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Jörg Kijanski
Endet die große Liebe in einer Tragödie?

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2020

Archibald Floyd, Bankier und Herr von Felden Woods, stößt die vornehme Gesellschaft von Kent vor den Kopf. Der heißbegehrte Junggeselle, wenngleich nicht mehr der Jüngste, ehelicht die junge und schöne, aber völlig mittellose Schauspielerin Eliza Prodder. Neid, Hass und Verachtung schlagen einer jungen Liebe entgegen, die kein Jahr halten wird, da Eliza überraschend verstirbt. Zurück bleibt die gemeinsame Tochter Aurora, die recht launisch und ungestüm ist. Für ein Jahr schickt sie der Vater nach Paris, wo sie in einer Privatschule auf die bessere Gesellschaft vorbereitet und den letzten Schliff erhalten soll. Doch nach ihrer Rückkehr wirkt Aurora zunehmend verschlossen. Später lernt sie Captain Talbot Bulstroke und dessen besten Freund John Mellish kennen. Beide verfallen Auroras Schönheit und verlieben sich in sie, doch sie weist deren Anträge am gleichen Tag ab.

„Oh, Aurora, Frauen sollten an solche Dinge denken! Was soll ich für den Rest meines Lebens sein, wenn Sie mich fortschicken? Ein gebrochener Mann, der für nichts Besseres geeignet ist als für Pferderennen und Wetten. Wertlos für mich selbst und andere. Ich lege Ihnen mein Leben zu Füßen, Aurora. Ich biete Ihnen mehr als mein Herz – ich biete Ihnen mein Schicksal an. Machen Sie damit, was Sie wollen!“

Nur einen Tag später will sich Bulstroke von ihrem Vater verabschieden und findet Aurora bewusstlos im Salon vor; sie erholt sich jedoch schnell und willigt einer Verlobung überraschend zu. Durch einen Brief von seiner Mutter erfährt Bulstroke, dass es wohl ein dunkles Geheimnis aus Auroras Pariser Vergangenheit geben muss und stellt seine Verlobte zur Rede. Diese verweigert die Antwort, worauf Bulstroke die Verlobung löst. Mellish der sich kurz darauf in Felden Woods aufhält nutzt die Gelegenheit. Ein weiterer Skandal droht Kent zu erschüttern, heiratet die gerade noch mit Bulstroke verlobte Aurora doch nun eben Mellish. Bulstroke zieht sich brüskiert zurück, entdeckt dabei aber immerhin, dass sich Auroras Cousine Lucy von Anfang an zu ihm hingezogen fühlte, mit Rücksicht auf Aurora ihren Gefühlen aber nicht nachgehen konnte.

“Jetzt, da meine beiden Heldinnen verheiratet sind, könnte der Leser meinen, dass meine Geschichte ihr Ende findet, dass der grüne Vorhang bereit ist, nach dem letzten Akt des Stückes zu fallen. Doch endet das wahre Lebensdrama immer auf den Altarstufen? Muss das Stück vorbei sein, wenn der Held und die Heldin ihre Namen im Register eingetragen haben?“

Das zweite Zitat stammt aus Seite 155 und was sich bis dahin hauptsächlich ereignete ist eingangs dargestellt. Bis sich die Suchenden und Liebenden finden, muss man sich durch Textpassagen wie im ersten Zitat dargestellt wühlen. Pure Romantik oder triefender Schmalz, je nach Sichtweise. Schließt man sich dem zweiten Gedankengang an, ist man geneigt, das Buch frühzeitig für immer auf die Seite zu legen. Aber auf dem Buchcover steht das Wort „Kriminalroman“, auf der Buchrückseite ist gar von einer Leiche die Rede. Viel Geduld ist gefragt, denn die Liebestragödie nimmt ihren unheilvollen Lauf und will weiter ausgewälzt werden. So geschieht erst auf Seite 237 etwas geradezu Unerhörtes: Es fällt ein Schuss! Tatsächlich geschieht ein Mord, der aufgeklärt werden will und so betritt rund hundert Seiten vor Ende des Romans sogar ein Constable die Bühne. Da Aurora selbst der Tat verdächtigt wird, ziehen weitere dunkle Wolken auf, die die ohnehin beklemmende Stimmungslage nicht erhellen.

Die erste Bestsellerautorin des viktorianischen Zeitalters

Diese Liebesgeschichte, die zunächst als Bäumchen-wechsel-dich daherkommt und später tragische Ausmaße annimmt, als Kriminalroman zu bezeichnen, ist für Krimifans starker Tobak. Ja, es geschieht ein Mord und es folgt eine (wenig überraschende) Aufklärung, aber bis dahin muss man über 200 Seiten die Liebes- und Gefühlslage der vier Hauptfiguren (Aurora, Lucy, Mellish und Bulstroke) hinter sich bringen. Die antiquierte Schreibweise, der Roman erschien erstmals 1863, kommt aus heutiger Sicht leicht schwülstig daher. Mary Elizabeth Braddon lebte selbst – skandalöser Weise – mit einem verheirateten Mann in wilder Ehe und verarbeitete in ihren zahlreichen Büchern viele Themen, die der feinen Gesellschaft vor den Kopf und gegen die „guten Sitten“ ihrer Zeit stießen. Vermutlich begründet sich daher ihr Erfolg. Alle denkbaren Gefühlsarten werden intensiv durchleuchtet, wobei die Figuren kaum unterschiedlicher sein könnten. Aurora ist selbstbewusst und ihrer Zeit voraus, neigt allerdings zu Schwermut (das Geheimnis aus Paris harrt ja noch der Auflösung); Lucy hingegen ist eine demütige Frau, die sich in das klassische Rollenbild vollends einfügt und ihren Mann unterwürfig ergeben ist; Mellish ein Lebemann, der seiner Aurora in blinder Verehrung lakaienhaft jeden Wunsch erfüllt und Bulstroke, ein Ehrenmann mit strengem Verhaltenscodex.

Fazit:

„Aurora Floyd“ ist ein breitgefächertes Sittengemälde, welches die gesellschaftlichen Konventionen umreißt und sich zu mit zunehmender Dauer zu einer Tragödie entwickelt. Der angekündigte Kriminalfall umfasst lediglich das letzte Drittel und ist daher für reine Krimifans eher eine Mogelpackung. Wer hingegen auf Herz-Schmerz steht, findet einen Roman, der über 150 Jahre nach seinem Erscheinen noch lesenswert ist.

Deine Meinung zu »Aurora Floyd«

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Letzte Kommentare:
03.02.2020 14:43:50
Krimizeit

Ich denke, dass das Besondere an diesem Buch ist, dass die Übersetzerin nicht uneingeschränkt die Originalsprache 1:1 ins Deutsche übersetzt hat. Das wäre absolut unlesbar gewesen, denn das englische Original umfasst satte 670 Seiten.

Meiner Meinung nach ist das Buch - da stimme ich dem Rezensenten der HIsto-Couch absolut zu - ein Sittengemälde aus einer Zeit, die uns heute fremd ist.
Man bedenke! Das buch wurde von einer Frau geschrieben, die diese Zeit tatsächlich erlebt hat. Die damalige Vorstellung von Krimi war eine andere als unsere von heute.
Damals sollte dieses Buch verboten werden, weil es brave Bürger dazu verleite, einen Mord zu begehen. Kein Witz!
Braddons Bücher wurden nur nicht verboten, weil sie so beliebt waren.

Wer also dieses Buch liest, sollte keinen Heute-Krimi erwarten, sondern alles mit dem Blick des ausgehenden 19. Jh. lesen.