Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele

Erschienen: November 2020

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68
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Carsten Jaehner
Von den Patienten geliebt, von der Inquisition verfolgt

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2021

Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, ist in Basel, wo er an der Universität Medizin studiert und mit Erlaubnis des Rektors sogar mit seinem Freund Caspar zusammen nachts Leichen aufschneiden darf, um diese zu studieren und um den Sitz der Seele zu finden. Das bedeutet für alle ein hohes Risiko, denn die katholische Kirche sollte möglichst davon keinen Wind mitbekommen. Doch schon bald wird ein neuer Bischof inthronisiert, und dieser hat bereits diese ketzerischen Nachforschungen untersagt. Theophrastus jedoch hat noch einen anderen Pfeil im Köcher, dem Sitz der Seele auf die Spur zu kommen: Ein Zauberer soll sie ihm mithilfe eines Amuletts der Göttin Astarte zeigen und ihm den Sitz der Seele offenbaren.

Während Paracelsus sich auf seinen höchst fragwürdigen Weg begibt, beobachten Caspar, beider Freundin Margret Göttisheim und ihr Bruder Laurencz, der bei der Bischofsgarde beschäftigt ist, das Treiben um den neuen Bischof. Dieser Philipp von Gundelsheim ist schon vor seinem Amtsantritt unbeliebt und regiert bereits vorab mit eiserner Hand. Ohne Gnade lässt er Ketzer köpfen oder ins Verließ sperren, um ihnen gerade auch reformatorisches Gedankengut auszutreiben und sich einen festen Sitz in der Stadt aufzubauen, von dem aus er seine Macht ausüben kann. Dass er hierfür über Leichen geht, geschieht natürlich im Namen des Herrn.

Auch Jacob Göttisheim, der Vater von Margret und Laurencz, gerät in Konflikt mit dem neuen Bischof. Die neue Bürgermeisterwahl steht an, und Gundelsheim will den neuen Bürgermeister zum Hasen nicht anerkennen, obwohl er das von Amts wegen nicht verweigern kann. Das macht ihn beim Baseler Volk nicht gerade beliebt, doch er hat immer noch seine Garde, um seine Position durchzusetzen. Ein Kampf der Baseler Bürger gegen ihren neuen Bischof scheint unausweichlich und vor allem, dass dieser blutig ausgehen wird, scheint sicher. Währenddessen wird Paracelsus der Ketzerei angeklagt, da unter seinem Bett unter anderem eine Figur von Astarte gefunden wurde. Obwohl er sich bereits als fähiger Mediziner bewiesen hat, ist es klüger, die Stadt vorerst zu verlassen. So macht er sich mit seinem Freund Simon auf Richtung Ferrara in Italien, wo er sein Studium beenden will. Doch es wird Winter, und kein normaler Mensch würde freiwillig den Pass über die Alpen nehmen, wenn es Winter ist. Doch Paracelsus ist auf der Flucht und scheut das Risiko nicht. Derweil spitzt sich in Basel der Konflikt weiter zu…

Umstrittene Methoden der Suche nach der Seele

Die Ärztin Eva-Isabel Schmid interessiert sich neben ihrem Beruf auch für Geschichte und hat dem Leben und Schaffen des Arztes Paracelsus nachgespürt, was sie in einer Dilogie niederschreibt. Der erste Teil des Romans trägt den Untertitel „Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“, und der Leser bekommt es schon früh im Roman mit Paracelsus‘ Ansichten gegenüber der Seele zu tun. Gemeinsam mit seinem Freund und Studienkollegen Caspar begibt er sich auf verbotene Pfade, geht dabei aber noch weiter als dieser. Glück für Paracelsus ist, dass er ein sehr guter Arzt ist und viele Menschen heilen kann, und auch als Geburtshelfer für schwere Fälle ist er eher geeignet als so manche Hebamme. Die Sequenzen, in denen Paracelsus mit fraglichen Mitteln nach der Seele sucht, sind recht fantastisch geraten, verraten dem Leser letztlich aber, warum er von der Inquisition gesucht wurde.

Spannende politische Sequenzen

Neben Paracelsus‘ Geschichte, der als Protagonist des Romans nicht sonderlich sympathisch daherkommt, ist vor allem das politische Geschehen in Basel spannend. Die Bürgermeisterwahl steht an und ebenso gibt es einen neuen Bischof, dem ein schrecklicher Ruf vorauseilt. Er ist deutlich der Bösewicht des Romans und schafft es sogar, dass sich seine eigenen Leute von ihm abwenden würden, wenn sie nicht unter Eid an ihn gebunden wären, wie beispielsweise Lorencz, der mit seinem Freund Heinz Dienst in der bischöflichen Garde versieht und daher auch immer gut informiert ist. Diese Teile des Romans sind spannend erzählt und man mag trotz einer gewissen Abscheu das Buch nicht weglegen.

Sprachlich Luft nach oben

Was allerdings im ganzen Buch auffällig ist, ist der Sprachstil der Autorin. Die wörtliche Rede ist der Zeit angemessen, wenn man von gelegentlich Ausdrücke absieht, die es wohl in dieser Zeit noch nicht gegeben hat, Redewendungen oder Worte wie „Intérieur“, die wohl in einer Baseler Bürgerschaft im 16. Jahrhundert nicht bekannt gewesen sein dürften. Der Brauch, ein paar Zweige an Weihnachten mit ein paar Äpfeln und weiteren Früchten zu schmücken, dürfte zumindest fraglich sein. Interessanterweise wird nicht ein einziges Mal erwähnt, in welchem Jahr der Roman eigentlich spielt, und man fragt sich, warum nicht, würde eine kurze Erwähnung doch helfen, die Handlung einzuordnen und direkt eine passende Bildlandschaft malen. (Die Eigenrecherche des Verfassers dieser Zeilen ergab das Jahr 1527…)

Die Autorin kann sich zwar recht gewählt ausdrücken, allerdings folgen immer wieder längere Sequenzen mit kurzen Sätzen, die nur aus einem oder zwei Worten bestehen. Das ist für das Lesen sehr anstrengend und führt zu einer ungewollten Hektik, die inhaltlich nicht immer angebracht ist. Auf der anderen Seite steht sich die Autorin mit manchen Formulierungen selbst im Weg. Hier ist für den geplanten zweiten Teil noch Luft nach oben, zumal man aus seinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt fast nichts erfährt.

Insgesamt umspannt der Roman aus dem Hause Piper mit seinen knapp 440 Seiten ungefähr ein Jahr, das vielleicht für die Entwicklung Paracelsus‘ entscheidend ist, aber doch eigentlich nicht sehr weit reicht. Ein kurzes Dankeswort am Ende des Buches ist die einzige Zugabe. Gerne hätte man in einem Nachwort mehr über die Zeit und den Wahrheitsgehalt der Geschehnisse in Basel erfahren, auch ein Personenverzeichnis mit einer Unterscheidung von wahren und fiktiven Charakteren wäre eine nützliche Zugabe gewesen.

Fazit:

„Paracelsus – Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ ist der erste Teil einer Dilogie über den bekannten Arzt, der größtenteils in Basel in den Anfängen des 16. Jahrhunderts spielt. Neben seiner Obsession für die Seele des Menschen und die Göttin Astarte spielen auch seine medizinischen Fähigkeiten eine zunehmend größere Rolle. Zudem wird ein spannendes Bild Basels auf politischer und kirchlicher Ebene gezeichnet. Allerdings lässt der Sprachstil der Autorin noch Raum für Entwicklung. Eine Steigerung im angekündigten zweiten Teil wäre wünschenswert.

Paracelsus - Auf der Suche nach der unsterblichen Seele

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