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Jörg Kijanski
Über das Leben des Mmadi Maké, Freund von Kaiser Joseph II. und Mozart

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2020

1801: Josephine Soliman, erhält im Nonnenkloster von Messina, Sizilien, einen Brief, wonach ihre Eltern, Clara und Angelo, noch in Wien leben könnten. Bei einem Vulkanausbruch, welcher das Kloster beschädigt, ergreift sie die Flucht und macht sich auf die Suche. Diese endet tragisch, denn ihr Vater ist tot und die Mutter sitzt, geistig verwirrt, im Narrenturm. Als sie Clara dort besuchen will, wird sie zu ihr in die Zelle gesperrt. Der Leiter der Anstalt, Professor Ernst Hoffmann, verfolgt seine eigenen Ziele und gibt Josephine das Tagebuch ihrer Mutter zu lesen. Eine irrsinnige Geschichte …

Sizilien, 1759: Die achtjährige Clara Contessa Pietrasanta bekommt zu ihrem achten Geburtstag ein besonderes Geschenk; einen kleinen Mohrenjungen im gleichen Alter. Doch das menschliche Spielzeug findet sich in der neuen Umgebung nicht zurecht, büxt immer wieder aus. Fürst von Thurstein, Gouverneur von Sizilien und Freund von Claras Mutter, ist von dem jungen Schwarzen begeistert. Clara nennt ihn fortan Angelo Soliman und freundet sich mit ihm an. Nachdem jedoch die Spanier die Insel belagert haben und deren neue Herrscher werden, muss der Fürst zurück nach Wien und nimmt Angelo mit.

„Machen Sie bitte den Kaiser nicht schlecht. Er ist einer von uns.“
„Ich bin keiner von euch.“
„Das ist nicht wahr. Was reiten Sie denn ständig auf Ihrer Hautfarbe herum?“
„Aus dem einfachen Grund, weil mich das bei euch zu etwas Besonderem macht. Deshalb haben sie mir heute auch angeboten, Mitglied einer Freimaurerloge zu werden.“

Wien, 1779. Bereits die dritte Ehefrau von Fürst Thurnstein verstarb, ohne dass ein männlicher Nachfolger geboren wurde. So soll die inzwischen achtundzwanzigjährige Clara die Rolle der Ehefrau übernehmen und für Nachwuchs sorgen. Die erste Ehenacht gerät zum Fiasko, zudem findet Clara heraus, dass der Fürst in Wirklichkeit auf kleine Jungen steht. Angelo, inzwischen Erster Kammerdiener des Fürsten, vertreibt sich derweil die Nächte mit der Dirne Adele in der Spelunke „Zum Roten Hahn“, in der auch Kaiser Joseph II. verkehrt; natürlich unter falschem Namen. Im Hause Thurstein kommt es zur Annullierung der Ehe, seine Majestät zeigt Interesse an Clara, wenngleich aus Standesgründen eine Ehe nicht in Frage kommt.

„Und Sie können doch nicht Ihre Frau nach Afrika verschleppen!“
„Warum nicht, Majestät? Angelo sagt, sie würden mich dort wie eine Göttin verehren. Und welche Frau möchte nicht gerne eine Göttin sein?“
„Ich bitte Sie, Clara! Sie werden auch hier als Göttin verehrt!“
„Übertreiben Sie da nicht ein wenig? Ich bin eine in Schande geschiedene Frau.“
“Ja, für den Adel! Interessiert doch niemanden!“

Angelo gerät ebenfalls mit dem Fürsten aneinander und verliert seine Stellung. Da er kurz zuvor jedoch „den Türken“, einen legendären Schachautomaten, besiegen konnte, kann er von dem Preisgeld unbesorgt leben – mit Adele. Zudem gewinnt er einflussreiche Freunde. Neben Joseph II. erhält er über Professor Ernst Hoffmann Zugang zur Freimaurerloge „Zur Wahren Einheit“, wo er unter anderem Mozart kennen lernt, und wird Leiter des königlich-kaiserlichen Naturalienkabinetts. Dass seine Laufbahn jedoch nicht immer gradlinig verläuft hat zwei Gründe: Mächtige Adelige wollen ihre Pfründe behalten und ein heimlicher Strippenzieher verfolgt seine ganz eigenen Ziele, wobei Angelo sogar ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll. Viel Beistand von Joseph II. ist erforderlich und bis sich Angelo und Clara endlich vereinen können, vergeht viel Zeit. Aber auch danach haben sie einflussreiche Feinde … 

Historischer Roman? Krimi? Literarisches Denkmal? Zeichen gegen Rassismus? Passt alles!

Felix Mitterer, bekannter Dramatiker aus Österreich, legt mit „Keiner von euch“ einen sehr bildgewaltigen Mix vor, den man unter vielen Aspekten lesen kann. Der Roman basiert auf der wahren Geschichte des Königssohns Maké Mmadi, der als Kind aus seiner Heimat von Sklavenhändlern entführt wurde und später in Wien eine beachtliche Karriere hinlegte. Sieben Sprachen und eine große Bildung öffneten Türen zu vielen schillernden Persönlichkeiten. In einer Zeit, in der Joseph II. zwar Kaiser war, seine Reformen aber noch nicht gegen seine erzkonservative Mutter Maria Theresia durchsetzen konnte – wo bleibt denn da die gottgewollte Ordnung -, erlebt Angelo eine ebenso turbulente wie gefährliche Zeit.

„Bei den Türken kann man vom Sklaven zum Großwesir aufsteigen!“
„Das Osmanische Reich geht unter! Genau deshalb geht es unter, Angelo!“

Als Joseph II. endlich allein an der Macht ist und die feudalistische Ordnung abschafft, gilt ihm Angelo als das Aushängeschild der Aufklärung. Erziehung und Bildung zählen, nicht Erbe, Stand oder Rasse. Anzumerken bleibt noch unbedingt, dass Felix Mitterer bei seinem Debütroman mit den historischen Fakten beziehungsweise den biografischen Angaben zu Mmadi Maké alias Angelo Soliman teilweise sehr freizügig umgegangen ist.

Fazit:

Eine literarische Würdigung für den ersten Schwarzen, der unter anderem in eine Freimaurerloge aufgenommen wurde, bei dessen Taufe der Tochter Josephine der Kaiser persönlich als Pate zur Verfügung stand und der nach seinem Tod ausgestopft im Naturalienkabinett als primitiver Wilder ausgestellt wurde. Ja, so kann man den Roman lesen. Ebenso als spannenden Histo-Roman, denn das politisch-religiöse Denken, die Machtkämpfe zwischen den Bewahrern und den Aufklärern werden gut dargestellt. Und da ein Serienmörder sein Unwesen treibt, mag man es auch durchaus als Krimi lesen, wobei der Mörder von Beginn an feststeht. Vor allem aber ist „Keiner von euch“ ein aktueller und facettenreicher Beitrag gegen Rassenwahn und Rassismus.

Keiner von euch

Keiner von euch

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