Das doppelte Gesicht

Erschienen: Dezember 2020

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Nicole Goersch
Morde in der Nachkriegszeit

Buch-Rezension von Nicole Goersch Jan 2021

München im August 1945: Die Reporterin Billa Löwenfeld hat einen Interviewtermin mit Viktor von Dietlitz, den sie erschossen vorfindet. Kommissaranwärter Emil Graf wird der Fall zugeteilt. Weil es sein erster Mordfall ist, in dem er selbständig ermitteln soll, ist er etwas überfordert, vor allem mit Billa, die er sehr anziehend findet. Aber kann er ihr auch trauen?

Als ein zweiter und dann noch ein dritter Mord passieren, die dem ersten verdächtig ähnlich sind, will Emil Graf seinem amerikanischen Vorgesetzten beweisen, dass er den Fall lösen kann und stürzt sich in gefahrvolle Ermittlungen.

Trümmerfeld München

Die Autorin Heidi Rehn schafft es durch viel Detailreichtum die Zerstörungen des damaligen Münchens, aber auch die intakten Viertel und Straßen, in denen wichtige Gebäude der Nazis standen, sehr bildlich darzustellen. Die Schauplätze gibt es größtenteils in der Realität, was die Geschichte besser greifbar macht. Der Leser gewinnt dadurch einen guten Überblick über die Kulisse, in der sich die Figuren bewegen.

Diese sind äußerst zahlreich in ihren Charakteren: es gibt die siegreichen Amerikaner, die versuchen, die Spreu vom Weizen zu trennen und gute Deutsche ausfindig zu machen, die nicht der braunen Masse hinterhermarschiert sind. Das ist nicht so einfach, da sich viele nun als Opfer sehen. Zumindest wird behauptet, nicht aktiv Hitler gefolgt zu sein, was Simon, Emils amerikanischen Vorgesetzten, zu ironischen Kommentaren hinreißt.

Mit Billa, die vor sieben Jahren mit ihrer Mutter nach New York flüchtete, da sie jüdischer Abstammung sind, und nun zurückkehrt, wird ebenfalls eine interessante Persönlichkeit geschaffen. Ihre Gefühle sind sehr zwiespältig: sie möchte sich nicht in eine Opferrolle stecken lassen, möchte aber ebenso wenig den Deutschen alles durchgehen lassen. Auch Emil nicht, der als stummer Mitläufer eingestuft werden kann.

Die Verhaltensweisen der Menschen – wie das Leugnen und die Blindheit anderen gegenüber – ist gut eingefangen. Die eigenen Erlebnisse werden in den Vordergrund gestellt und als besonders schlimm empfunden.

Nöte und Ängste sind Alltag

Piotr ist zwar nur ein Nebencharakter, aber dennoch bleibt er im Gedächtnis, weil ihn ein besonders hartes Schicksal trifft. Er ist weder in Deutschland noch in seiner alten Heimat willkommen, aus der er von den Deutschen verschleppt wurde. Nun hat er keine Papiere und gehört zu einer Art Schattengesellschaft, mit der auch die amerikanischen Befreier nicht wirklich etwas anfangen können.

Die Geschichte wird gut in die Handlung eingebunden, so dass man viel über die Zeit erfährt, ohne dass es belehrend oder schulbuchhaft klingt. Das hätte noch ausführlicher sein können, um dem Roman mehr Tiefe zu verleihen, aber es zeigt auch auf, wie schwierig es für die Menschen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war.

Jeder hat ein Geheimnis, das er vor den anderen verbergen möchte; auch Emil Graf. Dieses wird am Ende kurz beleuchtet, so dass es ein Anreiz ist, den hoffentlich bald erscheinenden zweiten Band zu lesen.

Fazit

Heidi Rehn hat einen spannenden Kriminalroman geschrieben, der sich sowohl durch detailreiche Beschreibungen des zerstörten Münchens auszeichnet als auch durch die verschiedensten auftretenden Charaktere. Einzig die Auflösung des Falls ist ein wenig unbefriedigend, hier hätte man sich gern etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Dennoch ist die Vorfreude auf den zweiten Teil geweckt.

Das doppelte Gesicht

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Letzte Kommentare:
24.01.2021 16:00:39
PMelittaM

München, August 1945: Als die Journalistin Billa Löwenfeld Viktor von Dietlitz interviewen möchte, findet sie ihn tot vor, erschossen. Der Neuling in der Mordkommission, Emil Graf, soll in dem Fall ermitteln, und hat es bald mit zwei weitere Todesfällen zu tun, alle drei Männer wurden unter ähnlichen Umständen ermordet, offenbar von einem Serientäter.

Deutschland, kurz nach dem 2. Weltkrieg – die Menschen hatten es nicht leicht, zum einen lag auf ihnen der Schatten des nationalsozialistischen Regimes, zum anderen galt es Land und Leben wieder aufzubauen. Beide Protagonisten haben in dieser Beziehung ihr eigenes Päckchen zu tragen, Billa, die als Jüdin Deutschland sieben Jahre zuvor in Richtung USA verlassen hatte, und nun mit den Streitkräften zurückkehrt, Emil, der mit seinen Erlebnissen im Krieg hadert und familiäre Beziehungen zu Systemtreuen hat, und nun im Zuge des Wiederaufbaus der Müncchner Kriminalpolizei durch die US-Sicherheitskräfte, einen Job hat, den er noch nicht ganz ausfüllen kann, aber sein möglichstes geben möchte.

Als Leser ist man ganz schnell mitten in der Geschichte angelangt. Die Autorin erzählt atmosphärisch und bildhaft, man kann mit den, gut gezeichneten, Charakteren mitfühlen (auch wenn mir die beiden Protagonisten ein bisschen zu oft erröten), und hat schnell eigene Spuren im Kriminalfall aufgenommen.

Heidi Rehn greift einige für die Zeit spezielle Themen auf, so das der „displaced persons“, u. a. sind dies die Zwangarbeiter, die nun in ihre Länder zurück sollen, was aber nicht in jedem Fall einfach oder überhaupt gewollt ist. Einer dieser Personen, Pjotr, hat seine eigene Rolle in der Geschichte. Dieses Thema, muss ich sagen, war mir in dieser Problematik gar nicht bewusst, umso wichtiger, dass es erwähnt wird. Insgesamt ist mit der Krimihandlung viel historischer und auch persönlicher Background verwoben, was mir sehr gut gefällt.

Die Auflösung, auch das muss ich sagen, hat mich nicht ganz zufriedengestellt, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, hier hätte mir vielleicht ein Rückblick geholfen, der eine bestimmte Motivation, die letztlich ausschlaggebend war, näher beleuchtet – ich muss hier ein bisschen drumherumschreiben, um nicht zu spoilern. Es ist nicht die Motivation des Täters, die ich nicht nachvollziehen kann, sondern die, die überhaupt zu der Situation geführt hat, dass der Täter zum Täter wird. Jedenfalls bin ich mit dieser Auflösung wenig zufrieden.

Dennoch habe ich den Roman gerne gelesen und freue mich, dass es der Auftakt einer Reihe ist und es mehr von Emil und hoffentlich auch Billa geben wird. Ich bin gespannt auf die weiteren Fälle.

Der Roman, der in der Zeit kurz nach Kriegsende spielt, bietet eine Menge historischen Background und zwei Protagonisten, die man gerne wiedertreffen möchte, was auch möglich sein wird, da es sich um den ersten Band einer neuen Reihe handelt. Leider hat mich die Auflösung nicht so überzeugen können, Eine Leseempfehlung für Fans historischer Kriminalromane spreche ich aber uneingeschränkt aus. 80°

15.12.2020 15:40:10
Internetmaus

München, 3 Monate nach Kriegsende im August 1945. Die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen hungern und frieren. Viele haben ihre Bleibe und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die amerikanischen Besatzer haben die Aufgabe für Recht und Ordnung zu sorgen.

Billa Löwenfeld, eine Jüdin, war mit ihrer Mutter vor 6 Jahren nach Amerika ausgewandert, hat dort die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen und kommt als Fotoreporterin in ihre Heimatstadt zurück. Durch Zufall wird sie in Mordfälle verwickelt.

Die Polizei wird gerade neu aufgebaut. Emil Graf, ein junger Kriegsheimkehrer ohne Nazivergangenheit, wird zum Ermittler berufen. Sein Vorgesetzter, der Captain, Joe Simon hat ihn in einem Gefangenenlager kennengelernt. Kaum hat er seinen Dienst angetreten wird er mit seinem ersten Mordfall konfrontiert. Noch am gleichen Tag geschahen zwei weitere Morde. Die Toten haben einige Gemeinsamkeiten. Sie sind in ihre Wohnungen zurückgekehrt und es ist nichts geplündert oder zerstört. Alle sind gut situiert, alleinstehend und im besten Mannesalter. In vorderster Front haben sie alle nicht gekämpft.

Die beiden Protagonisten Billa und Emil gefallen mir gut. Sie werden uns sicher noch durch die folgenden Bände dieser Pentalogie begleiten.

Der Erzählstil ist leicht und locker. Die Handlung sehr spannend aufgebaut.

Dieses Buch verbindet Historie und Krimi miteinander. Uns ist sehr gut recherchiert. Wir erfahren viel vom Leid der Menschen, die hart vom Krieg betroffen sind. Aber es ihnen auch klar, wenn auch oft widerwillig, dass sie den Krieg begannen.

Gern empfehle ich diesen historischen Kriminalroman weiter, der von mir 5 Sterne erhält.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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