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Carsten Jaehner
Beethoven und die Frauen

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2020

Wenn man die Porträts von Ludwig van Beethoven anschaut, hat man fast immer das Gefühl, in das Gesicht eines grimmigen, schlecht gelaunten und auch nicht unbedingt gutaussehenden Menschen zu blicken, mit dem man sich lieber nicht anlegen möchte. Doch trifft das wirklich zu? Und welche Wirkung hatte gerade dieser Mann auf das weibliche Geschlecht? Immerhin war er nie verheiratet und hatte demzufolge auch keine Kinder. Die studierte Musikwissenschaftlerin und Kontrabassistin Sophia Mott hat Beethovens Beziehungen zu und mit Frauen untersucht und durchleuchtet und diese in einem kleinen Band zusammengefasst.

Es ist … kompliziert …

Ludwig war von den überlebenden Kindern seiner Eltern der älteste von drei Brüdern und litt sehr unter seinen strengen Eltern, die ihm und seinen Brüdern wenig Liebe entgegenbrachten. Seine Mutter soll „gähhitzig und gegensprüchig“ gewesen sein, wenngleich leicht wieder versöhnlich, was Ludwig wohl beides von ihr geerbt hat. Mütterliche Zärtlichkeit und Wärme hat sie allerdings nicht zu bieten, meist kümmert sich die Magd um die Jungen. Geborgenheit ist ein Fremdwort, der Haushalt ist leicht verlottert, und so sehen die Burschen auch aus, ein Umstand, der sich bei Beethoven auch bis ins hohe Alter halten wird.

Keine guten Vorraussetzungen also für einen jungen Mann, die Herzen der Frauenwelt zu erobern. Wenn da nicht die Musik wäre, mit der er sie dann doch betört, sein Klavierspiel, anfangs nicht so sehr die eigene Musik, später aber dann doch. Als der Schritt vom provinziellen Bonn in die Musikstadt Wien getan ist, ist Beethoven Anfang zwanzig und im besten Alter. Er beginnt, Töchter der höheren Familien zu unterrichten und natürlich verliebt sich die eine oder andere in ihn und er vielleicht auch in sie, und vielleicht war hier und da auch mehr im Spiel, doch ist da noch der Standesunterschied, der es unmöglich macht, für jemanden der nicht aus adeligem Hause wie Beethoven kommt (das „van“ in seinem Namen ist kein Adelstitel, wie er selber vor Gericht zugeben musste), eine Verbindung einzugehen, die über das „berufliche“ hinausgeht.

Erfolgreich, aber leider nicht standesgemäß

Die Autorin verfolgt Beethovens Wege durch Wien und durch die fürstlichen Familien, die kommen und gehen und wieder abreisen, und immer wieder scheint sich hier und da eine Liebelei anzubahnen. Doch es gibt immer wieder diverse Gründe, warum es nichts wird, sei es der Standesunterschied, das liebe Geld oder das Versprechen an einen anderen Mann, die Beethoven nicht zum Erfolg führen. Er wird ein erfolgreicher und angesehener Pianist und auch Komponist, der Erfolg hat und daher ergeben sich „Möglichkeiten“ genug, was durch zahlreiche erhaltene Briefwechsel ausreichend belegt ist.

Und dann, ab 1798, Beethoven ist 28 Jahre alt, beginnt sein Gehör nachzulassen, was zur Folge hat, dass er nicht mehr konzertiert und später nicht mehr unterrichtet, was ihn auch auf Dauer finanziell zunehmend in Schieflage bringt. Eine geplante Apanage aus hohen Kreisen kommt durch mehrere Todesfälle nicht zustande. Zudem stirbt sein Bruder und erkämpft mit seiner Schwägerin über Jahre um die Vormundschaft für seinen Neffen Karl, was auch an seinen Nerven zerrt.

Reichlich Kandidatinnen

Zu den Kandidatinnen in Beethovens Leben zählen neben seiner ersten Lieben aus Bonner Zeiten, Johanna von Honrath, seine Klavierschülerin Julie Guicciardi, die man heutzutage wohl als „ziemlichen Feger“ bezeichnen würde, dazu die Gräfin von Erdödy, Antonie Brentano und letztendlich immer wieder die Schwestern Therese und Josephine Brunsvik, die mit Beethoven bis an sein Lebensende befreundet sein werden. Gerade Josephine scheint in den letzten Jahren die zentrale Frau in seinem Leben gewesen zu sein, wenngleich zweimal verheiratet mit insgesamt sieben Kinder, vier Kinder davon aus erster Ehe, drei aus zweiter, wobei jeder, der rechnen kann, feststellen wird, das eines davon nicht ehelich sein kann. Ob da Herr Beethoven wirklich und tatsächlich…?

Man weiß es nicht. Vieles in Beethovens Liebesleben ist Spekulation, wie auch die Autorin mitteilt. So ist auch nicht klar, wer die berühmte „Unsterbliche Geliebte“ ist, an die er einen der herzzerreissendsten Liebesbriefe der Geschichte geschrieben hat und der mit den buchtitelgebenden Worten „Mein Engel, mein alle, mein ich“ beginnt. Durch seine Taubheit hat es viele Konversationshefte gegeben, in die Fragen an ihn schriftlich formuliert wurden und die auch größtenteils erhalten sind. Zudem sind viele Briefe Beethovens erhalten, wenngleich die Schrift des Meisters heute als „Sauklaue“ bezeichnet werden würde (auch die Notenhandschriften sind im Übrigen nicht leicht zu entziffern) und daher erhöht auch das die Quote an Unklarheiten. Was bleibt sind zahlreiche Musikwerke mit Frauen als Widmungsträgerinnen, denen er scheinbar wohl zugetan war, der einen mehr, der anderen weniger, aber am Ende hat er es nicht geschafft, eine Frau für sich so zu vereinnahmen, dass sie an seiner Seite geblieben wäre. Dass er ein schwieriger Mensch war, war immer so und mag durch seine Taubheit nicht besser geworden sein.

Zu kurz

Sophia Mott durchleuchtet zahlreiche überlieferte „Frauengeschichten“ Beethovens, wenn man sie denn so nennen will und zeigt, wie sie sich kennengelernt haben, wie der Verlauf war und auch natürlich, warum an Ende nichts draus geworden ist. Gelegenheiten gab es zu Genüge, allein es hat nicht sollen sein. Interessant in jedem Fall, welchen Weg die Frauen stattdessen genommen haben und ob nicht eine Verbindung mit Beethoven vielleicht doch die bessere Entscheidung gewesen wäre. Wie im richtigen Leben also, damals wie heute, man weiß ja vorher nicht wie es am Ende wird.

Hinzugefügt wurden dem nur 140seitigen Hardcover-Band aus dem Verlag ebersbach-simon in der Reihe „blue notes“ zahlreiche Bilder der verflossenen Damen, viele Zitate aus Briefen und Dokumenten und am Ende ein ausführliches Literaturverzeichnis, anhand dessen man seine eigenen Studien bei Interesse weiterverfolgen mag. Der einzige Makel: das Buch hätte gut und gerne viel länger sein dürfen. An manchen Stellen geraten die Erzählungen doch etwas sehr kurz zusammengefasst. Aber dadurch bietet das Buch vielleicht einen guten Ausgangspunkt für die eigene Beschäftigung mit Beethoven.

Fazit:

Sophia Mott hat mit ihrem Büchlein einen interessanten Beitrag zum Beethovenjahr 2020 geliefert, in dem seines 250. Geburtstages gedacht wird. Zwar liefert der Band keine neuen Erkenntnisse, fasst aber die bisherigen zusammen und führt interessierte Leser (und vielleicht vor allem Leserinnen) authentisch in die Zeit des nachrevolutionären Wien ein und beleuchtet den romantischen Aspekt des klassischen Komponisten Ludwig van Beethoven. In jedem Fall sein einmal weitergehend die Lektüre des berühmten Briefes empfohlen, der an diversen Stellen nachzulesen ist. Alles in allem bietet der Band nette Unterhaltung mit vielen Anekdoten aus Beethovens Leben, teils aus erster Hand, und daher einen realistischen Einblick in Sitten und Gebräuche der Zeit.

Mein Engel, mein alles, mein Ich

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