Lancelot

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2022

Julian Haefs (Übersetzung)

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Carsten Jaehner
82

Histo-Couch Rezension vonMai 2022

Die berühmteste Dreiecksgeschichte der Literatur aus anderer Sicht

Britannien im 5. Jahrhundert. Immer wieder fallen die Sachsen auf den britannischen Inseln ein und verwüsten Städte und Länder. Bei einem dieser Überfälle wird auch die Familie des Königssohns Lancelot getötet, nur er überlebt durch ein Wunder und wird von der Herrin der Insel Karrek im Südwesten Britanniens gerettet. Hier lernen er und viele andere Jungen das Kriegshandwerk, um den Königreichen im Kampf gegen die Sachsen zu helfen.

Bei einem Schiffsunglück vor der Küste rettet er das Mädchen Guinevere, das als einziges den Sturm überlebt und mit anderen Mädchen auf der Insel, separiert von den Jungen, auf ein Leben als künftige Königsgattin vorbereitet wird. Als Lancelot von dem Magier Merlin mit nach Tintagel genommen wird, wo Großkönig Uther im Sterben liegt, ahnt er noch nicht, dass hier sein Schicksal besiegelt werden wird. Uther nimmt Lancelot den Schwur ab, dem nächsten König zu dienen. Als seinen Nachfolger kürt Uther seinen Sohn Arthur, der aber seinen Eid als König wegen großen Widerstands der Könige nicht leisten kann. Arthur reitet mit Lancelot nach Osten, um eine heruntergekommen Burg wieder aufzubauen und als Retter Britanniens gegen die Sachsen anzutreten. Doch Camelot hat noch andere Überraschungen für Lancelot parat.

Viele berühmte Namen

Giles Kristian hat sich nach mehreren Wikingerromanen eines mystischen und sagenhaften Themas angenommen, das immer schon umstritten war und viel Raum für Varianten und Interpretationen lässt. Dabei erzählt er nicht die Geschichte von König Arthur neu, sondern schaut aus dem Blickwinkel von Lancelot (in Form eines Ich-Erzählers) auf das Geschehen und die berühmte Dreiecksgeschichte der beiden mit Guinevere.

Da es sich bei der Artussage eben um eine Sage handelt und es keine historischen Belege über die Personen gibt, bewegt sich Kristian zum Teil recht frei anhand der Handlung der Sage. Einige bekannte Teile werden ausgespart oder realer beschrieben, dennoch weht durch den Magier Merlin und die Herrin von Karrek ein Hauch von Mystik durch das Buch, wenn auch nur im Hintergrund.

Neben Lancelot, Arthur und Guinevere findet der Leser neben Merlin und NImue auch bekannte Namen wie Gawain, Perceval und Mordred wieder. Giles Kristian lässt sich in seiner Erzählung Zeit, was auch den Umfang von 800 Seiten des Romans erklärt. Allerdings fließen die Seiten nur so dahin, man ist immer gespannt, wie es weitergeht, vor allem auch daher, weil man wissen will, ob es so weitergeht, wie man es aus der Sage kennt, oder ob der Autor eine andere Lösung für manches „Problem“ findet.

Lebendiges 5. Jahrhundert

Mancher Leser mag enttäuscht sein, dass bekannte Elemente der Sage ausgespart oder anders dargestellt werden, als man sie in Erinnerung hat. Die Perspektive aus der Sicht von Lancelot mag der Geschichte andere Ansichten und Prioritäten geben, bietet vielleicht Überraschungen und Erklärungen, die man vorher nicht hatte. Dennoch bleibt anzumerken, dass nicht alles auch wirklich erklärt wird und man bei manchen Handlungen im Dunklen tappt, warum das nun so gelaufen ist. Nicht alles löst sich am Ende auf. Da aber ein Folgeroman „Camelot“ bereits für 2023 angekündigt wurde, kann man sich auf die Geschichte von Lancelots Sohn Galahad freuen.

Abgesehen von der Handlung fängt Kristian das Zeitgeschehen gut ein, soweit man das für das 5. Jahrhundert nachvollziehen kann. Das Leben in Kriegszeiten und die Besonderheiten des Lebens auf einer Insel geben dem Buch eine zusätzliche reale Note, immer die Sachsenkriege im Nacken, den Eid für den Herrscher im Hinterkopf und die verbotene Liebe vor Augen. Diese Mischung macht am Ende den Roman aus, der durch eine leichte Sprache trotz des Umfangs flugs zu lesen ist und Neugier auf mehr weckt.

Fazit:

Giles Kristian erzählt die Arthus-Geschichte aus Sicht des Ritters Lancelot neu. Für Kenner der Sage mag der Roman nichts Neues bringen, für Neulinge in der Camelot-Sagenwelt ist es ein interessanter Einstieg. Die Geschichte wird hier jedoch nicht vollständig erzählt und einige bekannte Motive sind möglicherweise anders. Dennoch ist „Lancelot“ solide Unterhaltung mit vielen Schwertkämpfen und dem bekannten Liebesdrama.

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