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Jörg Kijanski
Die Wiener Nachkriegsjahre bergen Überraschungen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2019

„Wiener Auferstehung“ ist der zweite Teil von Andreas Pittlers so genanntem „Wiener Triptychon“ und spielt im Jahr 1945 (bis Seite 208) sowie in den Jahren 1946-1955  (Seiten 209 bis 406) und im Jahr 1970 (Seiten 407 bis 409). Spannte der erste Teil „Wiener Kreuzweg“ seinen Bogen vom Kaiserreich (1906) bis zum Anschluss an das Deutsche Reich (1938), so beschränkt sich der Nachfolger also auf die unmittelbare Nachkriegszeit. Der wesentliche Unterschied zum Vorgänger besteht indes darin, dass der zweite Teil sich nahezu ausschließlich auf Österreich fokussiert und die Geschehnisse im restlichen Europa weitgehend außen vor bleiben. Ansonsten bleibt alles beim Alten, das heißt es stehen einmal mehr die Familien Glickstein, Strecha und Bielohlawek im Mittelpunkt (zumindest deren Überlebende) und natürlich die „Hernalser Bräu“.

Baron Glickstein starb 1939 nach kurzem Aufenthalt im Schweizer Exil, Tochter Caroline siedelte nach Amerika über, wo ihr nun in New York langsam aber sicher die finanziellen Mittel ausgehen. Wie kann sie ihre alten Ansprüche an den Besitz der „Hernalser Bräu“ einfordern? Woher die Schiffspassage nach Europa zahlen und – vor allem – wie der siebenjährigen Tochter Mary erklären, warum diese ohne Vater aufwächst?

Die „Hernalser Bräu“ wird derweil von Direktor Schulz geleitet, einem Nazi, der einst den alten (Hermann) Strecha vom Hof jagte, nachdem dieser die Bräu von Glickstein gewaltsam an sich gerissen hatte. Nun sind die Stunden von Schulz als Direktor gezählt, denn die Russen stehen vor den Toren der Stadt. In seiner Not greift er zu einem probaten Mittel: Der alte Fritz Bielohlawek wird als Direktor installiert, um die Russen zu täuschen. Da Bielohlawek zuvor als Bierkutscher tätig war, hat er natürlich keine Ahnung, wie man eine Firma aufbaut und leitet. Er fungiert wissentlich nur als Strohmann, aber so verdient die Familie wenigstens ein wenig Geld.

„Wir haben nicht einmal mehr ein einziges Stückl Brot im Haus. Ich hab seit Wochen keinen Erdapfel mehr gesehen, und was ein Fleisch is, das hab i lang vergessen. Und ihr zwei mokierts euch über Tschick? Sagts einmal: Geht’s noch?“

„Hast eh recht, Fanny. Der Wickerl und i, wir gehen jetzt und schauen, ob wir irgendwo was auftreiben können. Mehr können wir eh ned machen, immerhin schalten s’ gleich den Strom wieder ab.“

Fritz und Fanny Bielohlawek treiben jedoch andere sorgen um, denn von Sohn Wickerl gibt es zunächst keine Spur. Im April 1945 wird dieser nach über vier Jahren aus dem KZ Buchenwald entlassen. Als ihm später sein früherer Freund Turl (Strecha) schildert, welch dramatische Erlebnisse dieser als Frontsoldat erleben und erleiden musste, wird schnell klar, dass sich die Beiden in Wirklichkeit nicht mehr viel zu erzählen haben. Wickerl träumt weiter von einem sozialistischen Österreich, wofür sonst soll er das unglaubliche Elend ertragen haben?

Turl lernt unverhofft in einer Gaststätte den Gewerkschafter Franz Olah kennen, unter dessen Führung er später weit aufsteigen (und fallen) wird. Olah nennt sich selbst Sozialist, gehört aber dem rechten Teil der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) an. Als Gewerkschaftsboss kennt er keine Skrupel und geht mitunter brutal mit Schlägertrupps gegen demonstrierende und vor allem streikende Arbeiter vor. Was der Staat nicht kann und die amerikanischen Alliierten nicht wollen, macht Olah. Er sorgt für Ruhe im Kampf gegen die revolutionären, von Russland gesteuerten Kräfte und wird so zum großen Verbündeten der Amerikaner, die ihn fürstlich entlohnen.

Packend wie der erste Teil, aber mit sehr starkem österreichischen Einschlag

Wie schon im ersten Teil werden die Familiengeschehnisse einfühlsam geschildert, wobei die Familie Bielohlawek meist im Vordergrund steht. Hier vor allem Wickerl, der hofft, dass sich die Fehler der Sozialisten von 1918 und später nicht wiederholen, doch schon bald sieht er sich getäuscht. Notgedrungen muss die SPÖ, in der sich Reformer und Revolutionäre einen erbitterten Kampf liefern, mit der konservativen ÖVP eine Koalition eingehen. Der Traum vom sozialistischen Österreich scheint ausgeträumt, nicht zuletzt, weil die Genossen einmal mehr lediglich debattieren, demonstrieren und hoffen, dass sich allein aufgrund der Größe ihrer Organisation alles zum Guten wenden wird. Doch die Amerikaner bringen Geld und Waren, die Russen vor allem politische Parolen.

Fazit:

Den ersten Teil „Wiener Kreuzzug“ sollte man gelesen haben, da sich sonst die familiären Aspekte der Familien Glickstein, Strecha und Bielohlawek, die den Roman dominieren, nur bedingt erschließen. Die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen und Geschehnisse haben einen sehr starken Bezug auf Österreich (personifiziert am Beispiel des späteren Innenministers Franz Olah) und sind somit besonders aufschlussreich, wenn man deren reale Hintergründe kennt. Insgesamt ist „Wiener Auferstehung“ ein durchaus lesenswerter Roman über die Nachkriegsjahre.

Wiener Auferstehung

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