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Carsten Jaehner
Spannender Krimi aus Hamburgs neuer Speicherstadt

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2020

Hamburg, 1896. Wegen eines Falles von Schmuggelei von Kaffee wird der Kieler Kommissar Hauke Sötje nach Hamburg entsandt, um den Fall zu lösen. Dort findet er gleich Kontakt zu Polizeirat Roscher, der sein Vorgesetzter sein wird und den Fall eher skeptisch betrachtet. In Hamburg, so sagt er, wird nicht geschmuggelt, das verdächtige Schiff ist auch nirgendwo registriert und das Problem der Leiche, die dabei gefunden wurde, auch nicht seins. Doch so leicht gibt sich Hauke nicht geschlagen und er sucht Kontakt zur größten Handelsfamilie für Kaffee, den Bellingrodts.

Zeitgleich hilft Haukes Verlobte Sophie bei den Vorbereitungen für die Hochzeit der Tochter von der Familie, wo sie gerade als Hauslehrerin tätig ist. Die Tochter bittet sie allerdings, eine Freundin zu suchen, die seit einiger Zeit verschwunden ist. Sophie, die durch einige bisherige Tätigkeiten Spaß am Ermitteln gefunden hat, lässt sich nicht zweimal bitten und findet heraus, dass die junge Frau wohl Kontakt zur Familie Bellingrodt hatte. Als sie dies Hauke erzählt, stellt sich schnell heraus, dass beide Fälle wohl zusammen hängen. Ein Rennen mit der Zeit beginnt: Wer ist die männliche Leiche vom Schmuggelboot, und wo ist die junge Frau?

Kaffeehändler unter Verdacht

Bereits zum dritten Mal schickt die Autorin ihren Kommissar Hauke Sötje ins Feld, dieses Mal in die neu gebaute Speicherstadt in Hamburg zu den Kaffeehändlern, deren Berufsfeld einiges an Möglichkeiten für einen spannenden Kriminalfall bietet. Durch den Neubau der Speicherstadt konnten sich alle Händler neu platzieren und ihre Geschäfte erweitern. Allen voran der Familienbetrieb der Bellingrodts, die nicht nur Kaffee handeln, sondern auch selber rösten. Allerdings gilt der alte Bellingrodt als schwierig, einer seiner beiden Söhne soll sogar derzeit in Afrika sein und sich um die dortigen Geschäfte zu kümmern.

Die Beschreibungen des Kaffeegeschäfts gelingen der Autorin vorzüglich und am Ende kennt man sich fast so gut aus, dass man selber ins Geschäft einsteigen möchte. Dies ist durchaus positiv gemeint, denn die Autorin versteht es, den Lesern die Welt des Kaffeehandels nahezubringen, ohne dabei belehrend zu wirken. Man versteht das Gefüge untereinander und somit taucht man mit ein in das Geflecht von Geld und Verschwiegenheit.

Sprachlich und inhaltlich voller Lokalkolorit

Dass Haukes Verlobte Sophie selbst eine Person sucht, erfährt man schnell und somit wird die sympathische junge Deern auch zur Ermittlerin, wie sie es bereits im Vorgänger dieses Romans machen durfte. Auch wenn Hauke es nicht gutheisst, so helfen sie sich doch gegenseitig bei ihren Ermittlungen, die nicht immer unblutig vonstattengehen. Doch wie sieht es wirklich aus mit der Familie Bellingrodt? Als Sophie herausfindet, dass die von ihr gesuchte junge Frau ein Kind haben müsste, wird es eng, denn sie weiß nicht, ob zumindest das Kind noch lebt oder nicht. Zudem eröffnen sich neue Verdächtigungen in Richtung der Familie Bellingrodt…

Anja Marschall hat sowohl einen spannenden und verzwickten Fall konstruiert, obwohl die Zahl der Verdächtigen eigentlich nicht sehr groß ist, als auch einen atmosphärisch dichtes Bild der hamburgischen Zeit gemalt, das sehr treffend das Leben der Gesellschaft zu dieser Zeit aufzeigt. Die Speicherstadt, die Geschäftsleute, das Denken und Gehabe der Menschen, all das ist hervorragend getroffen und wird durch mancherlei Lokalkolorit gefüllt. Die niederen Arbeiter lässt sie dann auch platt sprechen, was aber verständlich ist und das Lokalkolorit noch erhöht.

Der Fall hingegen ist letztlich vor allem im Showdown spannend, der natürlich in der oberen Etage eines Kaffeespeichers stattfindet und schon fast filmischen Charakter aufweist. Die kurzen Kapitel lassen den Leser auch wegen der Spannung immer schnell weiterlesen. Eine Karte von Hamburg und ein lesenswerter sechsseitiger Anhang ergänzen den Roman aus dem Hause Emons, dem man gerne noch weitere Fortsetzungen wünscht.

Fazit:

Anja Marschalls dritter historischer Kriminalroman um Kommissar Hauke Sötje ist ein Paradebeispiel für einen guten, gelungenen, spannenden historischen Kriminalroman, wie er sein sollte. Durch den spannenden Fall kann er nirgendwo anders und zu keiner anderen Zeit spielen und ist somit nicht austauschbar wie viele andere Romane. Sprachlich auf der Höhe der Zeit ist die gesamte Reihe aus dem Hause Emons bedenkenlos zu empfehlen. Gerne weiter so.

Tod in der Speicherstadt

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