Die Schwestern Chanel

Erschienen: Dezember 2020

Bibliographische Angaben

Julia Walther (Übersetzung)

Couch-Wertung:

90
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Rita Dell'Agnese
Ein anderer Blick auf Coco Chanel

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2021

Dass eine der erfolgreichsten Frauen des 20. Jahrhunderts, Coco Chanel, keine einfache Persönlichkeit war, ist ein offenes Geheimnis. Auch dass sie ihre Jugend gerne in schillernden Farben schilderte, die kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun hatten, hat sich mit der Zeit mehr oder weniger herumgesprochen. Welches Leben Coco Chanel tatsächlich geführt hat – oder zumindest geführt haben könnte – schildert die Autorin Judithe Little in ihrem Roman „Die Schwestern Chanel“. Sie lässt dabei Antoinette, die jüngste der drei Chanel-Schwestern zu Wort kommen. Das auf eine so intensive und überzeugende Art, dass nicht nur Antoinette selber, sondern eben auch Coco Chanel Gestalt annimmt.

Im Kloster zurückgelassen

Ausgangspunkt der Erzählung ist das Kloster Aubazine in Nouvelle-Aquitaine, einer Region im Herzen von Frankreich. Dort lässt der Vater, ein unsteter Wanderverkäufer, seine drei Töchter zurück, nachdem seine Frau an Schwindsucht gestorben war. Die beiden Söhne gibt er zu Bauernfamilien als Kinderarbeitskräfte. Julia-Berthe, Gabrielle und Antoinette werden von den Nonnen von Aubazine geschult und lernen handarbeitliche Fertigkeit. Während die in ihrem Geiste einfache Julia-Berthe sich mit der Situation arrangiert hat, leidet insbesondere Gabrielle darunter, dass der Vater sie zurückgelassen hat. Sie und Antoinette träumen von einem besseren Leben. Sie wollen der Welt beweisen, dass sie mehr sind, als die unerwünschten Kinder eines Hausierers. Diese Einstellung wird befeuert, als die Mädchen die jüngste Schwester ihres Vaters, Adrienne kennen lernen. Sie ist nur wenig älter als ihre Nichten.

Nach der Ausbildung versucht sich Gabrielle zunächst als Sängerin, was ihr den Spitznamen Coco einträgt, den sie später als Markenzeichen nutzen wird. Doch das künstlerische Talent Gabrielles ist eher bescheiden, ihre jahrelangen Bemühungen fruchten nicht. Auch ein Ausflug in die Schauspielerei bringt die junge, ehrgeizige Frau nicht weiter. Erst als sie beginnt, Hüte zu entwerfen und sie mit Hilfe von Antoinette, die sich zur Hutmacherin gemausert hatte, zu verfeinern, ist der Samen zu Coco Chanels Aufstieg gesät. Das Leben hält für die ehrgeizigen und unkonventionellen Schwestern allerdings noch manchen Schicksalsschlag bereit.

Überzeugend zusammengestellt

Vieles, was Judithe Little in ihren Roman gepackt hat, beruht auf Recherchen und Biographien. Anderes – insbesondere das Leben von Antoinette selber, fusst auf Fiktion, da über die jüngere Schwester von Coco Chanel nur sehr wenig bekannt ist. Diese beiden Komponenten hat die Autorin optimal zusammengefügt, so dass eine Story entstanden ist, die wohl einen umfassenden Blick auf die berühmte Modedesignerin ermöglicht, aber auch alle Elemente enthält, die ein spannender und unterhaltsamer Roman enthalten sollte. Schön ist auch die Erläuterung zum Schluss des Romans – so können sich die Leserinnen und Leser ein Bild davon machen, was auf Tatsachen beruht. Einzig der letzte Abschnitt des kurzen Lebens von Antoinette will nicht mehr ganz so rund sein, wie die restliche Geschichte. Schade ist auch, dass das weltberühmte Parfüm Chanel No. 5 kaum Einzug in den Roman gehalten hat.

Fazit

Wer sich für die Modeschöpferin Coco Chanel interessiert, wird in diesem Roman immer wieder bekannten Fakten aus ihrem Leben begegnen. Dennoch wird durch den Blickwinkel der Erzählerin viel Neues dabei sein. Wer sich bis dahin nicht mit Coco Chanel auseinandergesetzt hat, wird alleine durch die warmherzige Erzählung so neugierig geworden sein, zumindest mal nach Bildern von Coco Chanels Mode zu forschen.

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