Die Tote mit dem Diamantcollier

Erschienen: September 2019

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Annette Gloser
Detektivin mit Potential

Buch-Rezension von Annette Gloser Mai 2020

Monaco 1920: Der große Krieg ist vorbei. Langsam finden sich die Reichen und Schönen wieder an den Küsten des Mittelmeeres ein, vorzugsweise an der Riviera und im mondänen Monaco. Auf den Wellen schaukelt die Luxusjacht des amerikanischen Ehepaares Trush und an Bord findet eine Dinnerparty mit auserlesenen Gästen statt. Eine Operndiva, ein Maler, der Duke of Surrey mit seiner Verlobten, ein ungarischer Graf und noch einige andere illustre Gestalten wollen den Erwerb eines berühmten Gemäldes feiern. Zu diesem Anlass trägt Carla Trush auch ein funkelndes Diamantcollier, ein berühmtes Familienerbstück, das einst gestohlen  und nun von der Detektei Dupont & Dupont wiederbeschafft wurde. Das Leben ist so unbeschwert wie vor dem Krieg, man trinkt und tanzt, bewundert die Jacht, bewundert das Gemälde. Aber dann wird die Gastgeberin tot in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Und das Diamantcollier ist verschwunden! Morde sind in Monaco eher selten und die Polizei in diesen Dingen unerfahren. Daher bittet Erbprinz Albert die bezaubernde Detektivin Jackie Dupont darum, die Leitung der Ermittlungen zu übernehmen.

Historisch nicht ernst zu nehmen

Um es gleich vorweg zu schreiben: Die reinen Historiker können keinen Honig aus diesem Roman saugen. Hier stimmt, rein historisch gesehen, so manches nicht. Vor allem gab es 1920 in Monaco keinen Erbprinzen mit dem Namen Albert. Es gab überhaupt keinen Prinzen und die Grimaldis konnten ihre Dynastie nur retten, indem sie eine uneheliche Tochter legitimierten, die dann angemessen verheiratet wurde. Im März 1920 übrigens. Aber die groben Fakten stimmen: Der Untergang der „Titanic“ ist acht Jahre her, der Erste Weltkrieg ist vorbei und Monaco ist mit seinem Casino seit 60 Jahren schillernder Anziehungspunkt für alle, die Geld haben (oder haben wollen.). In diese Szenerie setzt Eve Lambert ihren Kriminalfall und stattet das Drama mit genau den Protagonisten aus, die man in diesem Habitat erwarten würde. Dreh- und Angelpunkt sind dabei „Kit“ Christopher St. Yves, Duke of Surrey, und die Detektivin Jackie Dupont. Wobei es, nebenbei bemerkt, auch nie einen Herzog von Surrey gab. Eve Lamberts Protagonisten sind keine tiefschürfenden Charaktere, sondern beispielhafte Gestalten für das mondäne Leben an der Côte d’Azur: Adelige, Neureiche, Künstler. Und Jackie, die taffe, überraschende, undurchschaubare Jackie, ist mittendrin die Super Woman in bester Comicmanier, die alles kann und jeden kennt. Und wer sie kennt, ist hingerissen.

Es scheint alles ein bisschen dick aufgetragen, macht aber beim Lesen einen Riesenspaß. Man muss nur den brummeligen historischen Ernst zur Seite schieben und sich auf eine Geschichte einlassen, die zwar in historischem Rahmen spielt, letztendlich jedoch ein Märchen ist. Und wenn man es schafft, sich nicht mehr darüber zu wundern, wenn eine kleine Amerikanerin den (sowieso nur fiktiven!) Erbprinzen von Monaco herumkommandiert, dann fragt man sich auch nicht mehr, wieso Ettore Bugatti ihr einfach mal so einen Rennwagen borgt.

Lesespaß und Spannung

Die Kriminalgeschichte, die von der Autorin rund um diese Gestalten gesponnen wird, hat es durchaus in sich und selbst Super-Jackie ist nicht davor gefeit, sich auf dem Weg zur Wahrheit mal ein bisschen zu verlaufen. Die Auflösung ist letztendlich überraschend und mit doch eher unerwartetem Ergebnis. Dabei hält der Spannungsbogen lange, auch wenn der Herzog gelegentlich mal in sich geht, um sich mit früheren Verfehlungen und seiner tragischen Ehegeschichte auseinander zu setzen. Eve Lamberts Sprache ist sehr modern, vor allem, wenn sie Jackie reden lässt, denn einen Teil der Geschichte erzählt Jackie selbst. Dazu kommen Kapitel, in denen ein neutraler Erzähler die Handlung vorantreibt, und Briefe, welche den Hintergrund des Surreyschen Ehedramas beleuchten. Das alles liest sich flüssig, locker, und zeugt vom Erzähltalent der Autorin. Sie hat mit Jackie Dupont eine Detektivin geschaffen, die ganz sicher aus dem üblichen historischen Rahmen fällt, aber mit Witz, Selbstbewusstsein und unkonventionellen Ermittlungsmethoden das Herz der Leser erobern kann. Da freut es doch, wenn man weiß, daß im September 2020 ein neuer Jackie-Dupont-Krimi erscheint.

Fazit:

Ein Krimi zum Wegschmökern, gute Urlaubslektüre, leicht, locker und spannend. Großer Unterhaltungswert, aber nichts für Freunde historischer Fakten. Alle anderen können damit entspannte Stunden genießen.

Die Tote mit dem Diamantcollier

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