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Birgit Stöckel
Die Schrecken des Deutsch-Französischen Krieges

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Aug 2020

Der Beginn des Deutsch-Französische Krieges von 1870/71, der sich in vielerlei Hinsicht von vorangegangen militärischen Auseinandersetzungen unterschied und den Nährboden für die „Erbfeindschaft“ zwischen Franzosen und Deutschen legte, jährt sich 2020 zum 150. Mal. Grund genug für die Autorin Maria W. Peter, sich in ihrem Roman „Eine Liebe zwischen den Fronten“ mit diesem Thema zu befassen.

Die im Klappentext beschriebene Liebe zwischen dem preußischen Arzt Paul von Gerlau und der Französin Madeleine Tellier ist tatsächlich einer der Schwerpunkte der Geschichte und sozusagen der rote Faden. Doch Maria W. Peter verwebt gekonnt eine Vielzahl an Themen miteinander. Man erlebt als Leser den Krieg sowohl aus preußischer als auch französischer Sicht. In einer eindringlichen, klaren Sprache ohne unnötige Grausamkeiten werden die Beschlagnahmungen von Lebensmitteln, Wohnungen und Gebäuden durch das preußische Militär ebenso geschildert wie die unhaltbaren Zustände in Metz und seinen Lazaretten während der Belagerung. Doch auch die Politik kommt nicht zu kurz. In Paris wird nach der Gefangennahme Kaiser Napoléons III. die Zweite Republik ausgerufen, während der Pariser Kommune erheben sich radikal-republikanische und linksgerichtete Kräfte und auch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs in Versailles wird geschildert. Gerade der letzte Punkt löst beim Lesen durchaus Beklemmungen aus, denn man ahnt, welche unglaubliche Demütigung die Proklamation gerade in Versailles, dem Herzstück der französischen Monarchie, für das französische Volk bedeutete und wie sehr das die „Erbfeindschaft“ befeuert hat. Schließlich hat auch das Schicksal von Soldaten aus den französischen Kolonien, die für die verhassten Besatzer auf französischem Boden kämpfen mussten, seinen Platz.

Viele interessante Themen und leichte Schwächen in der Figurenzeichnung

Dadurch, dass die Ereignisse aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, entsteht ein umfassender und informativer Einblick in die damaligen Geschehnisse. Allerdings ist die Vielzahl an Themen auch ein bisschen Fluch und nicht nur Segen. Einige Aspekte können dadurch nicht so vertieft werden, wie es ihnen zusteht, insbesondere die Bildung der Pariser Kommune und das Schicksal der aus den Kolonien stammenden Figuren. Auch wenn es den Umfang dieses Romans sicher gesprengt hätte, hätte man doch gerne noch mehr dazu gelesen. Immerhin entschädigt das wirklich grandiose Nachwort der Autorin etwas dafür, denn dort werden Zusammenhänge und Folgen dieses Krieges und der politischen Entwicklungen ausführlich erläutert.

Wie oben bereits erwähnt, ist die schwierige Liebe zwischen Madeleine und Paul der rote Faden und oft auch die Triebfeder des Romans. Beide sind sehr sympathische Protagonisten, denen man gerne durch die Geschichte folgt. Allerdings fehlen ihnen Ecken und Kanten. Beide sind weltoffen, tolerant und kümmern sich bis zur Selbstaufgabe um andere - Paul in preußischen Feldlazaretten, Madeleine in den Stadtlazaretten im belagerten Metz. Man bekommt direkt den Eindruck, keiner von beiden sei zu einem bösen Gedanken oder einer schlechten Tat fähig. Das tut, wie gesagt, der Sympathie keinen Abbruch, lässt die beiden aber doch allzu glatt und eindimensional erscheinen. Viel interessanter ist da Madeleines Bruder Clément, der sich, vom Hass auf alles Preußische getrieben, zunächst den Freischärlern, den Franc-Tireurs, anschließt und dann in Paris die entscheidenden politischen Veränderungen miterlebt. Doch trotz aller Leidenschaft und Wut besitzt er tief verwurzelte moralische Grundsätze, die es ihm nicht erlauben, sich seiner Wut und seinem Hass vollständig hinzugeben. Diese Zerissenheit und dieses Getriebensein, die es ihm unmöglich machen, seinen Platz in dieser Welt zu finden, machen ihn zu dem gelungensten Charakter des ganzen Buchs. Dann sind da noch Karim ben Aziz, der als Soldat im algerischen Regiment Tirrailleurs Algérien dient, und seine Schwester Djamila, Dienstmädchen der Familie Tellier. Insbesondere Karim dient eigentlich nur dazu, die Geschichte der algerischen Soldaten zu transportieren, bleibt zu blass und wenig fassbar, um als Figur zu bestehen.

Abgerundet wird das Buch neben dem schon erwähnten Nachwort noch durch ein Glossar, eine Personen- und Zeittafel sowie Reisetipps zu den Schauplätzen und Empfehlungen zur weiterführenden Lektüre.

Fazit:

„Eine Liebe zwischen den Fronten“ ist eindrücklich, informativ und lesenswert. Dass einige der Themen nicht vertieft werden konnten und die Figurenzeichnung des Öfteren etwas blass oder eindimensional geschehen ist, ist zwar schade, schmälert den Lesegenuss zum Glück aber nicht nachhaltig.

Eine Liebe zwischen den Fronten

Eine Liebe zwischen den Fronten

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Letzte Kommentare:
15.09.2020 10:58:34
Petra Sch.

Eine gefährdete Liebe im Deutsch-Französischen Krieg

Kurz zum Inhalt:
Deutschland, Frankreich; 1870-1872: Die Französin Madeleine steht kurz vor der Verlobung mit dem jungen Arzt Paul in Berlin, als dieser plötzlich zum Krieg einberufen wird: Ein Krieg von Preußen gegen das französische Kaiserreich! Die beiden stehen sich nun auf feindlichen Seiten gegenüber.
Madeleine und ihr Vater müssen so schnell wie möglich in ihre Heimatstadt Metz zurück und Paul wird als Militärarzt nach Coblenz geschickt.
Kann ihre Liebe bestehen?

Meine Meinung:
In "Eine Liebe zwischen den Fronten" hat Maria W. Peter wieder einmal gekonnt historische Fakten mit einer fiktiven Geschichte verwoben.
Sämtliche Schauplätze und Begebenheiten aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hat die Autorin umfangreich recherchiert und diese sind dementsprechend detailgetreu dargestellt. Und mitten in diesem schrecklichen Krieg ein Liebespaar, das sich eigentlich verloben wollte, nun aber auf gegnerischen Seiten steht.
Die Schreibweise ist fesselnd, emotional, packend und anschaulich; man hat das Gefühl, mitten in den vielen Schlachten zu sein und die brutalen Kriegsgräuel live mitzuerleben. Man lernt hier sehr viel über diesen Krieg, die damaligen Zustände, und über die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen.
Auch fiebert man mit Madeleine und Paul mit: wird Paul den Krieg überleben? Und werden sie sich danach wiedersehen?

Es gibt außer der Geschichte um Paul und Madeleine noch zwei weitere Stränge: einerseits ist da Madeleines Bruder Clément, der sich den Franc-Trieurs anschließt und der gegen die Monarchie und für die Freiheit des Volkes kämpfen will; andererseits gibt es noch Karim, den Bruder von Djamila, des algerischen Dienstmädchens von Madeleines Mutter, der als Algerier an der Seite der Franzosen kämpfen muss; eher unfreiwillig, denn will er doch nicht gerne für einen Monarchen kämpfen, der ihm und seiner Schwester die Eltern und das Land weggenommen hat. Doch bleibt ihm nichts anderes übrig, um ein Einkommen zu haben.
Und alle diese Stränge sind geschickt miteinander verwoben.

Zu Beginn des Buches gibt es eine Übersichtskarte; die Kapitel beginnen jeweils mit dem Ort des Schauplatzes und des Datums; und am Ende des Buches befinden sich ein ausführliches Nachwort der Autorin und ein detailliertes Glossar sowie die hilfreiche Übersetzung von Französischen bzw. Algerischen Ausdrücken und ein Personenverzeichnis.

Fazit:
Detailliert-genau recherchierter historischer Roman über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 mit einer emotionalen fiktiven Liebesgeschichte. Spannend, gefühlvoll und lehrreich.

26.08.2020 16:59:43
Klusi liest

Für die Französin Madeleine und den deutschen Arzt Paul endet der 15. Juli 1870 in einem Albtraum. Eigentlich feiern sie gerade ihre Verlobung, als sie die Nachricht erhalten, dass es zwischen Preußen und Frankreich Krieg gibt. Ich stelle mir die Lage der Liebenden schrecklich vor. Von einem zum nächsten Moment gehören sie verfeindeten Ländern an. Paul muss seinen Dienst als Militärarzt antreten, und Madeleine versucht, zusammen mit ihrem Vater, in ihre Heimatstadt Metz zu gelangen. Keiner weiß, ob sie sich je wiedersehen werden. Madeleine und Paul sind die wichtigsten Personen des Romans. Aber es gibt noch weitere Charaktere, die im Verlauf der Geschichte eine bedeutende Rolle spielen. Da sind zum Beispiel Karim und seine Schwester Djamila. Die beiden jungen Menschen stammen aus Algerien. Nun kämpft Karim in diesem schrecklichen Krieg auf der Seite der Franzosen, die sein Land besetzt und seine Eltern umgebracht haben. Djamila arbeitet im Haus der Familie Téllier, Madeleines Elternhaus, als Dienstmädchen. Und dann ist da noch Clément, Madeleines Bruder, ein Rebell und Getriebener, der in diesem Krieg ganz eigene Wege geht. Das Geschehen ist aus den Blickwinkeln der verschiedenen Charaktere geschildert. Man kommt den Protagonisten sehr nahe, lernt ihre Sichtweisen kennen, erfährt sehr viel über ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe. Jeder von ihnen steht auf einer anderen Seite, und die Sorgen nehmen überhand. Die eindringlich geschilderten persönlichen Schicksale stehen für viele, die damals vielleicht in einer ähnlichen Lage waren. Maria W. Peters historischer Roman über den Deutsch-Französischen Krieg ist kurz vor dem 150. Jahrestag der Kriegserklärung erschienen. Man mag sagen, das ist lange her, aber andererseits haben zu diesem Zeitpunkt damals meine Urgroßeltern schon gelebt, und der Krieg tobte nicht irgendwo, sondern mitten in Europa. Auch hatte dieser Krieg enorme Aus- und Nachwirkungen, die zum Teil bis in unsere heutige Zeit hinein noch zu spüren sind. Interessant und wichtig finde ich, dass Karim und Djamila sehr ausführlich zu Wort kommen und man auch ihren Standpunkt, ihr Weltbild kennenlernt. Gerade über Algerien als französische Kolonie und wie die Menschen dort darunter gelitten haben, weiß man heute sehr wenig. Maria W. Peter hat einen mitreißenden Erzählstil. Sie schreibt historisch äußerst korrekt, realitätsbezogen, sehr eindringlich und beschönigt nichts. Als Leser wird man quasi ins Kriegsgeschehen hineingeworfen und mit dramatischen Szenen konfrontiert. Manchmal musste ich direkt ein wenig pausieren, weil es mich schon fast körperlich schmerzte, über die Greuel dieses schrecklichen Kriegs zu lesen. Aber es gibt auch sehr schöne Begegnungen und berührende Szenen der Hoffnung in diesem Buch. Im sehr ausführlichen Nachwort der Autorin erfährt man noch jede Menge über die politischen Zusammenhänge und Hintergründe. Hier wird erst noch einmal richtig klar, wie viele wahre Begebenheiten die Autorin in ihren Roman eingeflochten hat. Ihr gilt mein großer Respekt für die grandiose Recherchearbeit, die diesem Buch vorausgegangen ist und natürlich für den authentischen, sehr eindrucksvollen Roman, den sie daraus gemacht hat.

25.08.2020 00:55:21
Sagota

Mit diesem Roman lässt die Autorin Maria W. Peter die Geschichte des "Deutsch-Französischen Krieges 1870/71" wieder aufflammen, dieser Krieg, der auch für die nachfolgende Historie und bis in den 1. und 2. Weltkrieg hinein nach Meinung der Historiker Auswirkungen hatte, wird durch "Eine Liebe zwischen den Fronten" authentisch und nacherlebbar auf unvergleichliche Weise beschrieben:

Berlin, 1870:

Paul von Gerlau, ein junger preußischer Arzt und die Französin Madeleine Tellier, deren Familie in Metz ansässig ist, wollen ihre Verlobung feiern, als der Einberufungsbefehl für Paul eintrifft: Von Stunde an stehen die beiden Liebenden, die Hauptprotagonisten dieses Romans, auf verschiedenen Seiten. Wird ihre Liebe und Zuneigung füreinander durch den ausgerufenen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland Bestand haben - oder am Krieg scheitern?

Dieser Frage, die in reale Kriegsgeschehen eingeflochten sind, spürt dieser Roman nach. Es gibt noch weitere Hauptfiguren; z.B. Clément, der Bruder Madeleines, der offiziell in Paris Jura studiert, jedoch den Parolen "Alle Macht dem Volk" der späteren "Commune" verfällt und entgegen seiner Mutter Clotilde Tellier, die hier den Part des bourgeoisen alten Frankreichs darstellt, revolutionären und marxistischen Ideen nachhängt. Die Hausangestellte der Telliers, Djamila, wie ihr Bruder Karim aus Algerien stammend, der damaligen Kolonie Frankreichs, nimmt ebenfalls eine starke Charakterrolle ein: Sie wandelt sich vom traumatisierten Mädchen zu einer starken Frau, die zur Freundin Madeleines wird und einige Reisen mit ihr in den Kriegswirren unternimmt, immer in Sorge um Karim, ob er die Schlachten überlebt hat und sie ihn wiederfindet. Hier hat Maria W. Peter auch die kulturellen Unterschiede des Maghreb und Frankreichs zu dieser Zeit sehr gut dargestellt und mit dem Lieutenant Ben Dakich, dessen Regiment der "Tiraillieurs Algériens", die ebenfalls für Frankreich kämpften, diesen ein literarisches Denkmal gesetzt: Nach der Schlacht bei Sedan war es Ben Dakich von außerordentlicher Wichtigkeit, dass einige Überlebende des Regiments, darunter auch Karim, die zerschossene Regimentsfahne nach Strasbourg brachten; was diesen auch gelang.

Man reist mit Madeleine und ihrem Vater, einem Arzt, der in Berlin forschte und allen Menschen jedweder Herkunft helfen wollte (ebenso wie Paul, der den hippokratischen Eid ebenfalls sehr hoch hielt) von Berlin nach Saarbrücken, wo es nach dem Tod des Vaters eine Begegnung mit einer historischen Person gibt: Katherine Weißgerber. Sie hat (wie viele hilfsbereite Menschen seinerzeit) selbstlos Verwundete versorgt und so manchem jungen Soldaten das Leben retten können. Ihr Grabmal steht in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes und auch der Kampfplatz, das Schlachtfeld des ersten Aufeinandertreffens der Deutschen und Franzosen, diese Schlacht jährt sich am 6. August 2020 zum 150. Mal.... (und es war die einzige, die sich auf deutschem Boden ereignen sollte).

Die promovierte Historikerin und Autorin lässt den Leser teilhaben an der Geschichte: Madeleine schafft es mit Hilfe eines Försters, an Spicheren vorbei sich mit einer französischen Garnison bis nach Metz durchzuschlagen. Zwischen dem Denken von "Madou" und ihrem Bruder Clément liegen Welten; so ist die Wiedersehensfreude kurz und der Hass auf die Deutschen lässt Clément vergessen, dass er seine Schwester eigentlich liebt: Wieso ist sie gewillt, ausgerechnet einen Preußen zu heiraten?

In Clément finden wir einen sehr zerrissenen und dennoch aufrechten Charakter, der symbolisch auch für die neuen Werte der später ausgerufenen jungen französischen Republik stehen dürfte. Ein Teil seines Herzens bleibt bei dem algerischen Mädchen, dessen Sanftheit ihn gefangen genommen hat - und ihm im Kampf auch Mut und Stärke gibt.

Die Kampf- und Belagerungsszenen sind sehr authentisch und atmosphärisch beschrieben; dazu sehr akribisch recherchiert, da die Autorin selbst aus der Grenzregion des Saarlandes stammt. So entführt uns Maria W. Peter anhand ihrer sehr sympathischen Figuren, allen voran Paul und Madeleine, aber auch Karim und Djamila sowie Clément, zu den verschiedenen Orten schwerer Kämpfe, die in Frankreich stattfanden und viele furchtbare Opfer forderten: Sie schont den Leser nicht, das Kampfgeschehen "Mann gegen Mann", mit Bajonetten, Kanonen und anderen damaligen Waffen, "hautnah" mitzuerleben, was teils grausam anmutet, andererseits jedoch reale Historie ist (Sedan, Le Bourget bei Paris, Belagerung von Metz und später von Paris etc.).

Dies war für mich einer unter mehreren Gründen, diesen spannend geschriebenen und absolut lesenswerten Roman lesen zu wollen: Ich wuchs selbst 50 m vor der französischen Grenze auf und die "Spicherer Höhen" kenne ich seit meiner Kindheit; auch die Denkmäler, die dort heute noch zu besichtigen sind, haben mich bereits als Kind beschäftigt.

Das Lesen dieses Romans wie auch im Besonderen des Nachwortes der Autorin möchte ich allen LeserInnen historischer Romane - gerade wegen der heutigen und sehr wichtigen "deutsch-französischen Freundschaft", die in Grenzregionen wie dem Saarland, dem Elsass und Lothringen sehr gefördert wird und im europäischen Gedanken für mich einen Kern darstellt, sehr ans Herz legen. "Eine Liebe zwischen den Fronten" ist sehr lebendig geschriebene Geschichte, die das Saarland, das Rheinland und die heutige Region "Grand-Est", in dem das benachbarte Lothringen und insgesamt 10 Départements eingegliedert wurden, betreffen: Diese Grenzregionen sollten - wie Madeleine zum Romanende sinnt - Völkerverständigung zur Aufgabe haben, eine Brücke zwischen den Völkern sein, in denen die deutsch-französische Freundschaft auch weiterhin sehr hoch gehalten wird - aller politischen Unterschiede der Verwaltung etc. zum Trotz. Heute wissen wir, wie lange es dauerte, bis aus dem "Erbfeindschaftsgedanken" eine Freundschaft wurde. Ich persönlich bin sehr dankbar dafür, in der hiesigen Grenzregion eine friedliche Lebenszeit zu haben; sogar die Tatsache vor Augen zu sehen, dass der frühere "Schlagbaum" an der deutsch-französischen Grenze seit langer Zeit nicht mehr vorhanden ist und sich Freundschaften zwischen "hüben und drüben" noch besser verflechten können. Möge es so bleiben und der europäische Gedanke - und die Solidarität - wachsen und stärker werden!

24.08.2020 09:50:03
Isabel (engi)

Und wieder einmal hat es eine meiner Lieblingsautorinnen geschafft, mich mit ihrem neuesten Roman „Eine Liebe zwischen den Fronten“ restlos zu überzeugen.

Sie hat sich ein spannendes, aber auch sehr aufwühlendes Thema ausgesucht, das in diesem Jahr nach 150 Jahren sein trauriges Jubiläum feiert, denn im Jahr 1870 kam es zum kriegerischen Konflikt zwischen Frankreich und den Preußen. Dass sie sich dazu ausgerechnet den Verlobungstag von Madeleine und Paul ausgewählt hatten, trifft die Beiden doppelt hart und stellt sie durch den Krieg nun vor eine schier unüberwindbare Herausforderung. Denn Madeleine ist Französin und wenn herauskommen sollte, dass sie Geliebte eines deutschen Arztes ist, sähe das sicher nicht gut für sie aus. Es kommt, wie es kommen muss. Paul von Gerlau wird sofort an die Front beordert und Madeleine und ihrem Vater gelingt über eine Nacht und Nebel Aktion die mühsame Flucht aus Berlin. In ihrer Heimatstadt Metz angekommen erwartet sie jedoch keine liebende und sorgende Ehefrau und Mutter, sondern ein kaltblütiger Drachen, der nur an sich selbst denkt. Auch Madeleines Bruder ist keine Stütze. Er ist selbst von so viel Heißblut und Hass zerfressen, dass sich Madeleine bald recht allein auf der Welt vorkommt. Zusammen mit dem algerischen Dienstmädchen Djamila begeben sich die Beiden auf die Suche nach Paul, Djamilas Bruder Karim und Madeleines Bruder Clément. Vor allem aber hoffen sie auf ein Überleben, denn an Frieden ist noch lange nicht zu denken …

Wie nicht anders gewohnt, hat Maria W. Peter auch diesmal ein historisches Gedenken hingelegt, das gepaart mit gerade der richtigen Portion Liebe, Leidenschaft und Spannung Lesegenuss erster Klasse bereitete. Zudem hatte ich das Glück bei einer von der Autorin begleiteten Leserunde dabei sein zu dürfen, die von ihr mit weiteren Fotos und Berichten untermalt wurde.

Neben ihrer exzellenten Recherche, die sie direkt an die damaligen Schauplätze geführt hat, hat sie auch eine Reihe von Charakteren kreiert, die dem Roman eine wunderbare Authentizität verleiht. Die immer wieder eingeflochtenen wahren Begebenheiten taten ihr übliches dazu.

Der Roman las sich flüssig und an vielen Stellen mit großer Spannung. Dass Maria hier ihr eigenes Herzblut hat einfließen lassen, spiegelt sich in jeder Zeile wider. Dieses Buch könnte ihrem etwas älteren Roman „Die Küste der Freiheit“ knapp den Rang ablaufen. Ich bin begeistert und möchte mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

22.08.2020 16:24:27
Andrea Schmidt

Ein Meisterwerk der Geschichte

Genau richtig, zum 150. Jahrestag der Deutsch-Französischen Revolution, erschien der neue Historische Roman von Maria W. Peter.

1870: eigentlich sollte es einer der schönsten Tage der Französin Madeleine und dem Deutschen Paul werde. Sie wollen sich verloben. Aber daraus wird nichts. Bevor Paul die entscheidende Frage stellen kann, bekommt Paul die Nachricht, dass er eingezogen wird. Der Krieg ist ausgebrochen und nun sind beide eigentlich Feinde. Madeleine muss nun mit ihrem Vater Berlin und das Land verlassen, denn in Berlin sind sie nicht mehr sicher. Eine ungewisse Zeit steht allen bevor. Werden sie sich nochmal wiedersehen?????

Zur gleichen Zeit ist der Algerier Karim auf dem Weg übers Mittelmeer nach Frankreich, um an der Seite der Franzosen zu kämpfen. Den Franzosen, die eigentlich sein Land unterdrücken und verknechten. So ist seine Schwester Djamila auch schon irgendwo in Frankreich und arbeitet als Dienstmädchen. Sie wiederzusehen und mit ihr wieder nach Algerien zu gehen, dass wäre Karims größter Wunsch.

Die fünfte Hauptperson im Buch ist Madeleines Bruder Clément. Sein Hass auf die Deutschen ist echt groß und er akzeptiert auch nicht, dass Madeleine einen Deutschen heiraten will. Zugleich schließt er sich den Revolutionären an. Er seinen eigenen Weg finden, hat mit sich, seinen Gefühlen und Gedanken zu kämpfen uns steht sich selbst mehr oder weniger im Weg.

 Meine Meinung:

Maria W. Peter hat bei diesem Roman eine wahnsinnige Recherche betrieben. Das spürt man beim Lesen sofort. Um sehr viele authentisch - historische Ereignisse, fließt eine Liebesgeschichte mit ein. Die 5 Hauptpersonen sind charakteristisch perfekt dargestellt, dass man nie auf den Gedanken kommen würde, dass sie nur fiktiv sind. Jeder hat seine eigenen Eigenschaften, die sich nicht nur ergänzen, sondern auch miteinander, ineinanderfließen. Alle machen viel mit, kommen aus sich raus, wachsen über sich hinaus, verändern sich auf ihre Weise. 

Außerdem sind auch echte Personen im Roman vorhanden. Bismarck, Napoleon und Kaiserin Eugenie. 

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht sehr viel von dem Krieg vor dem Buch. Nun bin ich aber voll im Bilde und ich empfand das Lesen des Buches als echte Bereicherung. Die Autorin schafft es mit scheinbar, einer Leichtigkeit, ein sehr schweres Thema locker und leicht rüber zu bringen. Ich ziehe jedes Mal den Hut vor ihr und gestehe, dass Maria W. Peter zu einer meiner absoluten Lieblingsautorin gehört.

22.08.2020 16:11:34
smillas_bookworld

In diesem Jahr jährt sich der Deutsch-Französische Krieg zum 150. mal. Dieser Roman greift die historischen Ereignisse rund um den Krieg auf und schildert sie mit Hilfe von mehreren Romanfiguren, deren Schicksal eng miteinander verwoben ist – auch wenn sie teilweise über längeren Zeitraum voneinander getrennt sind:

Madeleine Tellier, Französin, Tochter eines Arztes und mit Paul verlobt.

Paul von Gerlau, Madeleines Verlobter, ist Stabsarzt beim Preußischen Militär.

Clément, Madeleines Bruder, der sich dem Trupp der Francs-Tireurs anschließt.

Djamila, das algerische Dienstmädchen im Hause der Telliers.

Und Karim, Djamilas Bruder, ein Soldat der Tirailleurs Algériens, ein aus einheimischen Algeriern gebildetes Schützenregiment des Französischen Kaiserreichs.

Am Abend des 15. Juli 1870 wollen Paul und Madeleine ihre Verlobung feiern – aber ausgerechnet in dem Moment wird der Krieg ausgerufen. Paul wird eingezogen, Madeleine muss aufgrund der feindlichen Situation zusammen mit ihrem Vater Berlin sofort verlassen. Zurück in Metz bangt sie ständig um ihren Verlobten, der beim Roten Kreuz dient und grauenhafte Szenen miterlebt. Die Kriegswirren treiben sie auseinander, teilweise kommen die beiden sich wieder näher, ohne davon zu wissen, da sie auf der jeweils verfeindeten Seite stehen.

Durch Clément beleuchtet die Autorin die Seite der unabhängigen Armee der Francs-Tireurs. Clément ist auf der Suche nach seinem Platz im Leben, Sinn und Gerechtigkeit. Als er sich den Francs-Tireurs anschließt, kämpft er für ein unabhängiges Frankreich … „Es geht nicht um den verfluchten Empereur, es geht um uns, um das Volk und darum, wie es sich von allem befreit, was es knechtet. Nicht zuletzt der Bedrohung von außen, von Preußen, das nicht müde wird, immer weiter aufzurüsten, und danach lechzt, halb Europa in seinen Klauen zu halten. Und das daran mitgewirkt hat, dass Frankreich nach den glorreichen Jahren der Revolution und der Freiheit wieder zu einer Monarchie wurde.“ (. S. 118/119)

Karim hat nicht nur gegen die Preußen zu kämpfen, sondern auch mit Anfeindungen aufgrund seiner Herkunft. Und Djamila bangt um ihren Bruder, während sie Madeleine zur Seite steht.

So bekommt man als Leser auf spannende Weise einen Einblick in die Entwicklungen auf französischer und preußischer Seite. Im Lazarett, auf verschiedenen Kriegsschauplätzen, im Bürgertum. Hunger, Verletzungen, Leid, Krankheiten – die Autorin beschönigt nichts und verleiht diesem Roman dadurch sehr viel Tiefe. Nicht die Liebesgeschichte steht dabei – wie man vom Titel her vermuten könnte – im Vordergrund, sondern die historischen Ereignisse. Trotzdem schweben über allem immer die Fragen: Werden sie sich wiederfinden? Werden die Romanfiguren den Krieg überstehen?

Ich konnte trotz der häufig wechselnden Perspektiven immer wieder gut in die Romanhandlung eintauchen, die sich wie aus einem Guss liest. Ein paar französische und arabische Sätze/Ausdrücke sind in die Dialoge eingebunden, welche im Glossar übersetzt werden, jedoch ergibt sich der Sinn meist von selbst, sodass ein Nachschlagen nicht vonnöten ist. Auch ein Personenverzeichnis gibt es, was ich ebenfalls nicht zum Nachschlagen brauchte. Dennoch empfand ich Verzeichnis und Nachwort der Autorin über die historischen Ereignisse und Hintergründe als sehr informativ.

Da ich über den Deutsch-Französischen Krieg noch gar nichts wusste, habe ich beim Lesen sehr viel neues Wissen hinzugewonnen, und das auf sehr unterhaltsame, leicht geschriebene Weise. Für historisch Interessierte auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung!

16.08.2020 17:34:54
Bettina Hertz

Inhalt: „Berlin, 1870: Die Französin Madeleine und der junge deutsche Arzt Paul feiern gerade ihre Verlobung, als eine schreckliche Nachricht ihre Pläne durchkreuzt: Zwischen Preußen und dem Französischen Kaiserreich ist der Krieg ausgebrochen. Überstürzt brechen Madeleine und ihr Vater in ihre Heimatstadt Metz auf. Paul muss als preußischer Militärarzt zurück zu seinem Regiment nach Coblenz. Von nun an Feinde zu sein und auf unterschiedlichen Seiten zu stehen, ist für Paul und Madeleine unerträglich. Kann ihre Liebe den Krieg überstehen?
Packender historischer Roman über das Schicksal dreier Familien, die der Deutsch-Französische Krieg auseinanderreißt.
Mit vielen Schauplätzen in Deutschland, Lothringen & dem Elsass.“

In „Eine Liebe zwischen den Fronten“ erlebt man als Leser den Deutsch-Französischen Krieg 1870 bis 1871 praktisch an vorderster Front. Maria W. Peter überzeugt allein schon durch ihre sagenhaft akribische Recherchearbeit. Dem Leser werden unzählige Details aus diesem unsäglichen, grauenhaften Krieg zu Teil, die alle historisch belegt sind. Wieviel Fingerspitzengefühl in vielen Szenen eingeflossen ist, kann man nur erahnen.

Der Schreibstil ist einfach brillant – packend, an Spannung kaum zu überbieten und überaus bildgewaltig. Aus mehreren Perspektiven nimmt der Leser am Kampf ums Überleben der einzelnen Figuren in diesen verheerenden Krieg teil. Obwohl Paul und Madeleine hier die Hauptprotas sind, zähle ich Karim, Djamila und Clement auf jeden Fall dazu.

Die Charaktergestaltung ist Maria W. Peter durch und durch gelungen, nach wenigen Abschnitten war ich mit den wichtigsten Personen vertraut. Madeleine auf französischer Seite, Paul auf preußischer Seite, Clement kämpft wiederum für Frankreich, Karim aus Algerien muss zwangsweise für Frankreich in den Krieg ziehen, für ein Land und eine Kultur, die ihm selbst alle Freiheiten beraubt hat. Vor allem diesen Aspekt fand ich sehr interessant und lehrreich.
Alle Figuren empfand ich absolut authentisch, man fiebert mit ihnen mit und ist den Umständen entsprechend so manches Mal völlig verzweifelt – keine leichte Kost!

Die Kriegsschauplätze und das Kriegsgeschehen sind mehr als anschaulich dargestellt und in seiner Grausamkeit kaum zu übertreffen. Das Leid der Bevölkerung und auch der unzählig verwundeten Soldaten ist in vielen Szenen spürbar greifbar und mir wurde oftmals sehr bewusst, wie gut es ist, keinen Krieg erleben zu müssen – kein unbarmherziges Morden, keine Hungersnot, keine Heimat, keinen Platz im Leben… Familien und Freunde wurden auseinander gerissen und standen sich plötzlich als Feinde gegenüber. Unvorstellbar.

Geschickt lässt Maria W. Peter historische Größen wie Wilhelm I. König von Preußen, seinen Sohn Friedrich Wilhelm, Otto Graf von Bismarck, Napoléon III. und seine Gattin Eugenie, Sous-Lieutenant Girard, Offizier bei den Tirailleurs Algeriens – um nur einige zu nennen, auf die Lesebühne treten und bindet u. a. Paul, Madeleine, Clement, Karim und Djamilia als fiktive Figuren perfekt ein. Die Verknüpfung aus Fiktion und Historie ist daher hervorragend gelungen.

Das Cover und der Titel gefallen mir sehr gut. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass der Titel evtl. zu viel Liebesgeschichte verspricht, diese ist auf jeden Fall da, aber inmitten eines grausamen Krieges, der viel Raum einnimmt. Dahingehend könnten die Erwartungen unterschiedlich sein. Meine wurden jedenfalls alle übertroffen und dieses Buch reiht sich in meine Lesehighlights 2020 ein.

Zu Beginn des Buches ist eine Landkarte der wichtigsten Schauplätzen von 1870 enthalten und am Ende ein ausführliches Personenverzeichnis, diese Dinge sind bei historischen Romanen für mich immer von unschätzbaren Wert. Ein ganz besonderer Leckerbissen finden wir ganz zum Schluss – Maria W. Peters Nachwort. Dieses aus ihrer Feder ist für mich schon legendär und man erhält so viele Zusatzinformationen, dass man sich nicht gleich von der Lektüre verabschieden muss und noch im Geschehen verweilen kann. Mich hat dieser Roman tagelang nicht losgelassen.

“Eine Liebe zwischen den Fronten“ hat mir viele Stunden beste Unterhaltung beschert und ich kann diesen tollen Roman uneingeschränkt weiterempfehlen.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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