Grandhotel Odessa - Die Stadt im Himmel

Erschienen: Dezember 2020

Couch-Wertung:

67
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Alexandra Hopf
Glanzvolles Grandhotel am Schwarzen Meer

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Mai 2021

1910 wird Oda Liebenthal 21 Jahre alt. Ihr Vater, der Hotelgründer und Besitzer des Grandhotel Odessa, richtet zu diesem Anlass einen großartigen Ball in seinem exklusiven Hotel aus. Damit will er vor allem andere Menschen beeindrucken und den Prunk seines "Odessas" zur Schau stellen. Mit dem Bau des Grandhotels hat er seinen Lebenstraum verwirklicht und es ist sein ganzer Lebensinhalt. Die Beziehung zu seiner Frau und Tochter ist sehr unterkühlt. Er scheint selbst für seine Patentochter Belle mehr Gefühle zu haben. Oda sehnt sich nach der Liebe und Anerkennung Ihres Vaters. Sie weiß, dass sie von ihm jedoch keinen Segen bezüglich ihrer Beziehung zum erfolgreichen Balletttänzer Karol erwarten kann, der für sie wie ein Seelenverwandter ist.

Deshalb schmiedet sie mit ihrer großen Liebe einen perfiden Plan. In der Nacht des Balles wollen die beiden zusammen durchbrennen und heimlich heiraten. Erst dann will Oda zurückkehren, in das Hotel, das ihr ebenso am Herzen liegt. Nur Belle ist eingeweiht, die für Oda wie eine Schwester ist. Doch dann läuft alles ganz anders. Karol erscheint nicht am verabredeten Treffpunkt. Die Ereignisse überschlagen sich und in dieser Nacht wird sich das Leben aller Beteiligten schlagartig ändern.

Zwei Zeitebenen

Der Start des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Dies liegt vor allem an dem charakteristischen Schreibstil der Autorin. Teils verschnörkelt und vor allem sehr bildgewaltig schildert sie die Begebenheiten. Alles ist sehr detailliert und farbenprächtig beschrieben und der Leser kann sich das Beschriebene gut vorstellen. Bis man sich daran gewöhnt hat, ist der Lesefluss etwas schleppend. Doch ab dem Zeitpunkt, als Oda eigentlich mit Karol verschwinden will, nimmt die Geschichte Fahrt auf und man kann flüssiger lesen.

Zumeist wird aus der Sicht der Hauptprotagonistin Oda erzählt. Es wechselt aber auch einmal zu anderen Erzählperspektiven. Des Weiteren entführt uns Charlotte Roth auch in zwei verschiedene Erzählebenen. Hauptsächlich spielt der Roman in der Zeit von 1910 bis 1918. Hin und wieder gibt es aber auch einen Zeitsprung zurück ins Jahr 1886. Hier erfährt der Leser dann detailliert wie der Traum des Grandhotels geboren wurde und unter welchen Umständen das Hotel entstanden ist. Dieser zweite Erzählstrang ist hilfreich bestimmte Zusammenhänge besser zu verstehen.

Interessante geschichtliche Details

Mit viel Geduld und prachtvollen Bildern bringt uns Charlotte Roth die Stadt Odessa am Schwarzen Meer näher. Sie überzeugt den Leser, dass es sich hier um einen traumhaft schönen Ort mitten in seiner Blüte handeln muss. Mit ebenso viel Geduld und sehr guter historischer Recherche vermittelt sie uns besondere Kenntnisse, was sich genau nach dem Attentat von Sarajevo zugetragen hat und wie der erste Weltkrieg entstand. Diese historischen Informationen sind in einem Roman eingearbeitet, der uns keine kitschige Geschichte rund um ein Hotel präsentiert, sondern eine ernste Familiengeschichte mit vielen schicksalhaften Ereignissen. Stellenweise nimmt die Erzählung doch sehr trostlose und düstere Züge an.

Protagonisten erscheinen unnahbar

Obwohl die Autorin sehr viel Zeit aufwendet, uns die jeweiligen Charaktere und deren Denkweise zu schildern, gelingt es keiner der Figuren dem Leser besondere Zuneigung zu entlocken.

Oda ist eigentlich eine tragische Gestalt, die in ihrem Leben nur auf der Suche nach Liebe und Anerkennung ist und dabei immer verbitterter wird, weil ihre Sehnsüchte nicht gestillt werden. Auch optisch scheint ihr jeder Liebreiz zu fehlen.

Ganz im Gegensatz dazu erscheint Belle. Ein wunderschönes Geschöpf dem die Zuneigung ihrer Menschen nur so zufliegt. Doch auch sie wird erkennen müssen, dass es im Leben nicht immer so laufen kann und ebenfalls persönliche Rückschläge bewältigen muss.

Die männlichen Hauptprotagonisten werden durch den Balletttänzer Karol und Odas Vater, Philipp Liebenthal verkörpert. Auch wenn beiden Figuren je eine eigene Tragik anhaftet, können auch sie den Leser nicht zu besonderen Sympathien bewegen. Deshalb bleibt man als Leser Beobachter des Geschehens, ohne einem Protagonisten besonders gewogen zu sein.

Ende bietet Stoff für Fortsetzung

Am Ende des Romans kommt es dann doch zu einschneidenden Ereignissen, die somit die Vorlage für den nächsten Band dieser Saga liefern. Es wird also weitergehen mit dem glanzvollen Grandhotel. Den Glanz vermittelt der Droemer Verlag auch mit der Covergestaltung. Der gedeckte Grünton ist mit Schrift und Ornamenten aus Gold verziert und erscheint dadurch edel. Am Ende des Buches findet der Leser ein ausführliches Glossar um sich über bestimmte Ereignisse oder typische Begriffe, die im Roman verwendet werden, zu informieren

Fazit:

Der Schreibstil und die doch eher düstere Stimmung verlangen dem Leser einiges ab, dennoch ist die Geschichte interessant und macht auf die Fortsetzung neugierig.

Grandhotel Odessa - Die Stadt im Himmel

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