenz, die Colonna und Borgia aus Rom und die Familie Aragón aus Neapel. Beginnend mit einem Prolog im Jahr 1418 umspannt der Roman die Zeit bis 1476. Er beginnt in Mailand und endet auch dort mit dem Mord an Galeazzo Maria Sforza, der im Begriff war, Mailand herunterzuwirtschaften und ein grausamer Herrscher zu sein.

Mailand als Dreh- und Angelpunkt

Trotz manch großer Sprünge gelingt Strukul tatsächlich, die entscheidenden Momente der Geschichte zu erzählen. Er behält immer einen gewissen roten Faden im Auge, gewisse Familienfehden tauchen immer wieder auf, und obwohl Personen kommen und gehen bzw. sterben, verliert man auch als Leser nicht den Durchblick. Irritierend mögen für manche Leser die langen italienischen Namen sein, vor allem, wenn noch Titel dazu erwähnt werden, aber daran gewöhnt man sich im Laufe des Romans.

Gut mitzuverfolgen

Matteo Strukul pflegt einen flüssigen Schreibstil und kurze Kapitel, beides ermöglicht dem Leser, einen guten Einblick in die Renaissance Italiens zu gewinnen, zwar nicht bis ins letzte Detail, doch zumindest so, dass man die politischen Winkelzüge der Familien verstehen und nachvollziehen kann. Der Leser erfährt viel über die Zeit und die verschiedenen Sitten und Gebräuche der Städte und bekommt daher ein umfangreiches Bild gemalt, zu dem in Italien bereits ein zweiter Band erschienen ist. Bleibt zu hoffen, dass dieser über kurz oder lang auch auf Deutsch erscheint.

Neben einem Inhalts- und einem Personenverzeichnis zu Beginn des Romans finden sich am Ende noch ein Nachwort und ein Glossar, zudem ist der Buchumschlag schön treffend historisch gestaltet und hebt sich damit von dem derzeit herrschenden Einerlei an Buchcovern ab.

Fazit

Trotz seiner allumfassenden Thematik hat Matteo Strukul einen 60 Jahre umfassenden Roman über die sieben entscheidenden Familien Italiens und somit eine Landesgeschichte geschrieben, die den Leser in die Zeit holt, diese gut erklärt und auch für Nicht-Italiener verständlich macht. Die kleinen Episoden werden detailreich geschildert und lassen die Handlungen und Verstrickungen nachvollziehbar werden. Ein gelungener Versuch, trotz selbst gestellter Mammutaufgabe.

Die Macht der sieben Familien

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