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Carsten Jaehner
Wie gesellschaftliche Normen ein Leben ruinieren können

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Okt 2020

Wien, 1799. Anna Brunsvik, Gräfin, hat sich vorgenommen, ihre beiden Töchter Therese und die jüngere Josephine in die Wiener Gesellschaft einzuführen und sie an möglichst reiche Adlige zu verheiraten. Gleich am zweiten Abend nach ihrer Ankunft aus der ungarischen Heimat treffen sie auf einem Hauskonzert den jungen Komponisten Ludwig van Beethoven, der eigene Werke zu Gehör bringt. Anna Brunsvik engagiert Beethoven als neuen Klavierlehrer für ihre beiden Töchter. Beim täglichen Unterricht verlieben sich Josephine und Ludwig ineinander, was aber niemand mitbekommen darf, denn eine Ehe zwischen den beiden wäre nicht standesgemäß. So verheiratet ihre Mutter sie gegen ihren Willen mit dem älteren Grafen Deym, mit dem Josephine vier Kinder bekommt und Beethoven aus den Augen verliert.

Die Ehe ist relativ glücklich, doch als der Graf früh verstirbt, hinterlässt er seiner Frau vier kleine Kinder und einen Haufen Schulden. Josephine engagiert einen Hauslehrer für ihre beiden Söhne, den estnischen Baron Christoph von Stackelberg, der sie in einem schwachen Moment verführt und Josephine wird ungewollt schwanger. Um einen Skandal zu vermeiden, muss sie Stackelberg heiraten, obwohl sie ihn gar nicht will, doch sie reißt sich zusammen und bekommt mit ihm zwei Kinder. Doch Stackelberg ist nie daheim und eine Investition erweist sich als nicht erfolgreich, wodurch die Schulden immer mehr werden und Stackelberg die Familie verlässt. Da trifft Josephine in Prag zufällig Beethoven wieder, und beide sind trotz allem immer noch verliebt ineinander wie am ersten Tag. Doch Beethoven widerfährt gerade das Schlimmste, was einem Musiker und Komponisten geschehen kann: Sein Gehör lässt nach und er droht, gänzlich zu ertauben…

Das Glück gewollt, das Unglück bekommen

Es könnte so schön wie einfach sein: Er liebt sie, sie liebt ihn, sie heiraten, bekommen Kinder und werden glücklich miteinander. Leider spielen das Leben und gesellschaftliche Konventionen nicht immer mit und es kommt anders, wie in „Frau Beethoven“, der zwar ein Roman ist, dessen biografische Eckdaten allerdings leider real sind und so vom Unglück einer Frau zeugen, die ihr Glück wollte und doch das Gegenteil bekommen hat.

Verena Maatman hat im Beethoven-Jahr 2020 einen Roman vorgelegt, in dem Beethoven nicht die Hauptperson ist, sondern Josephine Brunsvik, eine der Hauptkandidatinnen als Adressatinnen für seinen berühmten Brief „An die unsterbliche Geliebte“, von der man bis heute nicht weiß, wer sie war. Josephine allerdings ist eine der beiden Frauen, die die Wissenschaft als die „richtige“ identifiziert haben will, neben der im Roman nicht erscheinenden Antonie Brentano. Ludwig van Beethoven war selbst nie verheiratet.

Was nicht sein kann und nicht sein darf

Maatman erzählt Josephines Leben ab dem Zeitpunkt, wo die Mutter mit ihren beiden Töchtern das heimische Martonvásár verlässt und nach Wien fährt, wo die Schwestern schön reich und adlig verheiratet werden sollen. Schon bald lernt sie Ludwig van Beethoven kennen und lieben, doch die Liebe zu Beethoven ist nicht standesgemäß (das „van“ in Beethovens Namen ist kein Adelstitel) und so kann die Familie einer Heirat nicht zustimmen. Josephines Leben beginnt in einen Strudel zu geraten, aus dem sie nicht wieder herauskommen wird. Zwei Ehen mit insgesamt sechs Kindern, hinzu kommt ein drittes von ihrem zweiten Ehemann Stackelberg, von dem nicht klar ist, ob dieses Kind nicht auch der einzigen romantischen Nacht mit Beethoven entsprungen sein könnte, was historisch tatsächlich nicht geklärt ist. Das letzte Kind ist eines mit dem neuen Hauslehrer Andrian, also acht Kinder von drei bis vier Männern, für die damalige Zeit ein Affront, selbst wenn sie verwitwet war. Dass hier stets finanzielle Sorgen bestanden, erklärt sich fast von selbst.

Der Roman wird bestimmt von sich immer wiederkehrenden Ereignissen in Josephines Leben: Sie liebt Beethoven und darf ihn nicht heiraten, sie wird ungeschützt in einem schwachen Moment (da sie in Sorge um ihre Kinder ist) schwanger und muss den Mann heiraten, was sie nicht will, bekommt weitere Kinder, die sie wieder stressen, weswegen sie sich in einem schwachen Moment wieder dem neuen Hauslehrer hingibt… Kein Wunder, dass sich die Familie von Josephine abwendet. Einzig ihre ältere Schwester Therese hält zu ihr und wird für die Kinder so etwas wie eine Zweitmutter, zumal sie selbst keine eigene Familie hat.

Josephine in Beethovens Musik verewigt

Was dem Leser schon nach den ersten Seiten klar wird, wird von der Autorin wieder und wieder erwähnt, was den Leser ob dieser Dauerflut an derselben Information im Laufe des Romans den Kopf schütteln lässt. Natürlich bestimmt das Unglück Josephines Leben, aber das muss nicht spätestens alle fünf Seiten wiederholt werden, hier ermüdet man den Leser. Es ist zwar ein grausames Schicksal, aber auch durch Unachtsamkeiten selbst gewählt. Josephine wird aus dem Teufelskreis nicht fliehen können und stirbt drei Tage nach ihrem 42. Geburtstag in Wien, einsam und allein, von Männern, Kindern und Geschwistern verlassen.

Schön wird im Roman hingegen dargestellt, wie sich Josephine in Beethovens Kompositionen wiederfindet. Seine Musik scheint eine Darstellung seines Innenlebens zu sein, jede Regung Josephine gegenüber wird in Noten festgehalten, sei es Liebe oder Wut, wilder Rausch oder Lebensenttäuschung, dass nicht sein darf, was doch eigentlich sein sollte. Der geneigte Leser kann am heimischen Plattenschrank (oder im Internet) nachhören, wie die beiden füreinander empfunden haben müssen. Damit bietet das Buch ein Erlebnis über das Lesen hinaus, ob allerdings alles so stimmt, ist auch unter Musikwissenschaftlern umstritten. Zudem ist der Einblick in die Zeit gelungen, immer wieder strahlt Napoleons Politik ins Tagesgeschehen und bietet daher einen ungewohnten Blickwinkel in die Zeit…

Fazit:

„Frau Beethoven“ ist ein Roman, über eine Frau, die das richtige wollte, aber das falsche bekommen hat, wohl ein Schicksal, wie es viele junge Damen der damaligen Gesellschaft erleiden mussten. Mit einfacher und doch zeitgemäßer Sprache lässt die Autorin ein endnapoleonisches Europa mit dem Mittelpunkt Wien entstehen, das den Roman vor allem für Leser, die gerne über ungewohnte Frauenschicksale lesen, durchaus interessant macht.

Frau Beethoven - Die unsterbliche Geliebte

Frau Beethoven - Die unsterbliche Geliebte

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