Das Unrecht der Väter

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung:

65

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

4 x 91-100
1 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
1 x 1-10
B:80.714285714286
V:7
W:{"1":0,"2":0,"3":1,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":1,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":3}
Birgit Stöckel
Auftakt einer mehrbändigen Familiengeschichte

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Feb 2021

Das „Unrecht der Väter“ ist der Auftakt einer neuen Familien-Saga aus der Feder von Ellin Carsta, die sich bereits mit ihren Reihen um die „heimliche Heilerin“ Madlen sowie die Hamburger Familie Hansen eine große Fangemeinde erschrieben hat. Die aktuelle Familiengeschichte beginnt 1936, also zu einer Zeit, in der ein erneuter Krieg für die meisten noch unvorstellbar war, Hitler aber mehr und mehr begann, Deutschland nach seinen Vorstellungen zu formen.

Im Mittelpunkt stehen Paul-Friedrich von Falkenbach sowie die Brüder Wilhelm und Heinrich Lehmann samt ihren Familien. Die drei Familienoberhäupter waren zusammen im ersten Weltkrieg und bilden seitdem eine verschworene Gemeinschaft. Die Brüder haben sogar ihre Firmensitze auf das Falkenbachsche Gut in dem kleinen Ort Bernried am Starnberger See verlegt. Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Firmeneröffnungen gibt es ein großes Familienessen, das von der Ankunft einer jungen Frau unterbrochen wird. Eva Behrend ist die Tochter eines gefallenen Kriegskameraden von den Lehmann-Brüdern und von Falkenbachs und stellt Fragen nach den genauen Umständen des Todes ihres Vaters. Etwas, das den drei Freunden überhaupt nicht behagt…

Während des Lesens wird rasch klar, dass die Geschichte tatsächlich auf mehrere Bände ausgelegt ist. Drei Familienoberhäupter, eine Tochter, drei Söhne, drei Schwiegertöchter und die Tochter eines toten Kriegskameraden - und alle dürfen zu Wort kommen und aus ihrer Sicht erzählen. Da ist es logisch, dass die Geschichte nicht in einem Buch mit 340 Seiten auserzählt sein kann. Das hat Vor- und Nachteile.

Vorteilhaft ist, dass so viele verschiedene Handlungsstränge angelegt werden können, die alle interessant sind. Da ist Gustav von Falkenbach, der sich schwer damit tut, nach Abschluss seines Medizinstudiums zurück auf das väterliche Gut zu kehren und lieber in Berlin bleiben würde. Seine Frau Clara, die es kaum erwarten kann, der Stadt den Rücken zu kehren und an den Starnberger See zu ziehen, da sie ein ganz eigenes Geheimnis mit sich trägt. Wilhelmine von Falkenbach, Gustavs Schwester, die als junge Frau versucht, sich ihren eigenen Weg zu erkämpfen - sehr zum Verdruss ihres Vaters. Da ist Irma Lehmann, gefangen in einer unglücklichen Ehe, die sich langsam zu emanzipieren lernt. Und natürlich Eva Behrend, die immer etwas undurchsichtig bleibt und bei der auch die Lesenden nicht genau wissen, woran sie mit ihr sind.

Vorteilhaft ist auch, dass Carsta anhand ihrer Figuren die ganze Bandbreite an Reaktionen auf die politischen Entwicklungen und die Einstellungen gegenüber der NDSAP zeigen kann. Da ist alles dabei: Von Parteieintritten, da diese Vorteile versprechen, über Zweifel, Beunruhigung, Hilflosigkeit, Verleugnen bis hin zu immer lauter werdender Gegenrede. Das ist wirklich gelungen. Die Figuren sind keine strahlenden Helden, die für den Widerstand prädestiniert sind, sondern ganz normale Leute, die sich für Politik nur mäßig interessieren und die von ihr auch kaum direkt betroffen sind - und die darum eben oft auch so verhalten reagieren.

Nachteilig ist allerdings, dass vieles oberflächlich wirkt. Man kann nicht so richtig in die Geschichte eintauchen, da man das Gefühl hat, dass vieles zu langsam aufgebaut wird und es nicht richtig vorangehen will. Das betrifft übrigens auch das Geheimnis, das die drei Familienoberhäupter so krampfhaft geheim halten wollen und das auch nicht aufgelöst wird. Zudem bleiben einem auch die Figuren merkwürdig fremd, da sie alle nicht genügend Raum bekommen, damit man sie tiefergehend kennenlernt. So bleibt man als Lesende ein stiller Beobachter und lebt nicht mit den Figuren mit.

Die Sprache ist angenehm und die Geschichte lässt sich flüssig und leicht lesen. Mit Ausnahme der Dialoge, denn diese wirken oft sehr hölzern und ungelenk. Als ob die Figuren nicht wüssten, was sie sagen sollen oder als ob sie einander schlicht und ergreifend gar nichts zu sagen hätten, wenn sie nicht müssten. Ein echter Minuspunkt, da es den Lesefluss sehr unruhig gestaltet.

Fazit

„Das Unrecht der Väter“ ist ein über weite Teile interessanter Auftakt einer mehrbändigen Familiengeschichte, in dem eine Vielzahl von Personen zu Worte kommt, was die Geschichte interessant macht. Allerdings bleibt vieles oberflächlich, die Personen fremd und sämtliche angelegte Konflikte werden wohl erst im Verlauf der nächsten Bände aufgelöst werden. Somit bietet „Das Unrecht der Väter“ leider keinen wirklich uneingeschränkten Lesegenuss.

Das Unrecht der Väter

Das Unrecht der Väter

Deine Meinung zu »Das Unrecht der Väter«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
03.01.2021 14:09:14
lielo99

Das Buch beginnt im Jahr 1936 und beschreibt die Erfolgsgeschichte von drei Männern, die sich im Ersten Weltkrieg kennenlernten. Sie sind erfolgreich und das auch, weil sie ihre Firmensitze sehr nah nebeneinander legten. Doch das Glück wird getrübt als plötzlich und ohne Vorwarnung die Tochter eines Kameraden diese Idylle stört. Was geschah tatsächlich in der Vergangenheit und kann dieses Ereignis den Erfolg der drei Freunde schmälern?



„Das Unrecht der Väter“ ist der erste Band einer Saga. Hier geht es um die Geschichte der Falkenbachs, die in der Nähe des Starnberger Sees leben und arbeiten. Nein, eine Saga zählt normalerweise nicht zu meinen bevorzugten Büchern, aber hier mache ich eine Ausnahme. Dafür gibt es zwei Gründe. Die Geschichte ist so fesselnd, dass ich sie innerhalb eines Tages lag und der Folgeband lässt nicht lange auf sich warten.



Ellin Carsta schrieb bereits viele Bücher und dieses gefällt mir bisher am besten. Es sind drei Familien, die hier eine Rolle spielen und zu keinem Zeitpunkt empfand ich den Wechsel der Schauplätze übertrieben oder gar anstrengend. Die Dialoge sind erfrischend echt dargestellt und auch die Situation vor dem Zweiten Weltkrieg sehr gut wiedergegeben. Was haben Menschen jüdischen Glaubens mitmachen müssen und wie oft wurden sie grundlos für Taten bestraft, die sie nie begingen. Und dann das strenge Regiment von Vätern und/oder Ehemännern. Ja, das gab es in den 1930 Jahren auch noch und die Autorin hat auch diese Fakten perfekt in ihren Roman eingebettet.

09.12.2020 16:34:02
leseratte1310

Paul-Friedrich von Falkenbach und die Brüder Heinrich und Wilhelm Lehmann waren zusammen im Ersten Weltkrieg. Sie haben ihre Unternehmen zusammengelegt und sind sehr erfolgreich mit ihren gemeinsamen Geschäften. Doch Gustav von Falkenbach möchte nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, er hat andere Vorstellungen von seiner Zukunft. Auch seine Schwester Wilhelmine möchte ihren eigenen Weg gehen. Aber die Nazis werden immer stärker und haben auch im Umfeld der Familien Einfluss. Als Erna Behrend, die Tochter eines Kriegskameraden, beim Firmenjubiläum auftaucht und unangenehme Fragen stellt, sorgt das für Aufregung.
Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen (ganz gleich unter welchem Namen sie veröffentlicht hat) und auch dieser Auftakt einer Neuen Reihe hat mich wieder gepackt. Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen.
Es sind eine ganze Reihe Personen im Spiel. Die Charaktere sind gut und authentisch beschrieben. Nicht alle sind sympathisch. Die Kriegskameraden haben ein Geheimnis, das sie zusammenschweißt und das nicht ans Tageslicht soll, denn sie befürchten, dass die Familien zerbrechen würden. Aber Erna möchte mehr über ihren Vater wissen. Die Väter gehen davon aus, dass ihre Kinder den vorgesehen Weg beschreiten, doch Gustav will Mediziner werden und Wilhelmine ist politisch interessiert und sehr kämpferisch. Friedrich Lehmann mit seiner künstlerischen Begabung ist in der Firma nicht zufrieden. Der ehrgeizige Leopold macht sich unbeliebt, als er Irma umgarnt.
Die politischen Verhältnisse sind schwierig, der Antisemitismus greift immer mehr um sich und die Nazis werden stärker und fordernder.
Ich war sehr gespannt, welches Geheimnis da gehütet wird, doch das ist bis zum Ende verborgen geblieben. Umso gespannter bin ich, wie es mit der Falkenbach-Sage weitergeht.
Mir hat das Buch gut gefallen.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren