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Jörg Kijanski
Facettenreicher Einblick in das Victorianische Zeitalter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2020

London. Juni 1874. Ryon Buchanan, Amerikaner, Halbindianer und Schiffsingenieur, möchte beim Lloyd’s Register of British and Foreign Shipping die „Ocean Ving“ registrieren lassen, das erste von ihm konstruierte Schiff. Als er mit dem Vorsitzenden des Lloyd’s Register, Richard Bridgetown, in ein Gespräch vertieft ist, meldet ein Bote eine Explosion auf der „Bothnia“, einem Schiff der Cunard Line. Unter den Opfern befinden sich neben einigen Maschinisten auch der Geschäftsführer von Cunard sowie der Ingenieur Helt Buchanan, Ryons Vater. Bei dem vergeblichen Versuch, seinen Vater aus dem brennenden Schiff zu befreien, zieht sich Ryon Verletzungen zu, die von der Krankenschwester Alessa Arlington, einer Nichte von Bridgetown, versorgt werden.

Inspector Orville Baker von der Metropolitan Police Service (MET) übernimmt die Ermittlungen und verhaftet wenig später Bridgetown, da dieser für die Ermittlungen relevante Informationen zurückgehalten hat. Zudem stellt sich heraus, dass Bridgetown zweitgrößter Aktionär der White Star Line, größter Konkurrent der Cunard Line, ist. Ryon glaubt nicht, dass Baker der Aufgabe gewachsen ist und Alessa fühlt sich von den frauenfeindlichen Aussagen des Inspectors abgestoßen. So ermitteln gleich drei Personen unabhängig voneinander, sehr zum Missfallen von Baker …

Nach einem schwulstigen Anfang wird es deutlich besser

Nach der Katastrophe auf der „Bothnia“ gilt es die Verletzten zu versorgen. Dabei lernen sich Ryon und Alessa kennen, zumindest für einen kurzen Augenblick. Damit ist es um die Beiden geschehen, finden kaum mehr Nachtruhe, sind in Gedanken immer wieder bei … Wer jetzt einen schnulzigen Liebesroman erwartet, dem kann insoweit Entwarnung gegeben werden: Es wird besser. Dennoch dauert es rund neunzig Seiten bis in dem Kriminalroman der erwähnte Inspector erstmals richtig in Erscheinung tritt. Ein Engländer seiner Zeit vom Feinsten. Den (wilden) Indianer nimmt er nicht ernst, Frauen(-geschwätz) sowieso nicht. Womit er nicht nur äußerst unsympathisch und borniert rüberkommt, sondern auch dem Zeitgeist seiner Epoche vollends entspricht. Das Victorianische Zeitalter (1837-1901) wurde von Männern bestimmt, die Gesetze für (englische) Männer fassten.

Beispiel: Die „Contagious Diseases Acts“, ein Gesetz über ansteckende Krankheiten, welches der Polizei große Freiheiten einräumte, Prostituierte aufzugreifen und einer Untersuchung zu unterziehen. Dabei wurde oftmals den betroffenen Frauen erheblicher Schaden zugefügt, da die gynäkologischen Eingriffe nicht immer professionell erfolgten; dafür aber teils unter Einblick der Öffentlichkeit. Die britischen Militärs sollten geschützt werden, dabei wurde nicht thematisiert, dass sie es waren, die die Frauen aufsuchten. Im 19. Jahrhundert waren grundsätzlich die Frauen die Leidtragenden, was die Autorin hier ausführlich darstellt. So ist es kein Zufall, dass Alessa Arlington für Florence Nightingale als Krankenschwester arbeitet und einem Auftritt von Josephine Butler, einer britischen Feministin, in der Royal Albert Hall beiwohnt.

Neben den Frauenrechten nimmt auch die Entwicklung der Schifffahrt sowie des Schiffsbaus eine große Rolle ein. Es geht um den Wettkampf um das „Blaue Band“, welches jährlich für die schnellste Atlantiküberquerung ausgesprochen wird. Da tobt der Konkurrenzkampf, denn der Ehrgeiz der Ingenieure ist grenzenlos.

Fazit

Mit fortdauernder Handlung überzeugt der Plot immer mehr. Beherrschende Themen sind die Verhältnisse der Victorianischen Zeit, die Frauenbewegung und die Entwicklung der Schifffahrt. Verdächtige gibt es reichlich, überraschende Wendungen noch viel mehr. Wer sich über den gefühlsduseligen Einstieg hinwegsetzt, findet einen lesenswerten Roman, der zwar teils arg konstruiert ist, aber dennoch für spannende Unterhaltung sorgt.

Gegen die Spielregeln

Gegen die Spielregeln

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Letzte Kommentare:
29.11.2020 19:55:50
PMelittaM

London, 1874: Als der Kessel des Dampfschiffes Bothnia explodiert und es mehrere Tote gibt, glaubt man zunächst an einen Unglücksfall, doch dann stellt sich heraus, dass Dynamit im Spiel war. Drei Menschen haben Grund Ermittlungen anzustellen: Inspector Orville Baker von der Metropolitan Police Services aus dienstlichen Gründen. Der Halblakota Ryon Buchanan, dessen Vater, ein amerikanische Schiffsbauingenieur bei der Explosion ums Leben kam. Und die Krankenschwester Alessa Arlington, deren Onkel, Vorsitzender des Lloyds Register of British and Foreign Shipping, der Tat dringend verdächtigt wird.

Alle drei Protagonisten sind sehr interessant, Baker, der zunächst ein „typischer“ viktorianischer Mann ist, der Frauen jede eigene Meinung abspricht, sich im Laufe des Romans aber verändert. Er und Alessa stoßen immer wieder aufeinander, wodurch sich manchmal nette Situation ergibt, die einen schmunzeln lässt. Im Gegensatz dazu ist Alessa eine junge Frau, die sich emanzipieren möchte, so arbeitet sie als Krankenschwester unter Florence Nightingale, möchte Medizin studieren und wagt einiges, um ihren Onkel zu entlasten. Ryon ist ebenfalls ein interessanter Charakter, alleine schon durch seine Herkunft. Er und Alessa entwickeln Gefühle füreinander, die sie aber nicht wirklich ausleben können – größtenteils auf Grund von Missverständnissen, wobei teilweise in diesem Band nicht mehr klar wird, ob nicht mehr Wahrheit dahintersteckt – ich habe hier oft den Kopf geschüttelt, weil man wieder einmal nicht den einfachsten Weg genommen und miteinander geredet hat.

Neben diesen Drei gibt es weitere interessante Charaktere, wie z. B. zwei homosexuelle Ärzte, die wegen ihrer Liebe Zuchthaus befürchten müssen, eine Bordellchefin oder die in ihren viktorianischen Ansichten gefangene Stiefmutter Alessias. Einige der Charaktere sind historische Persönlichkeiten wie z. B. der Schiffbauer Alexander Carlisle.

Schiffbau und die Konkurrenz unter den Werften ist ein großes Thema des Romans, z. B. wird das Blaue Band thematisiert, das das Schiff erhält, das als schnellstes im Jahr den Atlantik überquert. Die Autorin scheint mir sehr gut recherchiert zu haben, ich mag es sehr, solche historischen Hintergründe zu erfahren, und habe ein paar neue Dinge erfahren. Auch die sozialen Verhältnisse Großbritanniens jener Zeit werden thematisiert, nicht nur die der einzelnen Schichten, sondern auch die der Geschlechter, und die Doppelmoral, die damals herrschte. Sehr gut hat mir der Abschluss des Bandes (vor dem Epilog) gefallen. Der Epilog wiederum blickt nach vorne und macht gespannt auf den nächsten Band, denn „Gegen die Spielregeln“ ist der erste Band einer Reihe, der zweite Band ist bereits angekündigt. So macht es auch wenig aus, dass das Ende in gewisser Beziehung offen bleibt.

Der Fall jedoch ist abgeschlossen und zwar durchaus nachvollziehbar, auch wenn ich mir einen anderen Täter gewünscht hätte. Mal sehen, ob man im nächsten Band noch etwas über das Schicksal desjenigen erfährt.

Ich wurde gut unterhalten und habe Neues gelernt, die historischen Hintergründe sind interessant und gut recherchiert in den Roman eingeflossen, die Charaktere gefallen mir, und ich freue mich auf Band 2. Leider fehlt ein Nachwort, das Fiktion und Fakten aufgreift. 84°

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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