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Alexandra Hopf
Spannende Zeitreise auf das historische Oktoberfest

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Sep 2020

Colina Kandl fristet ihr Dasein als Biermadel beim Lochner Wirt. Die Mädchen bekommen kein Festgehalt. Sie leben nur von den Trinkgeldern und von den paar Pfenningen die sie sich im Schuppen nebenan im Stroh für Gefälligkeiten bei männlichen Kunden verdienen. Doch Colina hat das alles satt und beschließt ihr Leben zu verändern. Mit List, Tücke und einer gehörigen Portion Unverschämtheit gelingt es ihr als Gouvernante im Haus des fränkischen Bierbrauers Curt Prank, der eben nach München zugezogen ist, unterzukommen.

Ihr Schützling, die neunzehnjährige Clara, hat rasch durchschaut, dass Colina vom feinen Leben wenig Ahnung hat und begegnet ihrer Aufpasserin arrogant und mit herablassendem Spott. Clara zwingt Colina sie mit auf den Kocherlball zu nehmen. Eine Tanzveranstaltung für Hausangestellte im Englischen Garten. Doch der Ausflug bleibt nicht ohne Folgen. Die Hochzeit mit dem Münchner Brauer Anatol Stifter, die Curt Prank für seine Tochter arrangiert hat und ihm geschäftliche Vorteile bringt, gerät in Gefahr. Und bereits nach wenigen Wochen wird Colina von Curt Prank davongejagt. Um Geld für sich und ihren Sohn Max zu verdienen, muss sie wieder zu Lochner zurückkehren und in dessen Bierbude auf dem Oktoberfest als Biermadel arbeiten. Die "Wiesn" ist dieses Jahr von vielen Ereignissen überschattet. So werden Schanklizenzen erschlichen und eine einzigartige Bierburg bedroht das Dasein der kleinen Bierbuden. Zu all dem Wirbel geschieht sogar ein Mord. Es gibt also viel zu tun für den alternden Inspektor Eder und dessen baldigen Amtsnachfolger Aulehner. Und auch für die beiden ungleichen Frauen Colina und Clara beginnt mit dem Oktoberfest ein turbulentes Leben.

Machtkämpfe und Intrigen unter den Brauern

Petra Grill beschreibt in ihrem Roman "Oktoberfest 1900" eindrucksvoll wie dieses große Volksfest damals ausgesehen hat. Dabei bezieht sie sich auf viele wahre Begebenheiten. In der Tat bestand das Fest auf der Theresienwiese früher aus vielen kleinen Holzbuden, in denen die Münchner Wirte ihr Bier ausgeschenkt haben. Dafür benötigten sie von der Stadt München eine Schanklizenz. 1898 erschlich sich ein Nürnberger Brauer über Strohmänner einige Lizenzen und baute erstmals eine große Bierburg über mehrere kleine Stellplätze. In diesem monströsen Konstrukt fanden tausende Menschen Platz und zur Unterhaltung spielten darin Kapellen. Diese wahre Begebenheit spielt eine zentrale Rolle im Roman und war gleichzeitig Grundstein dafür, wie sich das Fest von nun an verändern sollte.

Beklemmender Einblick in die Frauenrolle um 1900

Petra Grill gelingt es, dem Leser sehr facettenreich einen Einblick in das damals vorherrschende Bild der Frau zu geben. Die armen Biermadeln standen im Prinzip auf einer Stufe mit den Prostituierten, die sich auf der Straße verkaufen mussten. Denn ihre einzige Chance, einigermaßen an Geld zu kommen, war eben selbst verschiedene Gefälligkeiten und Dienstleistungen an Männer zu verkaufen. Dies kam noch zu dem Bierkrüge schleppen dazu und diese körperlich schwere Arbeit mussten sie am Tag bis zu fünfzehn Stunden leisten. Diesen Erniedrigungen entgingen Mädchen wie Clara Prank zwar, waren aber auch komplett ohne Rechte und hatten zu gehorchen was ihr Vater und später ihr Ehemann für sie beschloss. Heutzutage kann man sich das gar nicht vorstellen, als Frau völlig ohne Rechte zu sein und alles hinnehmen zu müssen. Selbst Misshandlungen und Erniedrigungen durch den eigenen Ehemann waren damals legitim.

Besondere Authentizität, dass sich das Geschehen wirklich in München zuträgt, vermittelt uns Petra Grill dadurch, dass immer wieder im Verlauf bayrischer Dialekt von den Protagonisten gesprochen wird. Das Wort Bierkrug wird eher selten verwendet, vielmehr das früher dafür gebräuchliche Wort "Keferloher".

Authentische Charaktere lebendig gezeichnet

Insgesamt gibt es eine Vielzahl mitwirkender Personen und man muss aufmerksam bleiben um den Überblick nicht zu verlieren. Die beiden weiblichen Hauptcharaktere könnten unterschiedlicher nicht sein, aber beide sind sehr überzeugend dargestellt.

Colina Kandl hat kein leichtes Los. Aber mit beispiellosem Ehrgeiz gelingt es ihr immer wieder aus den verschiedensten Situationen das Beste zu machen. Besonders herzerfrischend ist manchmal ihre "Ausgebufftheit" und mit welchen Finessen sie an das gesetzte Ziel kommt. Trotz allem hat sie ihr Herz am rechten Fleck und diese Gutmütigkeit, die man des Öfteren erkennen kann, macht sie so liebenswert.

Absolut gegensätzlich dazu ist Clara. Anfangs wirkt die arrogante hochnäsige Tochter aus wohlhabenden Kreisen unsympathisch. Sie macht dann eine bemerkenswerte Entwicklung im Laufe der Geschichte durch und am Ende hat auch sie, durch ihr Handeln der Freundin gegenüber, Respekt verdient.

Die männlichen Hauptprotagonisten sind zum einen durch die Polizei vertreten. Der etwas kauzig wirkende Inspektor Eder, der aber trotzdem immer den vollen Durchblick hat und alle Zusammenhänge schnell durchschaut. Sein Nachfolger der junge Lorenz Aulehner hat selbst einige Probleme mit sich und seiner Umwelt. So blickt er auf eine nicht lupenreine Vergangenheit zurück, die ihm manchmal im Weg steht. Gerade diese Ecken und Kanten machen ihn so menschlich und überaus sympathisch.

Der fränkische Bierbrauer Prank bleibt lange Zeit undurchschaubar. Er ist zwar erfolgreich, ehrgeizig und liebt seine Tochter sicher sehr, aber andererseits sieht man auch, dass mit ihm nicht zu spaßen ist und er bereit ist vieles zu tun um seine hochgesteckten Ziele zu verfolgen und zu erreichen.

Krimipotential garantiert Spannung

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Colina und dem Polizisten Aulehner erzählt. Der kurzweilige Schreibstil lässt die fast 500 Seiten der Geschichte flott vergehen. Nur an wenigen Stellen hat man das Gefühl, die jeweilige Passage könnte sich etwas in die Länge ziehen. Neben den vielen bereits erwähnten Informationen sorgen auch gewisse kriminalistische Elemente für die nötige Spannung. Neben all den Machtkämpfen und Intrigen geschieht sogar ein Mord. Dieser wird aber leider nur in einer Nebenhandlung erzählt. Neben den Hauptteilen des Romans werden überhaupt noch sehr viele Nebenstränge miteingebracht. Davon hätte man gut und gerne etwas weniger einbauen können. So zum Beispiel die Geschichte der Samoaner in der Völkerschau.

Der Roman ist im Fischer Krüger Verlag erschienen und diente gleichzeitig auch als Vorlage für eine mehrteilige Verfilmung.

Fazit:

Petra Grill entführt auf ein historisches Oktoberfest, welches sehr viel Wissenswertes und belegte Details vermittelt. Der Roman liefert beeindruckende Einblicke in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Schankmädchen der damaligen Zeit. Auch wenn dieses Dasein alles andere als rosig war, gibt es im Roman doch einige erheiternde Stellen, die den Leser Schmunzeln lassen. 

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis

Oktoberfest 1900 - Träume und Wagnis

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Letzte Kommentare:
27.09.2020 15:06:29
buecherwurm1310

München 1900: Curt Prank, ein Nürnberger Brauereibesitzer hat große Pläne. Er will mit seiner Bierburg auf der Wiesn alles andere in den Schatten stellen. Aber die Münchner haben ihre eigenen Regeln. Prank aber ist jedes Mittel recht, um seine Pläne zu verwirklichen. Daher will er seine Tochter Clara entsprechend verheiraten. Doch Clara will sich nicht unterordnen. Mit ihrer Gouvernante Colina bricht sie aus und es kommt zu einem Skandal. Aber die Frauen lassen sich nicht unterkriegen und kämpfen für ihr Glück.
Die Geschichte des Nürnberger Wirtes Georg Lang, der 1898 den ersten Bierpalast auf die Wiesn gestellt hat, diente als Vorlage für den ehrgeizigen Curt Prank. Fast zeitgleich wird diese Geschichte als Mehrteiler im Fernsehen ausgestrahlt.
Dieser Roman ist unterhaltsam und spannend zugleich. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und ist auch sehr packend.
Sie wollen alle das große Geschäft auf der Wiesn machen und daher wird mit harten Bandagen gekämpft, um seinen Platz zu behalten oder auf Kosten anderer zu ergattern. Es gibt politische Ränke, Korruption und Mord.
Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig ausgearbeitet. Dabei gibt es durchaus nicht nur Sympathieträger, dafür geht es zu rücksichtslos zu. Die Frauen haben in dieser Geschichte eine besondere Rolle. Sie sollen sich den Männern unterordnen, arbeiten oder Aushängeschild sein, aber sie sollen bloß keinen eigenen Willen haben. Doch sowohl das Schankmädchen Colina als auch Clara Prank haben ihren eigenen Kopf und sind starke Frauen. Colina ist mit ihrem kleinen Sohn vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet und muss nun sehen, wie sie durchkommt. Clara wollte aus der behüteten Umgebung ausbrechen und muss die Folgen tragen. Doch die beiden geben nicht auf.
Mir hat dieser historische Roman mit viel Lokalkolorit gut gefallen, denn die Geschichte ist emotional, spannend und unterhaltsam.

13.09.2020 11:04:52
MarySophie

Handlung:
München, 1900
Colina hat es satt, sich als Schankmädchen jeden Tag abzurackern und dafür kaum etwas zu verdienen. Unter anderem auch deshalb bewirbt sie sich als Gouvernante für Clara, Tochter des Brauereimagnaten Prank, der mit Macht und Einfluss dem Oktoberfest eine neue Richtung geben will. Und dafür sind ihm viele Mittel recht. Auch bei einer Hochzeit seiner Tochter möchte er Nutzen für sich und seine Ziele ziehen können, doch diese Rechnung hat Prank ohne seine Tochter gemacht. Clara möchte eigene Entscheidungen treffen und sieht schließlich nur noch einen Ausweg: sie will von zu Hause fliehen. Colina rät ihr davon ab, doch manche Skandale sind bereits ins Rollen gekommen. Und währenddessen entfacht in Colina eine Idee, die gewagt ist, aber vielen Frauen eine Chance auf ein besseres Leben bietet...

Meinung:
Ich mag das Cover gerne. Es passt nicht nur perfekt zur Handlung, sondern hat auch den Charme der früheren Oktoberfeste eingefangen. Es herrschen leichte Farben vor, die locker und einladend wirken, den Betrachter dazu animieren, das Buch in die Hand zu nehmen. Im Vordergrund sind zwei Damen zu sehen, die edel und schick gekleidet sind und sich in einer aufrechten und stolzen Haltung bewegen. Im Hintergrund befindet sich, leicht verblasst, ein Platz, mit dem ich das Oktoberfest assoziiere. So ergibt sich ein stimmiges und schönes Gesamtbild, welches mir gut gefällt und mir in einer Buchhandlung definitiv auffallen würde.

Ich hatte bereits davon gelesen, dass ab Mitte September eine Serie bei ARD ausgestrahlt wird, die sich um das Oktoberfest im Jahre 1900 dreht. Im selben Artikel wurde auch erwähnt, dass es einen Roman dazu geben wird, aber diesen hatte ich gar nicht so recht auf den Schirm und mich für den Moment nicht weiter damit befasst. Bis ich bei Lovelybooks eine Leserunde zu dem Buch gesehen habe. Mein Interesse wurde direkt angefacht und ich wollte unbedingt an der Runde teilnehmen. Und glücklicherweise gehöre ich tatsächlich zu den Gewinnern und durfte mich über ein Exemplar des Romans freuen! An dieser Stelle nicht nur ein herzliches Dankeschön für das Buch, sondern auch für äußerst informative und unterhaltsame Leserunde mit allerlei Hintergrundinformationen!

Jedem Kapitel vorangestellt sind kleine Überschriften, die die folgenden Ereignisse kurz und prägnant zusammenfassen, aber nichts von der Handlung preisgeben. Mal bestehen sie aus einem Wort, mal aus einer Wortgruppe und sie schüren Interesse. Man kann vor dem lesen teilweise ein wenig spekulieren, was mit der Überschrift gemeint ist und um was sich die folgenden Geschehnisse drehen könnten!

Ich fand den Einstieg in den Roman etwas plötzlich, man ist direkt mitten im Geschehen und erst danach lernt man die Protagonisten besser kennen. So wird direkt die Spannung und das Interesse geschürt und man will natürlich wissen, wie sich die Szene auflösen wird.
Ich mochte den kurzweiligen Charakter, der dem Schreibstil zugrunde liegt. Es gibt eine lockere Erzählung der Ereignisse und es wird sich nie zu lange mit einem Sachverhalt aufgehalten. Auf diese Weise, aber auch durch die Aufspaltung auf verschiedene Erzählperspektiven, können keine Längen entstehen und man erhält als Leser trotzdem immer ausreichende Informationen, um der Handlung ohne Probleme folgen zu können.
Der Schreibstil ist angenehm lebendig und teilweise bildhaft, was eine schöne Grundlage bietet. Es gibt wunderbare Beschreibungen von Gegenden, ich konnte mir besonders die verschiedenen Settings richtig gut vorstellen und hatte bei den Beschreibungen dessen die meisten Bilder vor Augen. In viele Dialoge wird ein Hauch des bayrischen Dialekts eingefügt, sodass die Aussagen noch mehr Authentizität bekommen und es wird hier natürlich auf den Handlungsort, München, Bezug genommen. Ich finde das Maß, in dem die Mundart eingefügt wurde gut, sie kommt nicht zu häufig, aber auch nicht zu selten vor. Ich hatte absolut keine Probleme, den Sinn der Aussagen zu verstehen, sondern empfand die Aussagen mit bayrischem Dialekt als leicht verständlich. Und mein Lesefluss wurde davon natürlich auch nicht gestört!
Nicht nur der Dialekt taucht immer mal wieder auf, sondern auch andere Begriffe, die vor allem im Süden des Landes bekannt sind. Viele davon waren mir unbekannt, doch der Sinn von ihnen ließ sich entweder durch weitere Aussagen verstehen oder ich hatte mir Hilfestellungen im Internet gesucht. Trotzdem stellten sie für mich kein Problem dar und diese Einbindungen geben dem Roman viel Lebendigkeit.

Ich hatte ja erwähnt, dass es mehrere Erzählperspektiven gibt. Allen voran gibt es die von Colina Kandl, früheres Schankmädchen, später als Gouvernante bei Prank angestellt. Und dann gibt es noch die Perspektive von den beiden Gendarmen Eder und Aulehner, die sich mit polizeilichen und rechtlichen Fragen herumschlagen und mysteriöse Ereignisse aufklären müssen. Ich mag es, wie sich die beiden Stränge immer wieder mal treffen und sich irgendwann sogar leicht miteinander verbinden. So wird die Handlung immer runder und man merkt, wie gut durchdacht die Geschichte ist.
Anhand von Colina lernt man sowohl das einfache Leben mit wenigen finanziellen Mitteln kennen, als auch das feinere Leben als Gouvernante in einem großen Haus. Man begleitet sie zusammen mit ihrem Schützling Clara auf einen festlichen Anlass und bekommt so einen Blick auf die gehobene Gesellschaft mit ihren Eigenarten und Umgangsformen. Durch ihr vorheriges Dasein, aber auch anhand von Erinnerungen Colinas, gibt es viele Details über das einfache Leben als Schankmädchen, die Vorurteile, den Lohn und die allgemeine Arbeitssituation. Man lernt vieles über Arbeitsregeln und über die Missstände im Brauerei- und Kneipenwesen. Anhand der Abschnitte der beiden Gendarme gibt es zahlreiche Informationen über Gesetze, aber auch über das Künstlerleben in Schwabing und über dubiose Menschen und Geschäfte.
Durch all diese Sichtweisen entsteht ein breites und umfangreiches Bild der Gesellschaft. Man lernt Abgründe und Zusammenhänge kennen und erhält Einblicke in verschiedene Lebensweisen, was mir sehr gut gefällt.

Wie ich vorhin kurz angesprochen habe, konnte ich mir besonders die verschiedenen Handlungsorte richtig gut vorstellen. Allen voran Lochners Kneipe, als auch die verschiedenen Bierzelte auf dem Oktoberfest, Pranks Haus oder Colinas kleine Wohnung. Anhand von wenigen, dafür umso bildreicheren Worten entstanden sehr lebendige und farbenreiche Szenen vor meinen Augen. Ganz besonders hat es mir gefallen, wie sich Colina in jedem möglichen Setting ganz natürlich bewegt hat, als würde sie schon immer dorthin gehören. Egal ob im prachtvollen Hause Pranks, in ihrer Wohnung oder in Lochners Kneipe: Colina wirkt einfach nie fehl am Patze, egal in welchem Milieu oder an welchem Ort sie sich gerade aufgehalten hat!

Je weiter der Roman fortgeschritten ist, desto mehr war es mir möglich, Stimmungen wahrzunehmen. Diese waren eigentlich schon vom Beginn an vorhanden, sind mir jedoch erst mit fortlaufender Handlung aufgefallen, weil sie immer stärker wurden. Dabei waren sowohl Freude, als auch Leid vertreten und häufig kann man mit den Protagonisten mitfühlen.

Auch historische Ereignisse wurden in den Roman eingebunden, diese traten vor allem im Zusammenhang mit drei großen Themen auf: Homosexualität, Menschenschauen und die Gewalt gegenüber Frauen. Diese Angelegenheiten werden immer wieder thematisiert und man erhält unterschiedliche Ansichten darauf. Und dabei lernt man nicht nur, was es für Auswirkungen beim einzelnen Menschen, sondern auch in der Gesellschaft gibt.
Und ein weiteres großes Thema ist natürlich das Bier, verbunden mit dem Brauen und dem Verkauf. Auch hierzu gibt es zahlreiche Informationen. Dies steht meist im besonderen Zusammenhang mit dem Oktoberfest. Man kann im Buch verfolgen, wie sich dieses Volksfest entwickelt hat und lernt auch ein wenig zu den Ursprüngen dessen.
Ich finde, dass die Themen geschickt und passend in die Handlung eingewoben wurden, sie haben den Roman nicht dominiert, wurden aber auch nie nur kurz angeschnitten. Man kann sich zu vielen Sachverhalten selbst ein Urteil bilden und man bekommt einen Eindruck, wie die Gesellschaft zu 1900 getickt hat.

Mir fehlt tatsächlich ein wenig ein Personenverzeichnis. Gerade am Anfang habe ich mich ein wenig schwer mit den ganzen Namen getan und musste alle Gedanken zusammennehmen, um der Handlung folgen zu können und mir die Personen zu merken. Ein Verzeichnis wäre wirklich angebracht und hätte mir gerade am Anfang geholfen.
Als ich dann alle Charaktere auf dem Radar hatte, gab es bei mir in dieser Hinsicht keine Probleme mehr. Sie hatten teilweise komplett unterschiedliche Wesen bekommen und ein jeder hat ein Detail erhalten, was ihn einzigartig macht.
Ich glaube, dass ich noch nie wirklich einen Roman gelesen habe, in dem die Personen so häufig mit dem Nachnamen angesprochen wurden. Ich fand dies sehr unterhaltsam und ich denke, es hat auch gut zu der Handlungszeit gepasst!
Bei vielen Protagonisten gibt es eine gute Entwicklung zu sehen, die man auch direkt mitverfolgen kann. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, weil ich nichts über den möglichen Fortgang spoilern möchte, aber ich glaube, dass ich länger keinen Roman mehr gelesen habe, der so genau verfolgbare Entwicklungen besitzt! Toll!

Bisher habe ich ja nur positive Aspekte angesprochen (bis auf das fehlende Personenverzeichnis), aber jetzt kommt auch noch ein kleiner Absatz, wo ich zwei negative Punkte ansprechen werde. Einmal fände ich ein Nachwort noch angebracht. Hätte ich nicht allerhand Informationen aus der Leserunde bei Lovelybooks bekommen, wären manche Sachverhalte für mich ein wenig im Dunklen geblieben.
Zum anderen fand ich es schade, dass manche Zusammenhänge nicht genauer genannt werden. Es gibt einige Andeutungen, bei denen nicht richtig in die Tiefe gegangen wird. Das hat mir ein wenig gefehlt.

Fazit:
So, ich habe allerhand geschrieben und ich denke, aus vielen Zeilen lässt sich herauslesen, dass mir das Buch sehr gut gefallen hat. Es beherbergt eine interessante Geschichte, gut ausgearbeitete Charaktere und viel Spannung. Bis auf den letzten kleinen Abschnitt meiner Rezension ist mir nichts weiter negativ aufgefallen und ich bin im Grunde zufrieden mit dem Buch. Ich freue mich jetzt nicht nur auf die Serie, die bald im Fernsehen ausgestrahlt wird, sondern hoffe ja auch, dass es zu diesem Buch eine Fortsetzung geben wird. Ich denke, es gibt genügend Punkte, die in einem zweiten Teil dargestellt werden könnten und ich würde nur zu gerne ein Wiedersehen mit Colina, Clara und Co. erleben!

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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