Das Unrecht der Väter

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung:

65
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Birgit Stöckel
Auftakt einer mehrbändigen Familiengeschichte

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Feb 2021

Das „Unrecht der Väter“ ist der Auftakt einer neuen Familien-Saga aus der Feder von Ellin Carsta, die sich bereits mit ihren Reihen um die „heimliche Heilerin“ Madlen sowie die Hamburger Familie Hansen eine große Fangemeinde erschrieben hat. Die aktuelle Familiengeschichte beginnt 1936, also zu einer Zeit, in der ein erneuter Krieg für die meisten noch unvorstellbar war, Hitler aber mehr und mehr begann, Deutschland nach seinen Vorstellungen zu formen.

Im Mittelpunkt stehen Paul-Friedrich von Falkenbach sowie die Brüder Wilhelm und Heinrich Lehmann samt ihren Familien. Die drei Familienoberhäupter waren zusammen im ersten Weltkrieg und bilden seitdem eine verschworene Gemeinschaft. Die Brüder haben sogar ihre Firmensitze auf das Falkenbachsche Gut in dem kleinen Ort Bernried am Starnberger See verlegt. Anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Firmeneröffnungen gibt es ein großes Familienessen, das von der Ankunft einer jungen Frau unterbrochen wird. Eva Behrend ist die Tochter eines gefallenen Kriegskameraden von den Lehmann-Brüdern und von Falkenbachs und stellt Fragen nach den genauen Umständen des Todes ihres Vaters. Etwas, das den drei Freunden überhaupt nicht behagt…

Während des Lesens wird rasch klar, dass die Geschichte tatsächlich auf mehrere Bände ausgelegt ist. Drei Familienoberhäupter, eine Tochter, drei Söhne, drei Schwiegertöchter und die Tochter eines toten Kriegskameraden - und alle dürfen zu Wort kommen und aus ihrer Sicht erzählen. Da ist es logisch, dass die Geschichte nicht in einem Buch mit 340 Seiten auserzählt sein kann. Das hat Vor- und Nachteile.

Vorteilhaft ist, dass so viele verschiedene Handlungsstränge angelegt werden können, die alle interessant sind. Da ist Gustav von Falkenbach, der sich schwer damit tut, nach Abschluss seines Medizinstudiums zurück auf das väterliche Gut zu kehren und lieber in Berlin bleiben würde. Seine Frau Clara, die es kaum erwarten kann, der Stadt den Rücken zu kehren und an den Starnberger See zu ziehen, da sie ein ganz eigenes Geheimnis mit sich trägt. Wilhelmine von Falkenbach, Gustavs Schwester, die als junge Frau versucht, sich ihren eigenen Weg zu erkämpfen - sehr zum Verdruss ihres Vaters. Da ist Irma Lehmann, gefangen in einer unglücklichen Ehe, die sich langsam zu emanzipieren lernt. Und natürlich Eva Behrend, die immer etwas undurchsichtig bleibt und bei der auch die Lesenden nicht genau wissen, woran sie mit ihr sind.

Vorteilhaft ist auch, dass Carsta anhand ihrer Figuren die ganze Bandbreite an Reaktionen auf die politischen Entwicklungen und die Einstellungen gegenüber der NDSAP zeigen kann. Da ist alles dabei: Von Parteieintritten, da diese Vorteile versprechen, über Zweifel, Beunruhigung, Hilflosigkeit, Verleugnen bis hin zu immer lauter werdender Gegenrede. Das ist wirklich gelungen. Die Figuren sind keine strahlenden Helden, die für den Widerstand prädestiniert sind, sondern ganz normale Leute, die sich für Politik nur mäßig interessieren und die von ihr auch kaum direkt betroffen sind - und die darum eben oft auch so verhalten reagieren.

Nachteilig ist allerdings, dass vieles oberflächlich wirkt. Man kann nicht so richtig in die Geschichte eintauchen, da man das Gefühl hat, dass vieles zu langsam aufgebaut wird und es nicht richtig vorangehen will. Das betrifft übrigens auch das Geheimnis, das die drei Familienoberhäupter so krampfhaft geheim halten wollen und das auch nicht aufgelöst wird. Zudem bleiben einem auch die Figuren merkwürdig fremd, da sie alle nicht genügend Raum bekommen, damit man sie tiefergehend kennenlernt. So bleibt man als Lesende ein stiller Beobachter und lebt nicht mit den Figuren mit.

Die Sprache ist angenehm und die Geschichte lässt sich flüssig und leicht lesen. Mit Ausnahme der Dialoge, denn diese wirken oft sehr hölzern und ungelenk. Als ob die Figuren nicht wüssten, was sie sagen sollen oder als ob sie einander schlicht und ergreifend gar nichts zu sagen hätten, wenn sie nicht müssten. Ein echter Minuspunkt, da es den Lesefluss sehr unruhig gestaltet.

Fazit

„Das Unrecht der Väter“ ist ein über weite Teile interessanter Auftakt einer mehrbändigen Familiengeschichte, in dem eine Vielzahl von Personen zu Worte kommt, was die Geschichte interessant macht. Allerdings bleibt vieles oberflächlich, die Personen fremd und sämtliche angelegte Konflikte werden wohl erst im Verlauf der nächsten Bände aufgelöst werden. Somit bietet „Das Unrecht der Väter“ leider keinen wirklich uneingeschränkten Lesegenuss.

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