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Karin Speck
Könige einer längst vergangenen Zeit

Buch-Rezension von Karin Speck Sep 2020

Offa ist ein junger Krieger, der davon träumt, Ruhm und Ehre zu gewinnen. Er wächst im 8. Jahrhundert in Mercia auf. Nie hätte er von seiner Zukunft erwartet, dass sie für ihn die Königswürde bieten würde. Doch das Unfassbare geschieht, der König wird getötet und die Adligen des Landes tragen ihm die Krone an. Eine schwere Aufgabe liegt vor ihm, es gilt das Reich gegen Feinde zu sichern und den inneren Frieden zu bewahren. Wales ist nahe und Übergriffe auf Mercia keine Seltenheit. Die Frage nach einer passenden Ehefrau lastet auch auf seinen Schultern, wen wählen, ohne jemanden zu verärgern? Dann steht plötzlich Drida vor ihm. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern auch eine fremde aus dem Reich der Franken. Drida wurde dort von König Karl zum Tode verurteilt und sollte auf dem Meer sterben, aber eine glückliche Fügung hat sie an die Küste Britanniens gespült. Für Offa scheint sie genau die richtige Königin zu sein, aber ist sie auch gut für sein Reich?

Vom Krieger zum König

Sabrina Qunaj nimmt ihre Leser mit ins 8. Jahrhundert nach Britannien und erzählt die Legende des Königs Offa, der als erster König Englands in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Die Autorin hat sich die Zeit genommen, Offa ausführlich vorzustellen. Die ersten Seiten erzählen seine Kindheit und Jugendjahre bis zu seiner Krönung. Man lernt einen jungen Krieger kennen, der mit allen Unsicherheiten der Jugend daherkommt. Ein Überfall auf seinen Heimatort Averdun verändert für den jungen Offa alles. Jetzt steht er plötzlich an der Spitze seiner Heimat und muss sich als ihr Oberhaupt beweisen. Schon auf diesen ersten Seiten wird klar, der Autorin ist es gelungen, historisches Wissen mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen. Die politischen Machtspiele hat sie genauso einfließen lassen wie das Leben der Menschen dieser Epoche. Als Offa dann zum König aufsteigt, endet dieser erste Teil.

Ein aufregendes Leben für eine junge Frau

Jetzt ändert sich nicht nur die Perspektive der Charaktere, sondern der gesamte Handlungsort. Nun wird die Geschichte von Quindrida, kurz Drida genannt, erzählt. Sie wächst mit den Brüdern Karl und Karlmann am Hof der Franken auf. Auch hier wird ausführlich geschildert, wie aus dem Kind eine junge Frau wurde. Die Machtverhältnisse am Hof und ihre Verschiebung durch den Tod von König Pippin werden erläutert. Für die junge Frau ist es ein hin und her, sie weiß nicht so recht, zu wem sie stehen soll und so kommt es für sie zur Katastrophe. Auch diese Szenen werden glaubhaft geschildert.

Im dritten Teil des Buches fügen sich die Handlungsstränge von Drida und Offa dann zusammen und ergeben eine Einheit. Sabrina Qunaj erzählt eine umfangreiche Geschichte über das Leben der Menschen in dieser Epoche. Ihr Erzählstil ist dabei leicht zu lesen, obwohl sie die alten Namen der Ortschaften verwendet und auch so mancher Name der Charaktere ein Zungenbrecher ist. Gerade die walisischen Namen haben es in sich, aber dadurch gewinnt das Buch auch an Authentizität.

Die Aufmachung dieses Romans kann man nur als gelungen bezeichnen. Es fängt schon bei dem schönen Cover an und enthält dann alles, was ein historischer Roman braucht. Ein Stammbaum zu Beginn und ein Personenregister sorgen für den Überblick über die Protagonisten. Karten von Britannien und dem Frankenreich erlauben es, die Wege Dridas nachzuverfolgen und ein Nachwort klärt zum Schluss Fiktion und Wahrheit.

Fazit:

„Der erste König“ ist ein opulenter historischer Roman aus dem 8. Jahrhunderts Englands. Er erzählt die Geschichte des wohl ersten Königs Englands. Offa ist historisch belegt, genauso wie seine Frau. Sabrina Qunaj hat aus diesen Eckdaten eine Geschichte erschaffen, die ihre Leser in eine andere Welt entführt. Es ist ihr gelungen, diese Epoche auferstehen zu lassen. Nicht nur die Protagonisten werden lebendig, sondern auch die Zeit erwacht zum Leben. Die politischen Zusammenhänge hat die Autorin dabei genauso erläutert wie das Leben der Menschen. Dabei ist es egal, ob man beim Lesen gerade im Frankenreich bei Hofe ist oder in Wales oder Mercia. Am Ende der 885 Seiten schlägt man das Buch zufrieden zu oder ist auch ein wenig wehmütig, weil es schon vorbei ist. Allerdings lassen die letzten Seiten auf eine Fortsetzung hoffen, denn König Offa hat viele Jahre über sein Reich geherrscht und hier wurde noch nicht alles erzählt.

Der erste König

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Letzte Kommentare:
21.09.2020 21:41:13
Nick Coll

Der neue historische Roman „Der erste König“ von Sabrina Qunaj entführt uns nach Mercia und Frankenreich und lässt uns teilhaben an den ersten Regierungsjahren Karls, der später als Karl der Große in die Geschichte eingehen wird, sowie an dem Leben des ersten angelsächsischen Königs (daher der Titel) Offa, der versucht Britannien aus vielen kleinen Königreichen zu einem großen zu vereinen. Und das Bindeglied zwischen diesen zwei Reichen ist Drida.

Die Autorin hat es wirklich geschafft ein lebhaftes Bild Britanniens im 8. Jahrhundert entstehen zu lassen. Das Buch bietet alles was einen guten historischen Roman ausmacht: Liebe, Hass, Intrigen, Verrat, blutige Schlachten, Machtkämpfe... Von daher hat sich Sabrina Qunaj einen guten und historisch sehr interessanten Zeitraum ausgesucht. Auch, dass es eher nicht die typischen mittelalterlichen Protagonisten waren, hat mich sehr begeistert — letztendlich wissen wir über Offa und Drida sehr wenig; der junge Karl und sein Bruder Karlmann sind keine beliebten Themen der Romane. Nach wie vor bleibt die Autorin, die den Lesern durch ihre Geraldines-Reihe bekannt ist, England und Wales treu.

„Der erste König“ ist eine spannende, stellenweise sehr bewegende, historisch sehr aufschlussreiche und an menschlichen Dramen nicht arme Geschichte, in der es immer wieder um Freundschaft und Liebe geht. Obgleich der Verrat droht alles zu zerstören, aber die Fähigkeit zu lieben und zu verzeihen kann über vieles hinwegretten. Die Autorin verzichtet auf überzeichnete Beschreibungen der blutigen Schlachten, aber auch auf zahlreiche romantische Liebesszenen. Historische Romane sollen in erster Linie natürlich unterhalten, aber trotzdem bleibt immer die Erwartung, dass diese auch Wissen um die jeweilige Epoche vermitteln sollten. Diesem Roman gelingt beides.

Die Sprache der Autorin ist klar und rein, es gibt keine inhaltlichen oder logischen Fehler innerhalb der Handlung. Es ist genau das richtige Stilmittel, was ich in historischen Romanen so sehr schätze und begrüße: die Geschichte spannend und eindrucksvoll zu erzählen. Sowohl die historischen wie auch die fiktiven Figuren sind sehr genau ausgearbeitet, gut beschrieben und bekommen schnell ein Gesicht, selbst die Nebenfiguren wie Eadburth oder Beornred wirken nicht oberflächlich, sondern bereichern die Szenerie außerordentlich. Ein besonderer Protagonist des Romans ist die Wölfin Luna, die unsere Drida überall begleitet und mit ihr sogar nach Britannien mitreist. Ihre Schicksale sind zum Teil ähnlich und durch ein unsichtbares Band verbunden.

Das Cover ist einfach toll und gibt einen Vorgeschmack auf die Geschichte. Schlicht und dennoch voller Aussage und Bezug zum Buch. Das Schriftbild ist sehr angenehm, die Kapitel von angenehmer Länge. Ein ausführliches Nachwort, das Informationen zur Wahrheit und Fiktion enthält, ein Personenverzeichnis, die Stammbäume und das Kartenmaterial vervollständigen die gute Ausstattung des Buches.

Ein fesselnder historischer Roman, der mich auf den fast 900 Seiten sehr gut unterhalten hat. Gerne gebe ich 5 Sterne und hoffe, dass die Geschichte eine Fortsetzung bekommt, denn es gibt noch sehr viel zu erzählen.

21.09.2020 17:53:19
PMelittaM

Britannien, 8. Jahrhundert: Der junge Krieger Offa ist Gefolgsmann des Königs von Mercia, wird dessen Nachfolger und schließlich der erste König Britanniens.

Drida ist eine illegitime Cousine der fränkischen Königssöhne Karl und Karlmann und mit diesen aufgewachsen. Sie versucht zwischen den Brüdern zu vermitteln, auch noch, als beide selbst Könige sind.

Zwei eher weniger bekannten historischen Persönlichkeiten widmet sich die Autorin hier, was ich sehr spannend finde. Karl und Karlmann kennen natürlich viele, aber Drida? Auch von Offa hatte ich vorher bewusst noch nichts gehört, oder kann mich zumindest nicht erinnern. Im Nachwort erklärt die Autorin über Fiktion und Wahrheit auf. In mancher Hinsicht hatte sie die Möglichkeit, ihre künstlerische Freiheit zu nutzen, natürlich jeweils vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse. Mir war es letztlich zu viel Persönliches und zu wenig politischer Hintergrund.

Die Geschichte wird aus Sicht der beiden Protagonisten erzählt, wobei Offas im Jahr 747, Dridas im Jahr 768 beginnt. So lernt man die beiden wirklich gut kennen, auch wenn man nicht immer alles nachvollziehen kann, was sie tun. Ich hatte z. B. meine Schwierigkeiten damit, wie lange Drida noch an der Vergangenheit hängt. Neben den beiden gibt es noch eine weitere Perspektive, die Hildas, die im selben Dorf wie Offa aufwächst und später einen unglücklichen Weg geht.

Die Charaktere gefallen mir gut, auch die Nebenfiguren sind gut gelungen und wirken authentisch. Leider nervt mich ausgerechnet Drida gegen Ende etwas zu viel, manchmal möchte ich sie schütteln. Ihre Ambitionen in Bezug auf ihr Herkunftsland (manchmal gar nicht so einfach, nicht zu spoilern) halte ich für übertrieben und deren Auflösung für eher unrealistisch. Aber Drida hat natürlich auch positive Eigenschaften, die ich sehr schätze. Offa dagegen mochte ich von Anfang sehr gerne.

Der Roman lässt sich sehr gut lesen, er packte mich von Anfang an. Am Ende ist Offas Herrscherzeit nur zum Teil erzählt, ich hoffe daher sehr auf eine Fortsetzung.

Wie ich es von historischen Romanen mag, hat auch dieser mich zum „Googeln“ angeregt, so habe ich insgesamt einiges Neue erfahren. Neben dem bereits erwähnten interessanten Nachwort gibt es ein Personenverzeichnis, Karten und eine knappe Übersicht der angelsächsischen und der fränkischen Herrscherlinie.

„Der erste König“ ist ein packender, süffiger historischer Roman, der sich eine weniger bekannte Zeit der britischen Geschichte vornimmt und dem Leser zwei interessante Protagonisten vorstellt. Meiner Meinung nach wird das Persönliche allerdings zu sehr in den Mittelpunkt gestellt, ich hätte gerne mehr über den historischen Hintergrund gelesen. Dennoch kann ich ihn allen Freunden historischer Romane empfehlen. 82°

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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