Vardo – Nach dem Sturm

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Carola Fischer (Übersetzung)

Couch-Wertung:

93

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:94
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Ein tiefgründiges Gesellschaftsporträt aus Norwegen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2020

Der Weihnachtsabend 1617 bringt Tod und Verderben über die norwegische Insel Vardø. Nahezu alle Männer der Insel sind mit ihren Booten noch einmal aufs Meer hinaus gefahren, um von einem reichen Fischschwarm zu profitieren. Doch sie kehren nicht wieder. Ein Sturm, der so schnell verschwindet, wie er aufgezogen ist, verschlingt die Fischer vor den Augen der entsetzen Frauen.

Auch die junge Maren muss hilflos zusehen, wie die Boote, in denen unter anderem ihr Verlobter, ihr Vater und ihr Bruder unterwegs waren, verschwinden. Sie bleibt mit ihrer Mutter und der hochschwangeren Schwägerin – einer Sami-Frau – zurück. Zum tiefen Schmerz über den Verlust kommt die Frage nach dem Überleben. Doch die Dorfgemeinschaft aus Frauen rappelt sich hoch und versucht wieder Tritt zu fassen – angeführt von der unerschrockenen Kämpferin Kristin. Aber nicht allen behagt, dass sich die Frauen zu helfen wissen. Besonders der aus Schottland stammende Verwalter Absalom Cornet will der Emanzipation, die sich nach und nach entwickelt hat, einen Riegel vorschieben. Zusammen mit seiner jungen Frau Ursa, einer Norwegerin, die er nicht zuletzt für seine Mission in Vardø geheiratet hat, will er die Gesellschaft zur Raison rufen. Ursa, die ihrem Mann zunächst nahezu blind erlegen ist, findet in Maren eine Freundin, die alle ihre Werte auf eine harte Probe stellt. Absalom, der in Schottland als Hexenjäger bekannt war, will die Frauengemeinschaft auf den rechten Weg zurückführen.

Düstere Faszination

Es ist nicht nur die lange Phase fast ohne Tageslicht, die dem Roman von Kiran MIllwood Hargrave über die Insel Vardø eine düstere Note verleiht. Die Geschichte lebt von der dunklen Szenerie und dem fast schon morbiden Thema. Dazu gehört auch die spezielle Freundschaft, die sich zwischen den Frauen entwickelt – zu einer Zeit, in der diese nicht sein durfte. Die Autorin spielt geschickt mit den verschiedenen Komponenten und malt auf diese Weise ein Wortgemälde, dessen Faszination sich die Leserinnen und Leser kaum entziehen können. Schnell identifiziert sich das Publikum mit dem tragenden Charakter des Buchs, Maren – sie Heldin zu nennen würde der feinen Charakterzeichnung der Autorin nicht gerecht. Maren zeigt zwar Stärke, sie bleibt aber ein Mensch mit Zweifeln und Ängsten. Und sie ist in jeder Hinsicht glaubwürdig – so, wie auch die anderen Figuren greifbar sind. Kiran Millwood Hargrave weiss nicht nur, wie sie ihren Protagonisten Leben einhauchen kann, sie beschreibt auch meisterhaft die feinen Töne des menschlichen Zusammenspiels unter aussergewöhnlichen Bedingungen.

Unbekannte Welt

Dass mit „Vardø“ eine Welt beschrieben wird, die hier kaum bekannt ist und von deren Schicksal nur ein sehr kleiner Personenkreis etwas weiss, macht das Buch zu einem aussergewöhnlichen Erlebnis. Die schöne Umschlaggestaltung und die hilfreiche Karte tragen ein Übriges bei, um den Roman aus der grossen Masse hervorstechen zu lassen. Es ist allerdings keine spannende Unterhaltung, die hier geboten wird, sondern ein tiefgründiges Gesellschaftsportrait mit kantigen Charakteren. Eines, das noch lange nachwirkt und zu den Büchern gehört, die man nach dem letzten gelesenen Wort noch nicht gleich aus den Händen legt, sondern sich nur langsam zu lösen vermag. Eine angenehme Sprache und die richtige Mischung bei den Erzählstrukturen fördern den positiven Eindruck von „Vardø“ zusätzlich.

Fazit:

Vardø ist keine leichte Lektüre, die man mal so zur Unterhaltung konsumiert. Es ist ein fein gesponnenes Netz aus vielen kleinen Szenerien, die ein beeindruckendes Ganzes ergeben und eine Geschichte erzählen, die nicht nur neu, sondern auch ungewöhnlich ist. Dieser Roman verlangt danach, dass man sich mit ihm auseinandersetzt und ihn wirken lässt.

Vardo – Nach dem Sturm

Vardo – Nach dem Sturm

Deine Meinung zu »Vardo – Nach dem Sturm«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.