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Jörg Kijanski
Würdigung eines großen, aber teils in Vergessenheit geratenen Erfinders

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2020

Nach Philipp Reis sind Schulen und Straßen benannt, doch wenn man die Frage nach dem Erfinder des Telefons stellt, wird üblicherweise der Name von Alexander Graham Bell genannt, der sich am 14. Januar 1876 das Patent eintragen ließ. 15 Jahre, nachdem Reis das erste Telefon öffentlich auf wissenschaftlicher Bühne vorführte.

Johann Philipp Reis wird am 7. Januar 1834 in dem beschaulichen Gelnhausen, zwischen Frankfurt und Fulda gelegen, geboren. Doch Gelnhausen ist durch zwei andere Männer ebenfalls bekannt geworden. Unter Barbarossa wurde Gelnhausen zur Kaiserpfalz und neben Reis kam ein weiterer bekannter Deutscher hier zur Welt: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Autor des wichtigsten deutschen Schelmenromans „Der abenteuerliche Simplicissimus“.

Die Kindheit von Reis hätte erfreulicher sein können. Die damalige Lebenserwartung in den 30er- und 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts betrug für Männer 36, für Frauen 38 Jahre. Im Alter von einem Jahr verliert Reis seine Mutter, mit neun Jahren ist er Vollwaise. In der Schule läuft es trotzdem rund, Reis ist ein Sprachtalent, lernt neben englisch und französisch auch italienisch. Seine Lehrer empfehlen ein Studium am Polytechnikum in Karlsruhe, doch sein Vormund besteht auf einer Ausbildung. Später entscheidet sich Reis gegen den erlernten Beruf, begibt sich auf Studienreisen und wird Lehrer für Französisch, Mathematik, Physik und Chemie in Friedrichsdorf, einer Hugenottensiedlung im Taunus mit 700 Einwohnern. Man spricht französisch. Es folgt die Hochzeit mit Margarethe Schmidt, die vier Kinder zur Welt bringt, von denen nur zwei das Säuglingsalter überleben. Immerhin geht es der Familie finanziell gut, denn neben seinem Lehrergehalt hat Reis inzwischen auch das Erbe seiner Großmutter angetreten. Mehrere Grundstücke bringen eine ansehnliche Pacht ein.

„Er hat seine erste Ausbildung in der Anstalt genossen, hierauf die Gewerbeschule in Frankfurt am Main absolviert und sich dann durch Privatstudien weitergebildet. Er erhielt den Unterricht in Physik und Chemie und nebenbei sei bemerkt, dass er der Erfinder des Telefons ist.“

In seiner Schule, dem Garnier-Institut, welches nach dem Ersten Weltkrieg zur Philipp-Reis-Schule umbenannt wird, hat Reis ein eigenes Laboratorium. Reis ist handwerklich sehr begabt, technisch hoch interessiert und ein eifriger Bastler. Durch das Anschrauben von vier Metallrädern unter die Kufen seiner Schlittschuhe erfindet er den Rollschuh. Dieser wird allerdings erst zwanzig Jahre später populär durch das verstärkte Aufkommen von Asphaltböden. Zudem entsteht mit dem Velicoped eine Weiterentwicklung des mittelalterlichen Muskelkraftwagens. Doch seine weltberühmte Erfindung ist das Telefon.

Zwischen 1858 und 1863 bastelt und tüftelt Reis an seinem Geniestreich. Am 26. Oktober 1861 führt er seinen Apparat erstmals vor Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt vor. Am 6. September 1863 wird ein weiterentwickeltes Gerät auf dem Fürstentag in Frankfurt vorgeführt; in Anwesenheit Kaiser Franz Josephs von Österreich. Musik und Töne werden gut übertragen, allein mit der Sprachübertragung will es nicht recht funktionieren. Nach einem letzten öffentlichen Auftritt im Juli 1867 zieht sich Reis von seinem Lebensprojekt zurück. Die Enttäuschung sitzt tief. Die Sprachübertragung ist bruchstückhaft, eine wissenschaftliche Würdigung erfolgte nie, da er kein Akademiker, sondern „nur“ ein Bastler war und ein finanzieller Erfolg wurde seine Erfindung auch nicht. Jedenfalls nicht für Reis, der am 14. Januar 1874 im Alter von 40 Jahren an Tuberkulose stirbt. Das große Geld verdiente fünfzehn Jahre später Alexander Graham Bell. Da er die Sprachübertragung hinbekam, gilt er vielfach als Erfinder des Telefons, gleichwohl stammt das entscheidende Grundprinzip ohne Zweifel von Johann Philipp Reis und dessen Apparat konnte ebenfalls, wenngleich fehleranfällig Wörter übertragen.

Wolfram Weimer, der unter anderem 2004 das Magazin „Cicero“ gründete, legt mit seinem Buch „Der vergessene Erfinder - Wie Philipp Reis das Telefon erfand“ eine großartige Würdigung des deutschen Tüftlers vor. Er beschreibt lebendig dessen Lebenslauf, die politischen Begleitumstände wie die Revolution von 1848 und den langen Weg bis zum (beinahe) Durchbruch des Telefons. Nach den ersten knapp 90 Seiten folgt noch eine umfangreiche Dokumentation über die Entwicklung der „Telefonie durch den galvanischen Strom“. Eine Zeitreise, eine Chronik sowie Literatur-, Bild- und Quellennachweise runden das sehr schön gestaltete und ausgezeichnet bebilderte Buch ab.

Fazit:

Auch ohne technisches Verständnis ist „Der vergessene Erfinder - Wie Philipp Reis das Telefon erfand“ ein kurzweiliges, jederzeit interessantes und lehrreiches Vergnügen. Nicht zuletzt das verwendete Bildmaterial verdient große Beachtung.

Der vergessene Erfinder

Der vergessene Erfinder

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