Couch-Wertung:

92

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:93.75
V:4
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":1,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":0}
Carsten Jaehner
Spannender Krimi aus Hamburgs neuer Speicherstadt

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2020

Hamburg, 1896. Wegen eines Falles von Schmuggelei von Kaffee wird der Kieler Kommissar Hauke Sötje nach Hamburg entsandt, um den Fall zu lösen. Dort findet er gleich Kontakt zu Polizeirat Roscher, der sein Vorgesetzter sein wird und den Fall eher skeptisch betrachtet. In Hamburg, so sagt er, wird nicht geschmuggelt, das verdächtige Schiff ist auch nirgendwo registriert und das Problem der Leiche, die dabei gefunden wurde, auch nicht seins. Doch so leicht gibt sich Hauke nicht geschlagen und er sucht Kontakt zur größten Handelsfamilie für Kaffee, den Bellingrodts.

Zeitgleich hilft Haukes Verlobte Sophie bei den Vorbereitungen für die Hochzeit der Tochter von der Familie, wo sie gerade als Hauslehrerin tätig ist. Die Tochter bittet sie allerdings, eine Freundin zu suchen, die seit einiger Zeit verschwunden ist. Sophie, die durch einige bisherige Tätigkeiten Spaß am Ermitteln gefunden hat, lässt sich nicht zweimal bitten und findet heraus, dass die junge Frau wohl Kontakt zur Familie Bellingrodt hatte. Als sie dies Hauke erzählt, stellt sich schnell heraus, dass beide Fälle wohl zusammen hängen. Ein Rennen mit der Zeit beginnt: Wer ist die männliche Leiche vom Schmuggelboot, und wo ist die junge Frau?

Kaffeehändler unter Verdacht

Bereits zum dritten Mal schickt die Autorin ihren Kommissar Hauke Sötje ins Feld, dieses Mal in die neu gebaute Speicherstadt in Hamburg zu den Kaffeehändlern, deren Berufsfeld einiges an Möglichkeiten für einen spannenden Kriminalfall bietet. Durch den Neubau der Speicherstadt konnten sich alle Händler neu platzieren und ihre Geschäfte erweitern. Allen voran der Familienbetrieb der Bellingrodts, die nicht nur Kaffee handeln, sondern auch selber rösten. Allerdings gilt der alte Bellingrodt als schwierig, einer seiner beiden Söhne soll sogar derzeit in Afrika sein und sich um die dortigen Geschäfte zu kümmern.

Die Beschreibungen des Kaffeegeschäfts gelingen der Autorin vorzüglich und am Ende kennt man sich fast so gut aus, dass man selber ins Geschäft einsteigen möchte. Dies ist durchaus positiv gemeint, denn die Autorin versteht es, den Lesern die Welt des Kaffeehandels nahezubringen, ohne dabei belehrend zu wirken. Man versteht das Gefüge untereinander und somit taucht man mit ein in das Geflecht von Geld und Verschwiegenheit.

Sprachlich und inhaltlich voller Lokalkolorit

Dass Haukes Verlobte Sophie selbst eine Person sucht, erfährt man schnell und somit wird die sympathische junge Deern auch zur Ermittlerin, wie sie es bereits im Vorgänger dieses Romans machen durfte. Auch wenn Hauke es nicht gutheisst, so helfen sie sich doch gegenseitig bei ihren Ermittlungen, die nicht immer unblutig vonstattengehen. Doch wie sieht es wirklich aus mit der Familie Bellingrodt? Als Sophie herausfindet, dass die von ihr gesuchte junge Frau ein Kind haben müsste, wird es eng, denn sie weiß nicht, ob zumindest das Kind noch lebt oder nicht. Zudem eröffnen sich neue Verdächtigungen in Richtung der Familie Bellingrodt…

Anja Marschall hat sowohl einen spannenden und verzwickten Fall konstruiert, obwohl die Zahl der Verdächtigen eigentlich nicht sehr groß ist, als auch einen atmosphärisch dichtes Bild der hamburgischen Zeit gemalt, das sehr treffend das Leben der Gesellschaft zu dieser Zeit aufzeigt. Die Speicherstadt, die Geschäftsleute, das Denken und Gehabe der Menschen, all das ist hervorragend getroffen und wird durch mancherlei Lokalkolorit gefüllt. Die niederen Arbeiter lässt sie dann auch platt sprechen, was aber verständlich ist und das Lokalkolorit noch erhöht.

Der Fall hingegen ist letztlich vor allem im Showdown spannend, der natürlich in der oberen Etage eines Kaffeespeichers stattfindet und schon fast filmischen Charakter aufweist. Die kurzen Kapitel lassen den Leser auch wegen der Spannung immer schnell weiterlesen. Eine Karte von Hamburg und ein lesenswerter sechsseitiger Anhang ergänzen den Roman aus dem Hause Emons, dem man gerne noch weitere Fortsetzungen wünscht.

Fazit:

Anja Marschalls dritter historischer Kriminalroman um Kommissar Hauke Sötje ist ein Paradebeispiel für einen guten, gelungenen, spannenden historischen Kriminalroman, wie er sein sollte. Durch den spannenden Fall kann er nirgendwo anders und zu keiner anderen Zeit spielen und ist somit nicht austauschbar wie viele andere Romane. Sprachlich auf der Höhe der Zeit ist die gesamte Reihe aus dem Hause Emons bedenkenlos zu empfehlen. Gerne weiter so.

Tod in der Speicherstadt

Tod in der Speicherstadt

Deine Meinung zu »Tod in der Speicherstadt«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
03.02.2020 15:31:24
büchereule

Mein klares Voting für "Tod in der Speicherstadt". Knackig und super recherchiert, intensive Charaktere und eine Menge Lokalkolorit lassen Stadt und Menschen sowie die Zeitgeschichte lebendig werden. Ich persönlich hätte mir noch mehr Hintergründe zum Hafenarbeiterstreik gewünscht, aber dann wären wohl aus den 340 Seiten 500 geworden. Was ich aber auch nicht bedauert hätte. :-)

28.01.2020 18:26:19
PMelittaM

Hamburg 1896: Hauke Sötjes aktueller Fall führt ihn nach Hamburg. Die Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei ist nicht einfach, diese hat sich Machtstrukturen unterzuordnen. Auch Sophie ist in Hamburg und bald kommt sie, ganz unabsichtlich, mit ihren Unternehmungen Haukes Ermittlungen in die Quere.

Schnell hat mich der Roman, der vierte der Reihe, wieder gepackt, und ich habe mich gefreut, Sophie und Hauke erneut zu treffen. Beide gefallen mir sehr gut, auch wenn Sophie manchmal zu unüberlegt handelt und sich damit in Gefahr begibt. Mir gefällt aber, dass sie immer wieder versucht, Konventionen zu umgehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Am Ende ergibt sich eine Situation für beide, die gespannt macht, wie es mit ihnen weitergeht. Dass es weitergeht, hat die Autorin mittlerweile bestätigt.

Auch die weiteren Charaktere sind der Autorin gut gelungen, besonders hat mir der junge Zollanwärter gefallen, der dazu abgeordnet wird, Hauke zu führen und ihn dabei im Auge zu behalten. Dass manch einer Platt spricht, trägt zum Lokalkolorit bei. Im Anhang findet sich ein“Kleines Hamburger Sprachlexikon“ für alle, die Probleme beim Übersetzen haben sollten.

Auch in diesem Band gibt es wieder kapiteleinleitenden Originalzitate von 1896 aus verschiedenen Zeitungen und Bekanntmachungen, die manchmal überraschend gut zum Inhalt des einzelnen Kapitels passen. Außerdem erfährt der Leser auf diese Weise einiges Interessante aus diesem Jahr. Überhaupt hat die Autorin wieder sehr gut recherchiert und führt uns dieses Mal in das Hamburg der Kaufleute, in den Freihafen und die Speicherstadt, in Kontore und die Börse. Man erfährt einiges darüber, wie Kaufleute arbeiten, aber auch über die Lebensbedingungen der Arbeiter und über Schmuggel. Im Mittelpunkt steht der Kaffeehandel. Im Anhang gibt es außerdem Anmerkungen zu historischen Ereignissen und Personen, wobei ich erstaunt war, wie viele historische Persönlichkeiten im Roman auftauchen, angesprochen werden oder zumindest zu Charakteren inspiriert haben.

Der Fall, es geht zunächst um Schmuggel und einen unidentifizierten Toten, weitet sich immer mehr aus. Am Ende hat man in einige erschütternde Abgründe geblickt, aber auch eine zufriedenstellende Auflösung erfahren und gut miträtseln können. Die Autorin erzählt sehr bildhaft, man hat immer wieder das Gefühl, selbst mit dabei zu sein, sogar Gerüche konnte ich wahrnehmen. Besonders gelungen ist z. B. der Besuch des Kaufhauses Tietz, hier stimmt die ganze Atmosphäre und das Kopfkino bekommt viel zu tun.

Auch der vierte Band der Reihe ist sehr gelungen: Gut recherchiert und mit viel Lokalkolorit nimmt er den Leser mit in die Vergangenheit und in einen verwickelten, spannenden Kriminalfall. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter. 88°