Der erste König

Erschienen: August 2020

Couch-Wertung:

95
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Karin Speck
Könige einer längst vergangenen Zeit

Buch-Rezension von Karin Speck Sep 2020

Offa ist ein junger Krieger, der davon träumt, Ruhm und Ehre zu gewinnen. Er wächst im 8. Jahrhundert in Mercia auf. Nie hätte er von seiner Zukunft erwartet, dass sie für ihn die Königswürde bieten würde. Doch das Unfassbare geschieht, der König wird getötet und die Adligen des Landes tragen ihm die Krone an. Eine schwere Aufgabe liegt vor ihm, es gilt das Reich gegen Feinde zu sichern und den inneren Frieden zu bewahren. Wales ist nahe und Übergriffe auf Mercia keine Seltenheit. Die Frage nach einer passenden Ehefrau lastet auch auf seinen Schultern, wen wählen, ohne jemanden zu verärgern? Dann steht plötzlich Drida vor ihm. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern auch eine fremde aus dem Reich der Franken. Drida wurde dort von König Karl zum Tode verurteilt und sollte auf dem Meer sterben, aber eine glückliche Fügung hat sie an die Küste Britanniens gespült. Für Offa scheint sie genau die richtige Königin zu sein, aber ist sie auch gut für sein Reich?

Vom Krieger zum König

Sabrina Qunaj nimmt ihre Leser mit ins 8. Jahrhundert nach Britannien und erzählt die Legende des Königs Offa, der als erster König Englands in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Die Autorin hat sich die Zeit genommen, Offa ausführlich vorzustellen. Die ersten Seiten erzählen seine Kindheit und Jugendjahre bis zu seiner Krönung. Man lernt einen jungen Krieger kennen, der mit allen Unsicherheiten der Jugend daherkommt. Ein Überfall auf seinen Heimatort Averdun verändert für den jungen Offa alles. Jetzt steht er plötzlich an der Spitze seiner Heimat und muss sich als ihr Oberhaupt beweisen. Schon auf diesen ersten Seiten wird klar, der Autorin ist es gelungen, historisches Wissen mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen. Die politischen Machtspiele hat sie genauso einfließen lassen wie das Leben der Menschen dieser Epoche. Als Offa dann zum König aufsteigt, endet dieser erste Teil.

Ein aufregendes Leben für eine junge Frau

Jetzt ändert sich nicht nur die Perspektive der Charaktere, sondern der gesamte Handlungsort. Nun wird die Geschichte von Quindrida, kurz Drida genannt, erzählt. Sie wächst mit den Brüdern Karl und Karlmann am Hof der Franken auf. Auch hier wird ausführlich geschildert, wie aus dem Kind eine junge Frau wurde. Die Machtverhältnisse am Hof und ihre Verschiebung durch den Tod von König Pippin werden erläutert. Für die junge Frau ist es ein hin und her, sie weiß nicht so recht, zu wem sie stehen soll und so kommt es für sie zur Katastrophe. Auch diese Szenen werden glaubhaft geschildert.

Im dritten Teil des Buches fügen sich die Handlungsstränge von Drida und Offa dann zusammen und ergeben eine Einheit. Sabrina Qunaj erzählt eine umfangreiche Geschichte über das Leben der Menschen in dieser Epoche. Ihr Erzählstil ist dabei leicht zu lesen, obwohl sie die alten Namen der Ortschaften verwendet und auch so mancher Name der Charaktere ein Zungenbrecher ist. Gerade die walisischen Namen haben es in sich, aber dadurch gewinnt das Buch auch an Authentizität.

Die Aufmachung dieses Romans kann man nur als gelungen bezeichnen. Es fängt schon bei dem schönen Cover an und enthält dann alles, was ein historischer Roman braucht. Ein Stammbaum zu Beginn und ein Personenregister sorgen für den Überblick über die Protagonisten. Karten von Britannien und dem Frankenreich erlauben es, die Wege Dridas nachzuverfolgen und ein Nachwort klärt zum Schluss Fiktion und Wahrheit.

Fazit:

„Der erste König“ ist ein opulenter historischer Roman aus dem 8. Jahrhunderts Englands. Er erzählt die Geschichte des wohl ersten Königs Englands. Offa ist historisch belegt, genauso wie seine Frau. Sabrina Qunaj hat aus diesen Eckdaten eine Geschichte erschaffen, die ihre Leser in eine andere Welt entführt. Es ist ihr gelungen, diese Epoche auferstehen zu lassen. Nicht nur die Protagonisten werden lebendig, sondern auch die Zeit erwacht zum Leben. Die politischen Zusammenhänge hat die Autorin dabei genauso erläutert wie das Leben der Menschen. Dabei ist es egal, ob man beim Lesen gerade im Frankenreich bei Hofe ist oder in Wales oder Mercia. Am Ende der 885 Seiten schlägt man das Buch zufrieden zu oder ist auch ein wenig wehmütig, weil es schon vorbei ist. Allerdings lassen die letzten Seiten auf eine Fortsetzung hoffen, denn König Offa hat viele Jahre über sein Reich geherrscht und hier wurde noch nicht alles erzählt.

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