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Jörg Kijanski
Mordserie in einer geteilten Stadt

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2020

Kriminalromane, welche in den Nachkriegsjahren des Ersten und Zweiten Weltkrieges spielen, erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Betrachtet man nur die Jahre nach 1945 so rückten bereits Städte wie Dresden (Frank Goldammer), Hamburg (Cay Rademacher) und Köln (Beate Sauer) in den Fokus der Handlung. Und Berlin? Dort spielt bereits die großartige Kommissar-Oppenheimer-Reihe von Harald Gilbers, der vor allem die politische und soziale Lage beschreibt. Eine Stadt in Trümmern, voller Not und Elend.

Das Autorenduo Liv Amber und Alexander Berg haben den Start ihrer Krimiserie in das Berlin des Jahres 1948 gelegt. Die Währungsreform ist in Kraft, die Berlin-Blockade der Russen ebenfalls. Die Versorgung der Bevölkerung klapp notdürftig dank einer Luftbrücke. Kommissar Hans-Joachim Stein kam in Berlin zur Welt, doch sein Vater brachte ihn 1933 zu seiner Tante nach London. Nun ist er wegen seiner heimlichen Liebe zurück in seiner Geburtsstadt und erkennt diese kaum wieder. Zudem begegnet er den Deutschen mit Misstrauen, denn waren nicht alle bis 1945 dabei?

„Waren Sie ein Nazi?“
„Was ist denn das für eine Frage? Nein, ich war nicht in der Partei!“
„Habe ich mir gedacht. Es gab ja keine Nazis in Deutschland.“

Der Start mit seinem neuen Partner Max Wuttke könnte kaum schlechter sein. Hier der vornehm und bisweilen arrogant wirkende Stein, dort der von Hitler- oder auch Panzerschokolade genannten Pervitin abhängige Wuttke. Oft wirkt dieser zerfahren und unaufmerksam, hat geweitete Pupillen und zudem eine Vorliebe für das „Pandora“. Das Bordell gehört Carl Braunke, einst der Schieberkönig der Stadt. Doch rechtzeitig vor der Währungsreform erkannte er, dass man mit Schwarzhandel künftig wohl nicht mehr das große Geld macht und sattelte daher auf Zuhälterei um. Nun liegt er ermordet in seiner Villa, das „Hausmädchen“, eine Prostituierte namens Margot, hat die Ermittler verständigt. Die Nacht zuvor gab es eine große Party, zahlreiche Personen kommen somit als Täter in Frage; nicht zuletzt die von Braunke im selben Haus getrennt lebende Ex-Frau.

Bei der Befragung Margots zeigt sich, dass Wuttke noch unruhiger wird als üblich. Wie Stein schnell herausfindet, hat Wuttke eine Freundin namens Lena, die im „Pandora“ arbeitet. Dort beginnt die Spurensuche. Auf seinem Schreibtisch hat Stein derweil noch eine als abgeschlossen beschriftete Fallakte liegen. Laut der „Dalldorf“-Akte kam es nach Kriegsende in der Nähe der Wittenauer Heilanstalten zu einem Fünffach-Mord an Frauen. Aber warum soll dieser bis heute ungelöste Fall unbedingt verschwinden?

Alle haben ihr Päckchen zu tragen

Das Debüt von Amber & Berg ist kurzweilig geschrieben und führt recht gut in die damalige Zeit ein, wenngleich die Notlage der Menschen kaum beleuchtet wird. Stattdessen werden die Konflikte zwischen den Stupos im Westsektor und den Vopos im Osten thematisiert, was auch daran liegt, dass Steins verhasster Vater ein hohes Tier bei den Russen ist. So ist kein Gespräch zwischen beiden möglich, ohne dass der Vater seiner Ideologie verfällt und dabei mitunter die Realität verdrängt. Hier erinnert das Geschehen ein wenig an die Romane von Frank Goldammer, wo dessen Ermittler Max Heller mit seinem den Sozialismus anhimmelnden Sohn ähnlich ideologisch geprägte Gespräche führt. Alle Figuren, die Ermittler voran, sind vom Krieg gezeichnet. So auch deren Chef Curt Krüger, der schon während des Krieges Wuttkes Befehlshaber in der Armee war. Beide haben Verbrechen begangen, waren mehr als bloße Mitläufer. Während Wuttke dies noch immer bedrückt, hat Krüger nur seine Karriere vor Augen. Allerdings lässt sich der gutsituierte Stein, nicht zuletzt dank der Beziehungen seines Vaters, von dem cholerischen Chef kaum beeindrucken.

Auch die weiblichen Hauptfiguren, die Prostituierte Lena und die Ärztin Marianne Keller, haben ihre traurigen Geheimnisse. Neben den Umtrieben im „Pandora“ spielen die Geschehnisse während und nach dem Krieg in den Wittenauer Heilanstalten eine zentrale Rolle. Diese nehmen Bezug auf die unfassbaren Verbrechen der Nazis an Patienten psychiatrischer Krankenhäuser.

Fazit:

Ein temporeicher Start in eine Serie, welche im Berlin der Nachkriegszeit angesiedelt ist. Noch ist die Stadt nicht getrennt, doch die endgültige Teilung zeichnet sich bereits ab. Die Spurensuche verläuft im „Pandora“ und in einer psychiatrischen Heilanstalt mit entsprechendem geschichtlichem Hintergrund. Die Ermittler sind sich zunächst nicht sonderlich sympathisch und selbst der Leser muss sich an die beiden Figuren erst gewöhnen; vor allem an Wuttke. Insgesamt wird ein bisschen zu viel Wert auf das Privatleben der Protagonisten gelegt, gleichwohl ist „Pandora“ alles in allem eine klare Empfehlung!

Pandora

Pandora

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