Gentlemen of New York - Emmett

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

Anita Nirschl (Übersetzung)

Couch-Wertung:

70
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Nicole Goersch
Wenig Historie, dafür aber umso mehr Romantik

Buch-Rezension von Nicole Goersch Apr 2021

New York, 1887: Elizabeth „Lizzie“ Sloane wäre gerne eine selbständige junge Frau, aber die gesellschaftlichen Regeln, die eingeschränkte Denkweise ihres Bruders Will und der drohende Ansehensverlust zwängen sie ein. Dennoch will sie sich nicht weiter bevormunden lassen und ihr eigenes Maklerbüro an der New Yorker Börse einrichten. Das Startkapital dafür kann sie nicht von ihrer Familie erwarten, also wendet sie sich an einen Freund ihres Bruders: Emmett Cavanaugh.

Emmett ist im Armenviertel Five Points aufgewachsen und hat es geschafft, mit Durchsetzungsvermögen, Härte und klugen Entscheidungen zum größten Stahlmagnaten zu werden. Ihn amüsiert die forsche Art Lizzies, so dass er ihr eine Wette vorschlägt, die sie spontan annimmt, denn sollte sie gewinnen, finanziert er ihr Unternehmen. Wird es ihr gelingen?

Emanzipation ist in weiter Ferne

Der historische Hintergrund dieses Romans ist sehr interessant. Zum einen wandelt sich die Gesellschaft in den 1880er Jahren in New York sehr stark, da immer mehr Neureiche, die ihr Geld in der Industrie oder an der Börse gemacht haben, nach oben streben, die alteingesessenen Familien ihren privilegierten Status aber nicht teilen wollen. Hier ist sehr viel Brisanz vorhanden, was der Leser vor allem in dem Verhältnis zwischen Will und Emmett merkt.

Zum anderen streben Frauen langsam, aber stetig danach, unabhängiger zu werden und sich nicht länger durch die gesellschaftliche Meinung bestimmen zu lassen. Lizzie ist in der Hinsicht ein gut gezeichneter Charakter, denn sie strampelt sich nicht direkt frei, sondern hat Bedenken und nimmt sich die Aussagen oder Blicke anderer zu Herzen. Erst im Verlauf der Geschichte lernt sie, auf sich selbst zu vertrauen und ihre Entscheidungen zu vertreten.

Deshalb ist es auch erst möglich, dass Will sie und Emmett „zwingen“ kann zu heiraten, obwohl schon auf den ersten Seiten klar wird, dass sich beide zueinander hingezogen fühlen.

Historischer Kontext tritt in den Hintergrund

Das letzte Drittel des Buches dreht sich dementsprechend ausschließlich um die beiden Hauptfiguren und ihr Verhältnis zueinander. Dazu gibt es einige Sex-Szenen, so dass leider diejenigen, die sich einen im Schwerpunkt historischen Roman erhofft haben, den historischen Kontext vermissen werden. Es wird im Schwerpunkt zu einer Liebesgeschichte, bei der es eigentlich keine Rolle spielt, zu welcher Zeit dies stattfindet.

Eigentlich schade, denn diese sehr interessante Zeit hätte mehr zu bieten gehabt, was die Autorin hätte verarbeiten können, gerade weil die Charaktere sehr individuell sind und das damalige Bild der Gesellschaft gut reflektieren. Selbst die Nebenfiguren sind gewissenhaft entwickelt.

Fazit

Für einen Historienroman tritt der geschichtliche Hintergrund zu wenig in Erscheinung, um von Bedeutung zu sein, dafür vermitteln die Charaktere ein differenziertes Bild der damaligen Gesellschaft. Und wer es gerne mag, wenn es zwischen den beiden Protagonisten ordentlich prickelt oder kracht, dem kann dieses Buch sehr empfohlen werden.

Gentlemen of New York - Emmett

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