Westwind

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

Steffen Jacobs (Übersetzung)

Couch-Wertung:

75

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Jörg Kijanski
Ein beschauliches Dorf nach Ende des Mittelalters

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2020

1491. Fastenzeit in Oakham. Priester John Reve musste am Freitag wehleidig mit ansehen, wie seine Schwester Annie den alten John Endall heiratete, um nicht mit ihren zwanzig Jahren als alte Jungfer zu enden. Sie zogen nach Bourne, so dass der letzte familiäre Kontakt, Eltern und andere Geschwister sind längst verstorben, abbricht. Doch für das verschlafene Dorf kommt es noch schlimmer, denn am Karnevalssamstag wird beobachtet, wie der Leichnam eines Mannes den tosenden Fluss entlang treibt. Bei dem Mann handelt es sich fraglos um Thomas Newman, den reichsten Mann Oakhams. Reve ruft nach dem Landdekan, wohl hoffend, dass dieser nach kurzer Zeit wieder abreist. Der Dekan hat indes andere Pläne, denn aus seiner Sicht gilt es einen Mordfall aufzuklären, denn warum sollte ein angesehener und wohlhabender Mann ins Wasser gehen? Bis Karnevalsdienstag sollen alle Dorfbewohner zur Beichte aufgefordert und ihnen zur Vergebung ihrer Sünden, angesichts der bevorstehenden Fastenzeit, ein einmaliger Ablass von vierzig Tagen gewährt werden. In den folgenden Beichten zeigen sich feine Risse und tiefe Abgründe in der Dorfgemeinschaft auf.  

„Ich betete auch, dass der Wind von Westen kommen und diese Zusammenstellung von Geistern nach Osten, in Richtung Gottes, wehen möge. Der Wind kam über Nacht, doch er kam von Osten, und er war scharf und winterkalt. Vielleicht hatte der Herr nicht das ganze Gebet gehört, beschäftigt, wie er ist; und vielleicht war ich nicht deutlich genug gewesen.“

Karnevalsdienstag, dem letzten Tag vor der Fastenzeit, fordert der Dekan dann Reve auf, ihm einen Verdächtigen zu benennen, denn schließlich müsse er dem Erzdiakon ja ein Ergebnis liefern. Da wäre Oliver Townshend, dem Newman einst einen Großteil seiner Ländereien abkaufte. Seitdem wurde Newman immer reicher, Townshend immer ärmer. Sarah Spensers käme ebenfalls in Frage, hat doch die durch schwere Krankheit gezeichnete Frau, den eigenen Tod vor Augen, den Mord an Reve während der Beichte gestanden. Aber wie sollte die zierliche Person, noch dazu Annies beste Freundin, dies bewerkstelligt haben? Auch der junge Herry Carter bezichtigt sich, der Mörder Newmans zu sein, dabei war Newman wie ein Vater für ihn.

Wer sich für das Leben im Mittelalter interessiert sollte zugreifen.

Samantha Harvey legt mit „Westwind“ einen beachtlichen Roman vor, den man durchaus als Spannungsroman lesen kann. Im Mittelpunkt steht das Dorf Oakham, in dem es sehr beschaulich zugeht. Während andere Städteund Dörfer  der Neuzeit bereits entgegensehen, gelingt hier nicht einmal der Bau einer Flussbrücke. Die Bewohner sind arm, aber ihre Getreidefelder wecken Begehren eines angrenzenden Klosters. Nun ist der größte Garant für die Eigenständigkeit Oakhams, der weltgewandte Newman, nicht mehr da und alle Hoffnungen liegen bei Reve. Intensiv und eindringlich schildert Harvey das Leben der Menschen im ausgehenden 15. Jahrhundert und daher ist es konsequent, dass der Mittelpunkt des Dorflebens die kleine, unansehnliche Kirche darstellt. Folgerichtig ist der Ich-Erzähler John Reve, dessen Arbeit ebenfalls bis ins Detail beschrieben wird. Ein Großteil der Handlung spielt somit in der Kirche beziehungsweise dort an einer Trennwand aus Eichenholz, die als Beichtstuhl genutzt wird.

„Wir haben doch besprochen, dass die Kirche außer in Notfällen nie abgeschlossen wird.“
„Ich hielt es für einen Notfall – es lag etwas Böses in der Luft, der Tod war in der Nähe, und ich wollte die Kirche vor ihm schützen.“
„Du hast versucht, die Kirche vor dem Bösen zu schützen…“
„Ich weiß, Pater.“
„Die Kirche ist eine Zuflucht vor dem Bösen.“

Die Geschichte wird in umgekehrter Reihenfolge erzählt. So findet Herry Carter am „Tag 4, Karnevalsdienstag“ am Fluss ein Hemd des vermissten Newman, dessen Leichnam er ebenfalls an einem umgestürzten Baumstamm gesehen haben will. Als er mit Reve dort erscheint, ist der Leichnam verschwunden. Danach folgt ein Rückblick auf die Tage 3, 2 und 1, so dass man am Ende der Geschichte an deren Anfang ankommt und eine Auflösung des Ereignisses und seiner Folgen erfährt. Hierbei stellt sich heraus, dass nicht nur die einfachen, gottesfürchtigen Dorfbewohner ihre Geheimnisse haben.

„Verbergen Sie etwas, Pater? Weil Sie mit solcher Gewissheit behaupten, dass Newman sich nicht umgebracht hat. Aber vielleicht müssen Sie das sagen und denken. Sonst müssten wir all seine weltliche Habe an die Krone abgeben: sein Haus, sein Vieh, sein Geld, alles. Sein Land auch. Ein Großteil von Oakham wäre weg. Und was dann? Sie müssen das sagen, weil Sie uns beschützen wollen, Pater. Das ist Ihre Aufgabe, uns zu beschützen – und Sie sind darin sehr gut, das finden wir alle. Es ist besser, wenn es ein Unfall war.“  

Reve ist ein widersprüchlicher Charakter. Er ist einsatzfreudig und nur für seine Gemeinde da, tatsächlich hat er im Gegensatz zu Newman kaum etwas von der Welt gesehen, andererseits ist er voller Selbstzweifel. Da hilft nur beten und zwar um Westwind, welcher die bösen Geister vertreibt. Diesem hat Reve bereits sein Leben zu verdanken als besagter Westwind ein Feuer vertrieb, welches unmittelbar vor seiner Geburt ein gewaltiges Feuer vom elterlichen Haus vertrieb.

Fazit

„Westwind“ bietet einen intensiven Einblick in das Leben des ausgehenden 15, Jahrhunderts am Beispiel des kleinen Dorfes Oakham. Da der christliche Glauben eine zentrale Rolle spielt, finden religiöse Rituale und Gedankengänge eine wichtige Rolle, so dass man als Leser zumindest Interesse an diesen haben sollte (sonst wird es mitunter langatmig). Das Alltagsleben der Menschen mit all ihren kleinen wie großen Sünden und Verfehlungen steht deutlich im Vordergrund. Gleichwohl sorgt der „Todesfall ohne Leichnam“ für spannende Unterhaltung, nicht zuletzt, weil der ebenso überforderte wie intrigante Dekan mit haltlosen Anschuldigungen die Atmosphäre zusätzlich belastet.

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