Elbstürme

Erschienen: April 2021

Couch-Wertung:

92
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Alexandra Hopf
Gelungenes Ende der großen Dilogie

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Jun 2021

Seit Lily im Jahr 1887 Hamburg überstürzt mit dem ihr aufgezwungenen Ehemann Henry verlassen musste sind nun drei Jahre vergangen. Sie lebt isoliert in Liverpool. Ihre Ehe gleicht eher einem Gefängnis. Einziger Lichtblick ist ihre Tochter Hanna, die ihrem geliebten Jo auch noch wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Doch das kleine Mädchen ist auch Henrys Druckmittel um Lilys Selbstbewusstsein zu brechen. Ihr zuliebe erduldet sie die Ehe, auch wenn sie durch die Hölle geht. Ihr Aufbegehren gegen Henry zieht nicht selten auch körperliche Gewalt nach sich. Aber Lily erduldet es und sehnt sich in ihren Träumen zurück nach Hamburg und zu Jo Bolten. Sie weiß nicht, dass dieser genauso unter ihrer Trennung leidet. Er stürzt sich in die Arbeit und engagiert sich im Arbeiterkampf, um mehr soziales Recht für die Hafenarbeiter durchzusetzen. Seinen Kummer ertränkt er allzu oft im Alkohol. Andere geheime Geschäfte im Opiumhandel sind riskant für ihn. Aber er braucht das Geld um seine Lieben zu unterstützen und zudem ist ihm jedes Mittel recht, um seinen Chef Oolkert zu schaden, der maßgeblich daran beteiligt war, dass er Lily verloren hat. Als Alfred Karsten schwer herzkrank wird, eilt die junge Familie Henry von Cappelns nach Hamburg zurück. Einerseits freut sich Lily, aber andererseits ist ihr auch mulmig zumute. Wie wird ihre Familie auf ihre Rückkehr reagieren? Wie wird ihr Leben in Hamburg unter Henry aussehen? Und die wichtigste Frage: was passiert, wenn sie Jo wieder begegnet?

Übertrifft sogar Band eins

Miriam Georg ist mit dem Vorgänger " Elbleuchten" ein toller Start in diese Geschichte gelungen. Diesen sollte man auch unbedingt vorweg gelesen haben, damit es nicht zu Verständnisschwierigkeiten kommt. Dennoch ist es der Autorin gelungen, sich mit dem Abschluss der Dilogie noch einmal zu steigern. Die fiktive Geschichte um Lily Karsten ist in ein tolles Konstrukt akribischer historischer Recherche eingebaut. Mit ihren bildhaften Beschreibungen fällt es dem Leser nicht schwer, komplett in den Plot abzutauchen.

Schonungslos führt uns Miriam Georg vor Augen, wie krass die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten im Hamburg jener Zeit waren. Dabei packt sie mehrere brisante Themen an. Wir erfahren, wie wenig Selbstbestimmung die Arbeiter damals hatten und unter welchen elenden Zuständen sie im Gängeviertel hausen mussten. Die voranschreitende Industrialisierung bringt vor allem Frauen, die ohnehin keine Rechte hatten, ein schweres Leben. Als billige Arbeitskräfte wurden sie in den Fabriken ausgebeutet und zusätzlich mussten sie das Leben in der Familie regeln. Doch auch höhergestellten Frauen war die Selbstbestimmung verwehrt und durch Lily und ihre Freundinnen wird es erschreckend real dargestellt.

Es brodelt gewaltig

Die Titelwahl könnte nicht treffender sein, denn "Stürme" gibt es an allen Ecken und Enden. Die mitreißende Geschichte lässt die 650 Seiten nur so dahinfliegen. Immer wieder passiert etwas Neues und Spannendes. Die wechselnden Erzählperspektiven und der lebendige Schreibstil helfen beim flüssigen Lesen.

Auch die bereits bekannten und absolut authentischen Charaktere unterstützen den positiven Gesamteindruck. Obwohl der Roman eine Vielzahl interessanter Themen anspricht ist er dennoch auch ein Roman bei dem es um Liebe geht. Und die gönnt man den Hauptprotagonisten von Herzen. Dennoch lässt es vermutlich einen erstaunten Leser zurück. Doch ein aufschlussreiches Nachwort der Autorin bringt zufriedenstellende Erklärungen und rundet das tolle Lesevergnügen wunderbar ab.

Fazit:

Ein toller Lesegenuss, der uns viel über das Hamburger Leben und die Stellung der Frau gegen Ende des 19. Jahrhunderts näherbringt

Elbstürme

Elbstürme

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