Der Turm aus Licht

Erschienen: Mai 2020

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90
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Rita Dell'Agnese
Die Menschen hinter dem Turm

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2021

Es ist ein grosses Werk, das Ende des 13. Jahrhunderts in der Handelsstadt Freiburg entstehen soll: Der Kirchturm soll etwas ganz Besonderes werden. Für den Strassburger Baumeister Gerhard ist es eine Berufung, an diesem Turm zu wirken. Zusammen mit seiner Frau Odilia und einem Trupp guter Leute zieht er nach Freiburg. Während das Bauwerk für die Handwerker eine grosse Herausforderung darstellt, an der sie gleichermassen wachsen, wie auch manchmal verzweifeln, muss sich Odilia zurücknehmen. Anders als in Strassbourg ist ihr hier das Schneiderhandwerk verboten. Die junge Frau des Baumeisters ist nicht die Einzige, die im Laufe der Jahrzehnte im Schatten des Turmes stehen wird. Immer wieder scheint die unglaubliche Aufgabe des Turmbaus die jungen Menschen, die sich an ihr versuchen, zu brechen. Dazu kommen Machtkämpfe, Intrigen und Neid. Viele junge Menschen müssen im Schatten des Turmbaus um ihr Glück kämpfen, so etwa auch der talentierte Bildhauer Josef und die Bäckerstochter Thea.

Drei reichbefrachtete Bücher

Die Autorin Astrid Fritz hat ihren epischen Roman über den Turmbau in Freiburg in drei Bücher unterteilt, die zusammen mehr als 800 Seiten umfassen. In diesen Büchern erzählt sie vom Schicksal vieler Menschen unterschiedlicher Generationen, die jedoch über die eine oder andere Art alle miteinander verflochten sind. Dass es dabei nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten und auch zu erkennen, wo es sich um fiktive Persönlichkeiten und wo um historische Figuren handelt, ist der Autorin bewusst. Entsprechend umfangreich ist das Personenregister zu Beginn des Romans ausgefallen, das einen guten Überblick über die tragenden Figuren des Romans bietet. Ein wichtiges Hilfsmittel ist auch das Glossar im Anschluss an den Roman: Besonders die Begriffe aus dem Bereich des Handwerks sind für Laien nicht immer gleich verständlich. Wer nun aber den Eindruck hat, man komme während der Lektüre aus dem Blättern nach vorne oder hinten nicht raus, irrt. Schon mit den ersten Sätzen lässt sich wunderbar in die Geschichte eintauchen und in einer längst vergangenen Welt versinken.

Viele Fachinformationen

Dass sich Astrid Fritz eingehend mit den einstigen Handwerker-Gepflogenheiten vertraut gemacht hat und sich auch vertieft mit den fachlichen Anforderungen an Bauwerke dieser Art beschäftigte, wird ihren Leserinnen und Lesern schnell klar, wenn sie in gut verdaulichen Häppchen und leichtverständlicher Sprache die Details erklärt. Dass es dem einen oder anderen letztlich denn doch etwas viel der Fachinformationen werden könnte, nimmt sie dabei in Kauf. Der Mix zwischen handelnden Figuren und dem technischen wie geschichtlichen Hintergrund ist an sich gut gelungen, wenn es auch einige Passagen gibt, die etwas gar stark ins Fachliche gehen. Dass Astrid Fritz immer mal wieder etwas sehr tief in die Klischee-Schublade greift, ist zwar schade, tut dem guten Gesamteindruck jedoch nur wenig Abbruch.

Fazit

„Der Turm aus Licht“ ist einer jener Romane, die bei der Leserin oder beim Leser den Wunsch wecken, einmal selber vor dem entsprechenden Bauwerk stehen zu können. Dass dabei die vielen Schicksale, die im Laufe der über 800 Seiten beschäftigten und berührten wieder aufleben werden, ist kaum zu vermeiden. So hat Astrid Fritz einen Roman vorgelegt, der in die Tiefe geht und viel Nachhall haben dürfte.

Der Turm aus Licht

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