Das Buch Ana

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

Judith Schwaab (Übersetzung)

Couch-Wertung:

85

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Annette Gloser
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Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2020

Judäa, zur Zeit des Herodes Antipas: Ana stammt aus gutem Hause, ihr Vater ist enger Berater des Herodes Antipas und geht im Palast ein und aus. Sie lebt im Wohlstand, aber das bedeutet Ana wenig. Von der Mutter nicht geliebt und nur selten beachtet, interessiert sie sich nur für das Schreiben. Unter ihrer Feder entstehen Chroniken über das Leben der Stammmütter und anderer Frauen, die Ana aus der Geschichte ihres Volkes kennt. Wann immer der Vater ihr etwas Papyrus mitbringt ist Ana glücklich, denn nun kann sie wieder schreiben. Einzige Vertraute ist ihre Tante, die im Haus nur widerwillig geduldet wird, deren Lebensweisheit jedoch dem Mädchen Halt gibt und deren tragische Geschichte Ana in ihren Bann zieht. Als Ana verheiratet werden soll trifft es das junge Mädchen hart, denn der vom Vater Auserwählte ist ein wenig ansehnlicher, ziemlich alter Unsympath, allerdings ausgesprochen wohlhabend. Ana ist verzweifelt und wehrt sich gegen diese Heirat. Unterstützung bekommt sie nur von der Tante und ihrem Bruder Judas. Sie findet ihren Bräutigam abstoßend und ihre Gedanken drehen sich um einen jungen Mann, den sie auf dem Markt kennen lernte und in den sie sich verliebt hat: Jesus aus Nazareth. Verzweifelt hofft sie darauf, dass die Hochzeit abgesagt wird und sich ihre Liebe doch noch erfüllt.

Kleiner Donner

Nein, „Das Buch Ana“ ist kein klassischer historischer Roman, geht die Autorin doch gleich von zwei Thesen aus, deren Wahrheitsgehalt zumindest bisher nicht nachweisbar ist. Zum einen nimmt sie als gegeben an, dass es Jesus von Nazareth tatsächlich als reale Persönlichkeit gab, was ein großer Teil der Weltbevölkerung ganz sicher bejahen wird, ein mindestens ebenso großer Teil jedoch eher nicht. Die zweite These lautet: Jesus war verheiratet. Eine Behauptung, die von vielen Gläubigen als Sakrileg betrachtet, von Pragmatikern jedoch als durchaus realistisch angenommen wird. Allerdings wird dann meist Maria Magdalena als wahrscheinlichste Ehefrau ins Rennen geschickt. Sue Monk Kidd dagegen stellt eine andere Frau an Jesu Seite, eine, deren Namen niemand aus der Bibel kennt und die sich den allgemein gültigen Regeln für eine Frau ihrer Zeit immer auf’s Neue widersetzt. Die Autorin selbst schreibt, falls Jesus tatsächlich eine Ehefrau gehabt habe, so sei dies jene Frau in der Geschichte, die man am gründlichsten zum Schweigen gebracht habe und die am nötigsten eine Stimme brauche. Unter dem Aspekt, dass Geschichte immer von den Herrschern geschrieben wird und das Patriarchat nun mal seit weit mehr als 2000 Jahren der Herrscher ist, hat sie damit vermutlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Und sie schreibt die Geschichte von Ana und Jesus mit viel Schwung, gradlinig, ohne komplizierte Verschlingungen. Ana steht als Ich-Erzählerin im Mittelpunkt, berichtet über ihr Leben und schildert ihre Perspektive der Geschichte Jesu. Sie erzählt aus dem Blickwinkel einer Frau die ihren Mann liebt, von ihren Träumen und Ängsten, von ihrer Sehnsucht und von jenem Mann, der seine Frau „Kleiner Donner“ nennt und versucht, sie nicht zu sehr einzuengen. Ana berichtet auch nur über das, was sie selbst erlebt, so dass die bekannten Geschichten aus der Bibel wie die Bergpredigt oder die Auferweckung des Lazarus praktisch keine Rolle spielen.

Sie war eine Stimme

Ana wünscht sich nichts mehr, als im Gedächtnis der Nachwelt zu bleiben, als Stimme der Frauen wahrgenommen zu werden. So spielen diverse Frauen in diesem Roman wichtige Rollen und werden von der Autorin als starke Charaktere herausgearbeitet. Die Männer bleiben dagegen deutlich blasser. Sue Monk Kidd hat sich intensiv mit dem Alltagsleben in Judäa vor ca. 2000 Jahren beschäftigt und es gelingt ihr, ein sehr authentisch wirkendes Bild davon in ihrem Roman zu schildern. Dies ist auch der Grund, warum dieser Roman berechtigt auf der Histo-Couch rezensiert wird. Eine Was-wäre-wenn-Geschichte, aber in einem ausgesprochen realistischen Szenario, so, dass man jederzeit denken kann: Ja, das könnte genau so gewesen sein. Ebenso realistisch ist die Schilderung tatsächlich existierender Personen wie z.B. Herodes Antipas, was den historischen Aspekt des Romans zusätzlich betont. Die Autorin geht in ihrem Nachwort ausführlich auf das Verhältnis von historischen Fakten und schriftstellerischer Freiheit ein.

Als Ich-Erzählerin hat Ana auch die Möglichkeit, deutlich über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen, was sie dem Leser sehr nahebringt und ihm tiefen Einblick in ihr Seelenleben gewährt. Man folgt ihr gern auf dem Weg durch ihr Leben, ihr geht nie der erzählerische Atem aus und es wird nicht langweilig mit dieser klugen, ein wenig störrischen, aber ausgesprochen liebenswerten Frau. Hier gibt es keine atemberaubende Spannung, letztendlich weiß man ja, wie die Geschichte ausgeht. Und dennoch ist Anas Geschichte fesselnd bis zur letzten Seite des Romans.

Fazit:

Ein interessanter Roman für alle, die offen für die These sind, dass Jesus verheiratet gewesen sein könnte. Schnörkellos und sehr realistisch anmutend erzählt, keineswegs reißerisch, dafür aber mit emotionalem Tiefgang.

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