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Weil sie als Tochter eines Wehrmachtoffiziers und einer Großgrundbesitzerin in der DDR nicht studieren darf, zieht Therese Trotha 1953 nach West-Berlin. Dort muss sie erleben, wie die wachsenden Unterschiede zwischen Ost und West auch ihre Familie auseinanderbrechen lassen. Auch ihr Studium gestaltet sich schwierig: Kommilitonen und Professoren machen Therese das Leben schwer, denn als eine von nur zwei Frauen an der juristischen Fakultät ist sie ein Fremdkörper. Dennoch geht sie unbeirrbar ihren Weg, kämpft für eine Anstellung als Richterin und taucht auf Familienfesten rauchend und im Minirock mit wechselnden »Verlobten« auf …
Verständnis für Thereses Träume scheint lediglich ihre Schwägerin Gisela zu haben: Die Schneiderin aus einfachen Verhältnissen hat mit Thereses Bruder eine »gute Partie« gemacht. Doch die Rolle als Hausfrau und Mutter allein füllt sie nicht aus.

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Letzte Kommentare:
06.05.2020 17:17:50
MarySophie

Handlung:
Berlin der 1950er Jahre
Therese Trotha lebt mittlerweile in Berlin, wo sie ihrem Wunsch nachgehen kann und Jura studiert. Doch ihr Studium gestaltet sich als kompliziert, sind doch viele Professoren und Kommilitonen nicht daran gewöhnt, dass Frauen nun ebenfalls studieren können. Nicht nur Therese, sondern auch die zweite Studentin in diesem Jahrgang müssen sich besonders beweisen und sind darauf erpicht, bestmögliche Leistungen zu erbringen. Und besonders Therese ist in sehr willensstark und gibt nicht so leicht auf.

Zeitgleich steht ihre baldige Schwägerin Gisela vor einer anderen Entscheidung. Die Hochzeit steht bevor und ihr Ehemann in spe wünscht sich, dass sie, sobald sich das erste Kind ankündigt, ihre Arbeit als Schneiderin kündigt und sich vollkommen auf ihr Dasein als Ehefrau und Mutter konzentriert. Doch das will die junge Frau absolut nicht, immerhin hat sie schon einige Pläne für die Zukunft und ist an der Nähmaschine besonders begabt....

Meinung:
Das Cover ist farblich etwas nüchtern gehalten und besticht durch zahlreiche verschiedene, recht kühle Blau-Töne. Es sind zwei Damen zu sehen, beide drehen dem Betrachter den Rücken zu, wirken vertraut und scheinen miteinander zu plaudern. Einerseits finde ich das Bild recht schön und passend, es hat einen nostalgischen Hauch. Nicht nur durch den Kleidungsstil, sondern auch durch den leicht verschwommenen und altmodischen Touch des Bildes. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass man es leicht übersehen kann, allein durch das Cover zeichnet sich das Buch nicht aus.

Schon als ich letztes Jahr „Zwei Handvoll Leben“ von der Autorin gelesen habe, fand ich es unglaublich interessant, dem Entstehungsprozess bei Instagram zu folgen. Und genau das hat mir auch bei diesem Buch wieder gefallen, mein Interesse wurde immer weiter gestärkt und ich war so froh, dass der Erscheinungstermin immer näher gekommen ist. Für mich stand außer Frage, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte und bin dem Droemer Knaur Verlag sehr dankbar, dass ich ein Rezensionsexemplar des neuen Buches erhalten habe.

Ein ganz besonderes Detail wartet direkt bei dem ersten Aufschlagen auf den Leser. In den Umschlaginnenseiten gibt es einen Stammbaum, der einen weitreichenden Ausblick in die Vergangenheit der Autorin Katharina Fuchs gibt. Man kann sich bereits mit den Protagonisten vertraut machen und sich einige Details aus dem ersten Band wieder in Erinnerung rufen. Zudem sind so die wichtigsten Personen auf einen Blick vereint.

Das Problem bei mir war, dass ich so gespannt auf das Buch war, sodass meine Erwartungen stark gestiegen sind. Und ich anfangs etwas enttäuscht wurde. Ich hatte große Probleme damit, in den Roman zu starten und bei der Sache zu bleiben. Für mich haben sich ungefähr die ersten hundert Seiten gezogen, ich fand die Handlung nicht direkt spannend und hatte kleine Schwächen dabei, mich an einige Details aus dem ersten Band zu erinnern. Das alles hat mir den Einstieg etwas erschwert und ich hatte schon ein wenig Angst, dass ich mich durch das Buch quälen müsste. Was am Ende glücklicherweise nicht eingetreten ist, nach ungefähr dem ersten Viertel des Buches ging mein Eindruck stetig nach oben. Nicht nur war ich irgendwann in der Handlung angekommen und konnte mich ganz darauf einlassen, sondern die Geschichte wurde immer spannender und auch die Schreibweise hat mir sehr zugesagt. Ich konnte das Buch mit der Zeit nur noch schwer aus der Hand legen und habe schließlich die letzten 200 Seiten innerhalb von wenigen Stunden verschlungen.

Anfangs hatte ich Probleme mit der Schreibweise. Sie ließ sich nicht so flüssig lesen wie erhofft und war etwas hölzern. Die Szenen, aber auch die Protagonisten erschienen nicht so lebendig und menschlich. Nach gut hundert Seiten waren diese negativeren Eindrücke vollkommen weg, ich fand die Geschichte sehr lebendig und es besserte sich alles ins positive. Die Sprache wurde immer flüssiger und ließ sich dadurch auch besser lesen, Situationen erschienen immer authentischer und ließen teils ein lebendiges und farbenfrohes Bild vor meinen Augen entstehen.

Gerade bei jenen Kapiteln, die auf dem Gut Feltin stattfinden entstand eine ganz besondere Stimmung. Nicht nur die Beschreibungen der Gegend war unglaublich gut und ausführlich beschrieben, dort wirkte die Stimmung am stärksten und ließ eine Gänsehaut-Atmosphäre entstehen. Ich glaube, dass mir die Kapitel dort fast sogar am meisten gefallen haben, denn sie ließen viele Erinnerungen an den ersten Band lebendig werden.
Ansonsten findet die Handlung vor allem in Berlin statt. Die Stadt wirkt auf mich recht grau und düster, nur wenige Handlungsorte erstrahlten in einem ganz besonderen Licht. Dazu zählt vor allem das KaDeWe, welches auch hier wieder verheißungsvoll und einladend erscheint und welches besonders viele Bilder vor meinen Augen entstehen ließ. Ich bin froh, dass es auch diesmal wieder eine Rolle spielt, fast hätte ich mir noch ein bis zwei mehr Szenen dort gewünscht.

Es findet eine Erzählsituation aus fünf verschiedenen Sichtweisen statt. Bei der von Charlotte war ich mir etwas unsicher, ob sie unbedingt sein musste. Im Grunde war sie nicht entscheidend für die Handlung, war eher ein netter Zusatz, der noch einen anderen Blick auf die Charaktere erlaubt.
Die anderen vier Erzählperspektiven waren alle für die Handlung sehr wichtig und haben nicht nur verschiedene Einblicke zueinander gegeben, sondern auch zu der politischen Situation. Zudem konnte man sich selbst auch einen besseren Blick auf die Protagonisten erlauben und sie besser kennenlernen, einschätzen und so auch die Handlungen bewerten.
Die Handlung blieb so stets abwechslungsreich und es konnte nie Langeweile entstehen. Man wurde als Leser auch dazu angeregt, das Buch nur ungern aus der Hand zu legen, es gab öfter mal am Ende von Kapiteln einen kleinen Cliffhanger, der natürlich viel Spannung erzeugt hat.

Therese studiert Rechtswissenschaft und mir war bewusst, dass ihr Studium eine nicht unbedeutende Rolle einnehmen wird. Für mich nahm der Umfang dessen zu große Maße an. Oft wurden verschiedene Fälle detaillierter dargestellt, wo ich mich nur sehr schwer rein denken konnte und auch ein wenig Verständnisprobleme hatte. An diesen Stellen fiel mir das Lesen wieder ein klein wenig schwerer und ich war froh, wenn die Abschnitte rund um rechtliche Details zu Ende waren.
Ich fand es schade, dass gerade Therese sich so viel mit dem Recht befasst, ansonsten war sie mir wirklich am sympathischsten und ich mochte ihre Kapitel am meisten. Einige Charakterzüge habe ich an mir wiederentdeckt und ich konnte mich mit Therese ein wenig identifizieren.

Es war einfach unglaublich zu lesen, was die verschiedenen Protagonisten erlebt haben und wie lebendig Katharina Fuchs sie werden lassen hat. Man merkt deutlich, dass die Autorin in einem sehr guten Kontakt mit ihnen steht und sie deutlich charakterisieren kann. So entsteht eine starke Zeichnung und es ist aus so vielen Szenen herauslesbar, dass es sich hier um wirkliche Personen handelt, die teils noch leben, teils bereits verstorben sind. Am liebsten würde ich ganz viele davon kennenlernen und noch viele weitere Geschichten über die Vergangenheit aus ihrem Munde hören.
Passend zu diesen tatsächlich geschehenen, privaten Episoden der einzelnen Protagonisten gibt es auch immer wieder zahlreiche Details über die Politik und die allgemeine Geschichte der Bundesrepublik, damals noch zur Zeit der BRD und DDR. Hier fand ich es interessant, wie die verschiedenen Personen mit den politischen Sichtweisen und der allgemeinen Lage umgehen, sie kritisch hinterfragen und was manche planen... So wurde die Geschichte leicht und anschaulich vermittelt und ich denke, dass damit verschiedene Zielgruppen erreicht werden.
Diverse Ereignisse wurden geschickt in die Geschichte eingebunden und manche Informationen hat man fast schon nebenbei vermittelt bekommen und somit auch leicht aufgenommen. Man wurde mit Informationen nicht überschüttet und so habe ich mich auch nie überfordert gefühlt.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass mir besonders Therese sehr sympathisch ist und sie mein absoluter Lieblingscharakter ist. Ich mag ihren willensstarken Charakter sehr und sie scheint eine ganz besondere Person gewesen zu sein. Therese hat nie aufgegeben und mit der Zeit gelernt, dass sie eine unglaublich starke Frau ist, die ihren Weg gehen wird.. Ich habe oft mit ihr mitgefühlt und habe mir stets gewünscht, dass sie ihre Ziele erreichen wird. Und so wie ich Therese einschätze, wird sie genau das geschafft haben.
Viele der anderen Charaktere waren ebenfalls sehr lebendig gezeichnet und hatten ausdrucksstarke Wesen mit viel Persönlichkeit. Ein großer Teil war mir sympathisch und ich hatte viel Freude dabei, sie auf ihrem Weg zu begleiten und mit ihnen Zeit zu verbringen. Sie wirkten in ihrem Handeln sehr natürlich und hatten teils einnehmende Wesen, sodass man sie nur mögen konnte.
Es war sehr authentisch, dass die Protagonisten auch mal Probleme hatten und einige Wege im Stein liegen hatten. Sie hatten alle ihr Bündel zu tragen und kämpften sich aus Tiefpunkten und schlechten Situationen selbst wieder heraus.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass man als Leser frei entscheiden konnte, wen man mag und ob man eine Person als sympathisch einschätzt. Die Autorin überlässt diese Entscheidung vollkommen dem Leser und lenkt die Sympathien nicht in eine bestimmte Richtung.

Fazit:
Nach ein paar Startschwierigkeiten, die sich mit der Zeit komplett gegeben haben, hatte ich viel Freude dabei, das Buch zu lesen. Am liebsten hätte ich die Geschichte in einem Rutsch ausgelesen, ich musste mich immer ein wenig bremsen, um den Roman so lange wie möglich genießen zu können. Katharina Fuchs ist es wieder hervorragend gelungen, ihre Familiengeschichte nicht nur sehr spannend und eingängig darzustellen, sondern auch den Charakteren viel Persönlichkeit, Stärke und Lebendigkeit zu verleihen.
Ich werde leider trotzdem einen halben Stern in meiner Bewertung abziehen. Einmal für den nicht ganz runden Beginn des Buches, zum anderen für die doch sehr zahlreichen Szenen, in denen verschiedenste rechtliche Fälle dargestellt werden. Sie sollten zwar sicherlich dazu dienen, manche Situationen so nah an der Realität wie möglich darzustellen und lebendige Beispiele geben, doch ich habe mich damit schwer getan und konnte vieles nicht vollkommen nachvollziehen. Mir fehlt dafür wahrscheinlich das passende Hintergrundwissen, als auch das Interesse an der Rechtssprechung.
Ansonsten war das Buch einfach hervorragend, ich würde aber zum Verständnis empfehlen, auf jeden Fall beide Bände der Reihe zu lesen, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen und einfach die Vorgeschichte zu kennen. Ich freue mich auf mehr solcher stark recherchierten, ausdrucksvollen Bücher!

21.04.2020 13:47:58
dorli

In „Neuleben“ gewährt Katharina Fuchs dem Leser wieder tiefe Einblicke in ihre Familiengeschichte - nachdem in „Zwei Handvoll Leben“ die Erlebnisse ihrer Großmütter das Geschehen bestimmt haben, stehen diesmal mit Gisela und Therese die Mutter und die Tante der Autorin im Mittelpunkt der Handlung. Aber auch wie es Anna, Charlotte und den anderen Familienmitgliedern in den 1950er Jahren ergangen ist, spielt natürlich eine Rolle.

Auch wenn es für das Verständnis der Handlung dieses Romans nicht unbedingt vonnöten ist, den ersten Teil gelesen zu haben, halte ich es für ratsam, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser spannenden Fortsetzung noch erhöht.

Die Handlung beginnt im Jahr 1953. Wirtschaftswunder und beginnender Wohlstand prägen den Alltag, das vom Krieg gezeichnete Berlin blüht wieder auf – zumindest im Westteil der Stadt. Sowohl Therese wie auch Gisela haben eine klare Vorstellung davon, wie ihre Leben und ganz besonders ihre beruflichen Laufbahnen aussehen sollen. Beiden wird es allerdings nicht leicht gemacht, ihre Träume und Ziele zu verwirklichen, denn die Emanzipation steckt noch in den Kinderschuhen und eine berufstätige Frau mit Ambitionen stößt fast überall auf Ablehnung.

Da Therese in der DDR ein Studium verwehrt wurde, ist sie zu ihrem leiblichen Vater nach West-Berlin gezogen und studiert als eine von zwei Frauen Jura an der Freien Universität Berlin. Für ihr Ziel, Vorsitzende Richterin zu werden, arbeitet sie hart. Doch ihr werden viele Steine in den Weg gelegt, besonders die Diskriminierung durch frauenfeindliche Professoren und konservativ eingestellte Mitstudenten macht ihr das Leben schwer. Aber Therese hat einen starken Willen und kämpft…

Gisela wird in Kürze Thereses Bruder Felix heiraten. Von Felix’ Plänen, dass sie sich nur noch um den Haushalt kümmert, wenn er sein Diplom hat, hält die gelernte Schneiderin gar nichts. Sie möchte in einem großen Modehaus arbeiten, die aktuelle Mode mitgestalten und extravagante Schnitte entwerfen. Um ein Einkommen zu haben, während Felix studiert, nimmt Gisela eine Stelle im alteingesessenen Konfektionshaus Engelmann an, obwohl dessen Kollektion in Giselas Augen viel zu langweilig und hausbacken ist…

Katharina Fuchs hat einen wunderbaren Schreibstil. Die Geschichte wird mitreißend erzählt und besticht vor allen Dingen durch die stimmige Atmosphäre. Alles wirkt so echt und wie aus dem Leben gegriffen. Neben dem abwechslungsreichen Miteinander der Akteure sorgen unzählige Details aus allen Lebensbereichen für Authentizität und lassen ein vielschichtiges Bild von Ort und Zeit vor den Augen des Lesers entstehen.

„Neuleben“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert - die reale Familiengeschichte hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mich auch lebensnah an einem Stückchen deutscher Geschichte teilhaben lassen. Absolute Leseempfehlung!

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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