Das schwarze Gold des Südens

Erschienen: November 2020

Couch-Wertung:

80
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Alexandra Hopf
Geschichte zweier ungleicher Schwestern

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Feb 2021

1887 gerät das gutgehende Familienunternehmen der Familie Imhoff ins Schleudern. Der Großteil ihrer Felder, auf denen Süßholz angebaut wird, ist von einem Schädling befallen. Das Wenige was geerntet werden kann, reicht nicht aus, um alle Aufträge abzudecken. Der Kredit der Bank kommt nicht zustande, denn der Bankier hat ein Auge auf die jüngere Tochter der Imhoffs geworfen. Elise ist aber eher von rebellischer Natur. Sie will sich nicht an einen Mann binden, den sie nicht liebt, nur um des Familienunternehmens willen. Außerdem ist sie in den jungen Feldarbeiter Ferdinand verliebt. Elises Sturheit erzürnt nicht nur den Vater. Auch ihre Schwester Amalie, die sich dem Vater und seinen Ansprüchen wie selbstverständlich unterwirft, kann die jüngere Schwester nicht verstehen. Sie selbst hat den Angestellten Hermann geehelicht, weil es eben für das Unternehmen gut war und es der Vater gern so gesehen hat.

Ein Unglück zerrüttet das Verhältnis von Elise zu ihrer Familie endgültig. Sie flieht mit ihrem Geliebten Ferdinand nach Paris, wo sie beide ihre Träume verwirklichen können. Amalie muss zugunsten des Unternehmens mit ihrem Mann nach Kalabrien ziehen, um dort hochwertiges Süßholz anzubauen. Dort lernt sie Marcello kennen und sie stellt die Entscheidungen ihres Lebens immer mehr in Frage.

Exklusive Einblicke in den Anbau von Süßholz

Tara Haigh hat gründlich recherchiert und gibt dem Leser einen interessanten Einblick wie Süßholz angebaut wird und wie daraus Lakritze entsteht. Man erfährt auch einiges über den vielfältigen Einsatz, zum Beispiel als Süßungsmittel oder auch in der Arzneimittelherstellung. Tatsächlich wird auch heute noch in der fränkischen Region um Bamberg Süßholz angebaut.

Neben diesem gut recherchierten Ausgangspunkt geht es aber hauptsächlich um die Geschichte der beiden Imhoff Schwestern. Sie sind sowohl von ihren Charaktereigenschaften als auch von ihren Einstellungen her grundverschieden.

Amalie hält sich vorbildlich an die damalige Rolle der Frau. Sie hat das zu machen was ihr zuerst der Vater und dann der Ehemann vorgibt. Dabei wird nicht auf eigene Wünsche oder Befindlichkeiten Rücksicht genommen. Um dem Vater alles recht zu machen, heiratet sie den Angestellten des Unternehmens obwohl die beiden nur freundschaftliche Bande verbinden.

Elise hingegen ist aufsässig und rebellisch. Sie macht das was ihr gefällt. Als der Vater ihr keine Chancen einräumt, ihre Ideen bezüglich Lakritze und der Herstellung von Pralinen auszuprobieren, flieht sie nach Paris, um dort ihren Traum einer eigenen Confiserie umzusetzen.

Die Charaktere sind sehr greifbar beschrieben. Anfangs ist Amalie dem Leser eher unsympathisch, weil sie Elise ihr Glück missgönnt und ständig mit ihrem eigenen Leben hadert.

Der Schreibstil ist verständlich, stellenweise wirkt er aber etwas hölzern. Da die Beschreibungen der Landschaften und der Umgebung sehr bildhaft sind, kann sich den jeweiligen Handlungsort und die Atmosphäre gut vorstellen.

Abwechselnde Erzählstränge

Es wird abwechselnd aus der Sicht der zwei Schwestern berichtet. Der Anfang des Buches ist recht zäh. Hauptsächlich weil sich das Hadern von Amalie mit ihrem Schicksal in die Länge zieht ohne, dass es mit der Geschichte so recht voran geht. Der Erzählstrang um Elise ist dagegen etwas erfrischender und zieht den Leser immer wieder mit. Ab der zweiten Hälfte des Buches nimmt die Handlung bei beiden Schwestern Fahrt auf und man möchte die Lektüre zügig fortsetzen, um zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht.

Fazit:

Die Geschichte um zwei ungleiche Schwestern ist bekanntes und beliebtes Thema, wird aber durch das ungewöhnliche Setting, den Süßholzanbau, erfrischend und spannend erzählt.  

Das schwarze Gold des Südens

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