Die Romanfabrik von Paris

Erschienen: Oktober 2020

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Paris 1850. In der Romanfabrik von Alexandre Dumas schreiben siebzig Angestellte die beliebten Folgen von Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo, die als Fortsetzungsgeschichten die Zeitungsleser begeistern. Doch im jüngsten Werk ist etwas faul zwischen den Zeilen, denn es ist gespickt mit Staatsgeheimnissen. Um seinen Ruf zu retten, muss sich Dumas ausgerechnet mit seiner größten Kritikerin verbünden: der deutschen Lehrerin Anna Moll, die ihn wegen freizügiger Texte angezeigt hat.

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Letzte Kommentare:
09.01.2021 20:03:56
Theo Körner

Die historischen Romane von Dirk Husemann stehen für ein ebenso hohes Maß an Spannung wie Lesevergnügen. Das gilt auch für den neuen Band „Die Romanfabrik von Paris“. Dabei ist schon das Cover ein echter Hingucker und die Aufmachung lässt durchaus erahnen, dass sich der Leser nun in die Zeit des 19. Jahrhunderts begibt. Recht geschickt kommt schon der Einstieg daher, lässt er doch zunächst einmal vermuten, dass es auf den folgenden Seiten um einen Konflikt zwischen einer Hauslehrerin namens Anna Gräfin von Dorn und dem äußerst erfolgreichen Autor Alexandre Dumas kommen wird, vielleicht sogar ein Kampf auf Leben und Tod. Die Deutsche, die in Paris eine Stelle angenommen hat, will dem Star der damaligen Literaturszene ans Leder. In der damals sittenstrengen Zeit sind ihr seine Werke viel zu freizügig. Doch bevor der Streit richtig an Fahrt gewinnt, gelingt es dem Verfasser Dirk Husemann durch einen erzählerischen Schachzug der Geschichte eine ganz andere Wendung zu geben.
Wie auch manchmal im wirklichen Leben werden dann aus Gegnern Freunde, wenn sie einen gemeinsamen Feind niederringen müssen. In diesem Fall handelt es sich um eine zwielichtige Figur namens Lemaitre, der zum einen ganz versessen ist, Amulette von Dumas zu bekommen, und zum anderen die Menschen mit der angeblichen Heilkunst des Magnetisierens narrt. Doch es ist weniger die Scharlatanerie, die Dumas und Anna gegen ihn aufbringen lässt, er hat ganz andere, brandgefährliche Pläne, die die beiden unbedingt verhindern wollen und müssen. Sie begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, die sie durch Belgien und England bis nach St. Petersburg führt. Der Leser erlebt eine atemberaubende Jagd, die durchaus von manchen Wirrungen geprägt ist, der rote Faden aber nie verloren geht.
Von den Charakteren der Protagonisten gewinnt man nach und nach ein immer genaueres Bild, was den Leseanreiz noch einmal steigert. Der gesamte Roman lebt von einer enormen Dynamik, aber keine Sorge: Als Leser wird es einem nicht schwindelig. Das Tempo ist fein austariert und man kann dem Geschehen mühelos folgen. Zudem gelingt Dirk Husemann eine galante Zeitreise, mit der das monarchistische Europa des 19. Jahrhunderts wieder sehr lebendig wird.
Wie auch schon in den anderen Romanen spürt der Leser, dass sich zum Ende hin ein spektakuläres Finale anbahnt, das mit einer gehörigen Portion Dramatik versehen ist. Denn, soviel sei verraten, die beiden Protagonisten geraten nach allerlei Fährnissen noch einmal in größte Bedrängnis.
Äußerst informativ ist das Nachwort von Dirk Husemann, legt er doch offen, was nun wirklich historische Fakten sind und welche Facetten frei erfunden. Wobei man sich als Leser äußerst wohl fühlt in der Liaison aus Fiktion und historischer Wirklichkeit.

04.01.2021 06:37:47
speedy208

Das atemberaubende Tempo erinnert etwas an die 3 Musketiere, die Reisen an Jules Verne & Kapitän Nemo. Soweit so gut. Es fehlt die "Ruhe", die normalerweise ein historischer Roman aufweist. Aber dazu zählt der Roman nicht. Eher eine Allegorie zum Heute, zum spontanen Reisen, wohin man auch will, und zwar schnell. Die Figuren sind nicht fassbar und fallen durch ähnliche Anfangsbuchstaben auf (Schmaleur, Schuwalow, Seamur , Simes oder Alexandre, Anna, Alice). Wäre die Story fesselnd - und von einem einzigen Autoren verfasst! - könnte man die Vorwegnahme der Erfindungen (Rollator und Reisegeschwindigkeit) akzeptieren.
Der Roman passt irgendwie zum Titel: Romanfabrik. In einer "Fabrik" wird am laufenden Band produziert. Auch hier. DAs Resultat: Boulevard-Presse und Groschenromane, die aus den Fingern gesogen werden. Nein, so was ist schlicht und einfach Schund, und verdient nicht das Label "historischer Roman". Was dann? Historisierender Roman? Vielleicht, aber am ehesten eine Art Krimi.
In einem Ratgeber für Autoren wird der "historische Roman" als "Stiefkind" der Genres bezeichnet, weil viele, ausser Ken Follett oder Hilary Mantel, einer Romanze einfach Kostüme überstülpen, fertig. Daher verdienen nur wenige sog. historische Romane ihr Label und werden auch selten wertgeschätzt.
Eins muss man den Roman zugute halten: er macht deutlich, wie ein Erfolg neue Ideen fördert, und dass es auch in der Literatur schon früh "Massenproduktion" gab. Daher hätte diese Idee besser umgesetzt werden können, nach der Devise: "Weniger ist mehr".

03.01.2021 18:14:36
speedy208

Ich wurde das ganze Lesen hindurch das Gefühl nicht los, als ob der Roman nicht aus freien Stücken, sondern auf Drängen des Verlages aus vorhandenen Ideen-Bruchstücken zusammengesetzt worden wäre. Einem Flickerl-Teppich gleich. Dieser kommt mir sehr lustlos und blutleer vor. Ein Scharlatan der besonderen Sorte als Equipment des Roman-Personals? Warum nicht. Nur hätte ich gern am Ende gewusst, warum sich Lemaître gleich an 3 Regierungen/Staaten/Grossmächten rächen wollte und wofür? Dass ihm eine Karriere aufgrund seiner Hautfarbe verunmöglicht wurde? Ein schwacher Grund. Ich habe mir, wenn Dirk Husemann schon eine Hommage an den Verfasser der "3 Musketiere" in den Stoff verwebt, dann etwas spritziger, humorvoller bitte, aber nciht so seicht. Genauso gut hätte man London und St. Petersburg - er war ja in 3 Teile, Paris, London, St. Petersburg aufgeteilt - weglassen oder als Nachwort zusammenfassen. Dann wäre die Story kurzatmiger gewesen. So kam sie mir wie selbst in einer "Romanfabrik" gewoben vor.

03.01.2021 18:02:05
speedy208

in enttäuschender Husemann-Roman . Ich habe mehr erwartet, anhand des Klappentextes. Irgendwie hatte ich das Gefühl, der Autor hatte keine Vorstellung von seiner Story. Wenn schon ⅔ des (470 S.-)Buches Ende Dezember 1851 spielen, ⅓ wenigstens schon Januar 1852, und dann gleich an 3 Schauplätzen, da frage ich mich, ob der Autor seine Helden mit der Concorde fliegen liess, die 100 Jahre später in Betrieb kam. Baden-Baden, Paris, Brüssel, London bis St.Petersburg in knapp 30 Tagen? Unwahrscheinlich. Hätte er statt Dezember die Jahreszeit (Winter) genommen, ok, ich hätte mich nicht daran gestossen. So aber kam die Story wie Gelee vor, das auf dem Tisch liegt, Klassiker von Jules Verne, Tolstoi usw. daneben samt namhafter Persönlichkeiten und Museen als Garnitur. Eine Art “80 Tage in 3 Metropolen”, die Abenteuer der (gehbehinderten) Helden auch unglaublich, wie die Szene, wo ihr der Russe den Rollstuhl abtrotzt und sie in der Gasse zu landen scheint. Oder Dumas im Newgate-Castle. Viele Episoden, die keinen roten Faden ergeben. Und am Ende hat die Heldin sogar einen Rollator! Nicht ganz nachvollziehbar oder durchdacht. Dank des Nachworts, weiss ich jetzt auch, warum mich die Story enttäuscht: der Autor Husemann hat die Story mit einer Co-Autorin geschrieben! Da verwundert mich der Tenor nicht. Schade. Ich hätte mehr erwartet, im Stile von “Der Bücherdieb” oder “Seidendiebe”. Dort war dessen Handschrift klar und deutlich herauszulesen. So aber schwanke ich lieber zu Ken Follett über, der richtige historische Romane - und keine Fantasmen - schreibt. Ok, bei historischen Romanen ist etwas künstlerische Freiheit erlaubt, aber nicht so, dass diese schmerzt oder einen erdrückt, wie es bei mir der Fall war.

09.11.2020 11:52:38
Leserin

Paris 1850.
Anna Gräfin von Dorn (geborene Moll) aus Karlsruhe sucht in der französischen Metropole eine Anstellung als Hauslehrerin. Als ihr im Haus ihrer Arbeitgeber eine Zeitung mit den Fortsetzungsgeschichten von Alexandre Dumas in die Hände fällt, ist sie entsetzt. Die Geschichten sind der der sittenstrengen Frau zu freizügig. Dumas betreibt eine „Romanfabrik“, in welcher Lohnschreiber die Gedanken des Meisters zu Papier bringen, und da Anna mit Hilfe von Zensurbeamten das Schlösschen des beliebten Künstlers räumen lassen will, ist der Lebemann Dumas alles andere als begeistert. Als jedoch ein Scharlatan mit dem sprechenden Namen „Lemaitre“ in Frankreich sein Unwesen zu treiben beginnt, müssen Anna und Alexandre ihre Differenzen beilegen, um dem gemeinsamen Feind das Handwerk zu legen. Doch das ist leichter gesagt als getan, und so führt eine wilde Jagd die Protagonisten von Paris über London bis nach Sankt Petersburg…
„Die Romanfabrik von Paris“ (was für ein toller Titel!) ist ein historischer Roman, in welchem Dirk Husemann - wie die meisten Autoren dieses Genres - Fakten mit Fiktion vermengt. Die Lektüre hat mir viel Freude bereitet, weil die Figuren ihrer Zeit angemessen sprechen und handeln, anders als in anderen Romanen werden hier nicht Menschen mit Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts in die Vergangenheit „verpflanzt“. Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, ich habe mich beim Lesen keine Sekunde lang gelangweilt (meines Erachtens gibt es keine Längen in der Erzählung). Anna ist eine gelähmte Frau, die sich einerseits nicht die Butter von Brot nehmen lässt, andererseits aber auch keine „Superheldin“ ohne charakterliche Schwächen ist, dies gefiel mir ausgesprochen gut. Dumas wird als liebenswerter Filou mit einem Hang zum Größenwahn porträtiert. Die Figurenzeichnung ließ mich oft schmunzeln - der Autor nähert sich der Legende Dumas mit Herz und Humor. Auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet. Man kann richtig in die story eintauchen und en passant auch etwas lernen, obwohl man den Roman aufgrund der historischen Freiheiten, die sich der Autor nimmt, nicht als geschichtswissenschaftliche Quelle verwenden sollte. Trotz seiner Popularität war Dumas aufgrund seiner dunklen Hautfarbe zu Lebzeiten ein Außenseiter in der französischen Gesellschaft, eine Aufnahme in die Académie Française wurde ihm zunächst verweigert. Den historischen Begriff „un nègre“ verwendet Dirk Husemann korrekt, und er erklärt die Verwendung des Terminus, ihm gelingt es so meines Erachtens, Unterhaltung auf hohem Niveau zu bieten, die sich eben nicht nur an frankophile (und frankophone) Literaturliebhaber und an ein akademisches Publikum wendet, sondern auch an Otto Normal, das finde ich klasse.
„Die Romanfabrik von Paris“ ist auch formal perfekt gegliedert, nur der Schlussteil wurde für mein Empfinden zu schnell abgehandelt. Glücklicherweise wird auf Kitsch und Pathos verzichtet, was mich angenehm überrascht hat.
Fazit:
Ich vergebe viereinhalb von fünf möglichen Sternen für die Geschichte. Dirk Husemanns Roman ist ein richtig schöner Schmöker, den ich gerne zur Lektüre empfehle. Auch das Nachwort ist ausgesprochen lesenswert!

07.11.2020 22:18:39
Claumiau

Die Romanfabrik: Ein historischer Abenteuerroman, der sich am Leben des Autors Alexandre Dumas und wahren geschichtlichen Ereignissen orientiert. Dirk Husemann verknüpft diese wahren Ereignisse mit einer mal mehr mal weniger gelungenen Geschichte.

Paris im Jahr 1850, Dumas hat mit seinen Abenteuerromanen und Fortsetzungsgeschichten
eine große Bekanntheit erlangt. Seine Leser verlangen nach weiteren Geschichten. Um der Nachfrage gerecht zu werden hat er eine „Romanfabrik“ ins Leben gerufen. Dort schreiben Lohnschreiber Geschichten für seine Zeitung.
Dumas ist stark verschuldet und seine Gläubiger beginnen ihn zu bedrängen.
Seine größte Kritikerin ist Anna Moll, eine verwitwete deutsche Gräfin. Sie hat ihn wegen seiner freizügigen Texte angezeigt. Als der Magnetiseure Lemaitre ihm eine Hohe Summe für drei Amulette verspricht die Dumas´Vater einst aus Ägypten mitgebracht hat, sieht Dumas darin seine Chance. Natürlich kommt Lemaitre der Abmachung nicht nach.
Als dann auch noch Staatsgeheimnisse in Dumas´ Zeitung erscheinen und ihm wegen Hochverrat die Todesstrafe droht , muss Dumas fliehen. Seine einzige verbündete ist Anna Moll. Eine abenteuerliche Reise durch Europa nimmt ihren Lauf.

Wie schon am Anfang erwähnt empfinde ich die Geschichte als mal mehr und mal weniger gelungen, aber auf keinen Fall schlecht. Der Anfang und auch das Ende sind sehr gut gelungen doch der Mittelteil war wirklich unglaublich anstrengend für mich. Das lag vor allem daran, dass ich die Geschichte als sehr langatmig empfand. Das könnte unter Anderem mit dem Schreibstil zusammenhängen, Dirk Husemann hat sich in diesem Fall etwas zu sehr an den Romanen von Dumas orientiert, mich erinnert der Stil jedenfalls sehr stark an die Musketiere und Co. Im Mittelteil fehlte es mir zu dem an Spannung, dadurch fehlte es mir oft an der Motivation weiter zu lesen. Es gab zwar einige interessante Verwicklungen, aber einfach zu viele Zufälle, so dass ich das ganze Geschehen einfach nicht mehr als Plausibel einstufen konnte. Das kann ich in einem Fantasyroman akzeptieren, aber auch nur dort. Dazu kommt (SPOILER) Anna Moll, Querschnittsgelähmt, die mit ihrem Rollstuhl mal eben locker von a nach b kommt. Ja am Anfang hat sie Imanuel aber der steht im Mittelteil schon nicht mehr zur Verfügung. Zuletzt muss ich sagen, dass mir einfach keine der Personen sympathisch war. Dumas war mir einfach zu anstrengend und auch sehr unangenehm, einfach zu unbekümmert, wenn man an seine gläubiger denkt. Auch Anna war auf ihre Art sehr anstrengend für mich, aber vielleicht passend für die Zeit um 1850.

Für mich war es dieses Mal nicht das richtige Buch, ich möchte es aber jedem ans Herz legen, der die Roman von Dumas gerne gelesen hat, und auch denen die sehr gerne historische Romane die mit wahren Ereignissen unterlegt sind.

07.11.2020 17:47:35
PMelittaM

Paris, 1851: Die mittellose Gräfin Anna von Dorn nimmt eine Stelle als Lehrerin an, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Dabei stolpert sie über die Werke Alexandre Dumas, die sie skandalös findet – sie will dem Schriftsteller das Handwerk legen, trifft dabei aber auf einen alten Feind.

Dumas hat derweil schon genug andere Probleme, nicht nur die Gläubiger rücken ihm auf den Pelz, und dann erscheint auch noch ein Artikel in seiner Zeitschrift, der ihn als Hochverräter darstehen lässt – den er aber gar nicht geschrieben hat.

Anna und Dumas stellen schließlich fest, dass sie gemeinsame Interessen haben, und machen sich auf die Jagd nach demjenigen, der beider Leben auf den Kopf gestellt hat.

Der Autor hat in Händchen für besondere Stoffe, was sich auch hier zeigt. Wahrscheinlich kennt jeder zumindest einen Roman Dumas‘, und ihn hier selbst als Protagonisten vorzufinden, macht Spaß, zumal es hier genauso spannend und actionreich zugeht wie in seinen Werken. Der Autor bedient sich sogar einer entsprechend altertümlich wirkenden Sprache mit vielen schönen altmodischen Wörtern – wobei ich das nie als anstrengend empfand sondern eher atmosphärisch. Und dann gibt es herrliche Sätze wie diesen: „Die Geschichten aus dem Unterleib der Literatur wurden ihrem gerechten Schicksal zugeführt“ (Pos. 920)

Atmosphäre gibt es hier sehr viel, und auch einiges zum Schmunzeln. Die Reise führt von Paris nach London und St. Petersburg, und überall fühlt man sich schnell im Land angekommen. Die Schauplätze haben mir jeweils gut gefallen, in London z. B. besucht man nicht nur die königliche Familie sondern auch ein Gefängnis, St. Petersburg lädt in die Eremitage und zu einer Wolfsjagd ein.

Dumas mochte ich von Anfang an, er ist ein frivoler Lebemann, hat aber ein gutes Herz, zeigt Empathie, und bringt einiges an Humor ins Spiel (wenn ich alleine daran denke, was er im Londoner Gefängnis anstellt, um seine Hinrichtung aufzuschieben …). Anders Anna, die ich wegen ihrer Sittenstrenge zunächst sehr anstrengend fand, die aber eine schöne Entwicklung durchmacht. Außerdem finde ich es sehr interessant mit Anna eine Protagonistin zu haben, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Die meisten anderen Charaktere spielen nur eine untergeordnete Rolle, sind aber doch gelungen charakterisiert. Und dann ist da natürlich noch der Antagonist, der zunächst schön teuflisch wirkt, mich aber am Ende doch ein bisschen enttäuscht hat, ebenso wie die „Auflösung“ um ihn.

Wie es sich für einen anständigen historischen Roman gehört, gibt es ein Nachwort des Autors, in dem er auf Wahrheit und Fiktion eingeht – und mir richtig Lust macht, eine Dumas-Biografie zu lesen.

Dirk Husemann entwickelt sich langsam zu einem meiner Lieblingsautoren, ich mag seine Romane, weil sie in meinen Augen besonders sind und nicht mit Humor sparen. Leider hat mich hier der Antagonist nicht komplett überzeugt. Ich spreche aber dennoch eine Leseempfehlung aus. 82°

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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