Die Bibliothekarin von Auschwitz

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Karin Will (Übersetzerin)

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Christina Wohlgemuth
Ein Licht inmitten eines unbegreiflichen Grauen

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Okt 2020

Oświęcim, nahe Krakau, Anfang 1944.  Außerhalb der polnischen Stadt – zum Zeitpunkt der Handlung auf dem Gebiet des Generalgouvernements Polen – steht das Lager, dessen Name stellvertretend für die Shoa, für den Holocaust steht. Das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, bestehend aus mehreren einzelnen Lagern, ist der Aufenthaltsort von Edita Adlerova, genannt Dita. Im Familienlager von Auschwitz ist es dem Blockältesten Fredy Hirsch gelungen, unter der Nase der Lagerleitung etwas Beeindruckendes zu schaffen: Eine Schule. Und damit eine Schule funktioniert, braucht sie auch Bücher. Doch die geschriebenen Schätze sind in Auschwitz nicht geduldet, und so braucht es eine Bibliothekarin, die mutig genug ist, sie zu verstecken. Die Wahl fällt auf Dita. Inmitten der Hölle von Auschwitz tut sie alles, um diese kleine Flamme der Hoffnung zu schützen …

Über Auschwitz ist viel geschrieben und gesagt worden. Zeitzeugen haben in vielfacher Art und Weise erzählt, von der täglichen Angst, vom täglichen Überlebenskampf, von Unterdrückung, Entmenschlichung, Entwürdigung und Terror. Es sind viele, individuelle Geschichten – und eine davon ist die, die Antonio Iturbe in diesem Buch erzählt. Es ist die Geschichte einer geheimen Bibliothek, eines Vorhabens, das so unfassbar an einem Ort wie Auschwitz erscheint, und doch auf der Wahrheit beruht.

Ein Stückchen Normalität inmitten der Hölle

Die Geschichte beginnt im Januar 1944 – rund ein Jahr vor der Befreiung durch die sowjetischen Truppen. Doch zu diesem Zeitpunkt deutet noch nichts darauf hin und der tägliche Überlebenskampf steht im Mittelpunkt. Antonio Iturbe erzählt diese Geschichten mit viel Empathie und Ernsthaftigkeit, erzählt vom Terror in Auschwitz. Aber vor allem erzählt er von dieser unerhörten Idee von Fredy Hirsch, in der Kinderbaracke eine Schule zu errichten. Lehrer versuchen, den Kindern ein bisschen Wissen zu ermitteln, sie zu lehren, sie zu unterhalten – sie abzulenken. Und Dita, eine besonders beeindruckende und starke Protagonistin, betreut die Bücher. Sie riskiert damit ihr Leben, und Auschwitz ist kein Ort, an dem man dieses Risiko noch weiter erhöhen sollte. Doch weder für sie noch für ihre Mitstreiter ist aufgeben eine Option.

Es ist keine angenehme Lektüre, die Leserin und Leser hier erwartet. Und es ist eine Geschichte, die man sich nur zumuten sollte, wenn man bereit und in der Lage ist, sich in intensiver Art und Weise mit dem Horror von Auschwitz und seinen Tätern – exemplarisch unter anderem mit Dr. Josef Mengele, dem „Todesengel von Auschwitz“ und Johann Schwarzhuber, dem Schutzhaftlagerführer, auseinander zu setzen.

Es ist eine Lektüre, die bedrückt, beklommen macht, die fassungslos macht und die schmerzt. Aber das muss sie, wenn sie angemessen vom größten Menschheitsverbrechen erzählen will. Und doch schafft es der Autor, kleine Momente der Hoffnung und kleine Triumphe zum Gegenstand seiner Geschichte zu machen, die wie eine kleine Kerze aufflackern und die Protagonistin und Leserin und Leser den Mut nicht verlieren lassen. Denn letzten Endes ist dieses Buch auch eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort und an die Macht von Geschichten.

Eine bewegende und berührende Lehrstunde, die die Erinnerung wach hält

Antonio Iturbe ist ein bewegendes Stück Literatur gelungen, das auch stilistisch und in der Figurenzeichnung zu überzeugen weiß. Er erzählt eine Geschichte, die den Schrecken von Auschwitz zu erfassen versucht und dabei nie in reißerische Darstellungen oder Voyeurismus verfällt, sondern äußerst würde- und respektvoll bleibt. Er erzählt menschlich nah, manchmal gar so nah, dass es der Leserin und dem Leser schier über Verstand und Herz geht.

Die Geschichte von Dita Kraus und ihrer geheimen Bibliothek ist ein literarisches Denkmal gegen das Vergessen, gegen die Ewiggestrigen und leistet einen großen Beitrag zu dem, was Auftrag aller nachgeborenen Generationen ist: Zu erinnern, nie zu vergessen und dafür zu sorgen, dass Auschwitz nie wieder sei.

Die Bibliothekarin von Auschwitz

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