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Annette Gloser
Die Schönheit, das Glück und die Spiele der Macht

Buch-Rezension von Annette Gloser Okt 2020

Urbino, 1494: Raffael Sanzio ist noch ein Kind als sein Vater stirbt. Der Vater, Meister einer von Herzog Guidobaldo da Montefeltro geschätzten Malerwerkstatt, hat den Sohn schon früh in die Lehre genommen. Dennoch ist der Elfjährige noch weit davon entfernt, selbst Meister zu sein, um die Bottega, die Werkstatt, allein führen zu können.

Aber er hat Glück: Die Werkstatt wird nicht verkauft und unter Anleitung eines ehemaligen Gesellen seines Vaters kann der begabte Junge weiter das Malen lernen. Doch es zieht ihn auch hinaus in die Welt, nach Rom, nach Florenz, weg aus dem eher kleinen Urbino. Und als sich die Chance bietet, mit einem Freund seines Vaters nach Siena zu gehen und dort zu arbeiten, stürzt er sich in das Abenteuer. In Siena begegnet er jener Frau, die seine große Liebe wird und deren Gesicht noch heute tausende Menschen von seinen Madonnenbildern kennen: La Fornarina, die schöne Bäckerstochter Margharita Luti. Doch inmitten einer Welt, die von Machthunger, Kriegen und unsäglichen Grausamkeiten geprägt ist, scheint das Glück der beiden jungen Leute nicht von Dauer zu sein.

Panoramabild

Schreibt man einen Roman, so muss man bei einem großen Künstler wie Raffael ganz sicher Schwerpunkte setzen. Dies bringt allerdings auch mit sich, dass dabei einzelne Aspekte vielleicht weniger Beachtung finden. Noah Martin legt seinen Schwerpunkt auf die Persönlichkeit Raffaels, nicht unbedingt auf den kunsthistorischen Aspekt, obwohl das Schaffen des Malers – insbesondere im Vatikan- natürlich eine wesentliche Rolle im Roman spielt. Und dem interessierten Leser kann es durchaus passieren, dass er dann doch den Roman beiseitelegt und erst einmal nach den beschriebenen Gemälden googelt, schließlich weiß man gern, wovon man da liest. Aber es geht nur wenig um die Entstehung des großen Künstlers, seine Arbeit an sich selbst, sein Ringen um Perfektion. Vielleicht hätte sich der eine oder andere Leser auch gewünscht, mehr über jene Künstler zu erfahren, die Raffaels Lebensweg begleitet haben. Der Autor hat sich jedoch für ein großes Panorama entschieden, in welchem eben auch die Kirchenpolitik und die kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb Italiens eine große Rolle spielen. Dabei geraten dann einige Protagonisten eher flach. Ein Michelangelo zum Beispiel, der immer nur schlechte Laune hat und andere Leute mies behandelt, der offenbar auch gar keine guten Tage kennt. Oder Sebastiano del Piombo (Luciani), bei dem man nicht wirklich nachvollziehen kann, warum er so handelt und denkt wie er es im Roman tut und auch in der Realität getan hat. Hier hätte ein wenig mehr Tiefe dem Roman nicht geschadet.

Recherche und Phantasie

Mit „Raffael - Das Lächeln der Madonna“ legt Noah Martin ein wahres Schwergewicht als Erstlingswerk vor. Das darf man sowohl wörtlich nehmen, 627 Seiten wiegen ganz schön, als auch im übertragenen Sinne, denn unter den Großen der Renaissance stellt Raffael eine gewichtige Persönlichkeit dar. Und solche Persönlichkeiten haben im Regelfall viele Facetten, denen man gerecht werden muss. Der Autor nutzt die dramatische Liebesgeschichte zwischen Raffael und Margharita als roten Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht, stellt jedoch diese Liebesgeschichte in den politischen und gesellschaftlichen Rahmen der Zeit. Immer wieder merkt man, dass Noah Martin hier eine enorme Recherchearbeit geleistet hat, sowohl wenn es um das Leben Raffaels geht als auch dann, als die Kriegszüge Cesare Borgias geschildert oder politische Kabalen im Vatikan dargestellt werden. Der Autor hat sich der Herausforderung gestellt und es geschafft aus den vielen zusammengetragenen Fakten kein Lehrbuch, sondern einen anspruchsvollen und interessanten Roman zu machen; gewürzt mit einer gehörigen Portion Phantasie.

Denn über Margharita Luti ist nur wenig bekannt. Wer ihre Liebe zu Raffael zum Thema eines Romans machen will, dem bleibt nichts weiter übrig, als sich seine eigene Geschichte auszudenken und sie mit den bekannten Fakten zu verknüpfen. Noah Martin äußert sich dazu ausführlich in seinem Nachwort. Wer also diesen Roman zur Hand nimmt, der liest – trotz all der vielen Fakten, die hier mit eingeflossen sind- keinen Tatsachenbericht, sondern eine Geschichte, die der Autor erdacht hat. Allerdings ist das ja letztendlich bei jedem historischen Roman so und wichtig ist dabei eigentlich nur die Frage, ob es tatsächlich so gewesen sein könnte. Das muss dann jeder Leser für sich entscheiden. Ich fand die Geschichte jedenfalls in den meisten Punkten glaubhaft.

Fazit:

Ein opulenter Roman, der hoffentlich dazu geeignet ist, einem breiten Lesepublikum die Persönlichkeit eines genialen Künstlers nahe zu bringen und sich ein wenig mehr mit einer großartigen Zeit zu beschäftigen, der Renaissance. Nicht unbedingt etwas für studierte Kunsthistoriker, für interessierte Laien allemal eine Einstiegshilfe!

Raffael - Das Lächeln der Madonna

Raffael - Das Lächeln der Madonna

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Letzte Kommentare:
23.07.2020 15:26:55
MariaAmalia

Überzeugt hat mich der Roman nicht wirklich, meine Erwartungen waren hier ganz andere. Wenn man schon einem der berühmtesten Maler der Renaissance anlässlich seines 500. Todestages einen Roman widmet, dann gehe ich eigentlich davon aus, dass eben jener Raffael und sein Werk im Fokus der Handlung stehen. Für mich war das auch der Grund, warum ich überhaupt mal wieder zu einem historischen Roman gegriffen habe. Leider kamen Kunstgeschichte und italienische Renaissance-Malerei viel zu kurz und der gute Raffael hatte über weite Strecken nur eine Statistenrolle inne, genauso wie seine Kollegen Michelangelo und Leonardo da Vinci. Letztendlich beinhaltet der Roman viel oberflächliche (Kirchen-)Politik, zu viele schlecht gezeichnete Figuren, zu viele Handlungsstränge, zu viele Klischees und zu viel pilchereskes Liebesgeturtel zwischen Raffael und Margaretha Luti. Alles in allem heillos überfrachtet, am Thema vorbei, nicht wirklich spannend und mit einigen Längen.

25.05.2020 22:16:43
SusanK

Raffaello Sanzio da Urbino, ein italienischer Maler und Architekt, gilt noch heute als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde ihm der Titel "Meister" verliehen.
Geboren in Urbino, führte ihn sein Leben und Schaffen für weltliche Auftraggeber über Perugia, Città di Castello und Florenz schließlich nach Rom, wo er im Apostolischen Palast die päpstlichen Gemächer mit monumentalen Wandgemälden schmückte und schließlich mit zum Architekten und Bauleiter der Peterskirche ernannt wurde. Beeinflusst wurde er dabei stets von seiner Zeit: den zahlreichen Fehden von Päpsten, Fürsten und Königen, aber auch einem neuen Denken und Wissen, seinen Begegnungen mit Michelangelo und Leonardo da Vinci - und seiner Liebe zu der Margherita Luti.

Ausgangspunkt für diesen opulenten Roman von Noah Martin waren nach eigenen Angaben des Autors Spekulationen eines Kunsthistorikers über eine geheime Hochzeit Raffaels mit Margareta, über die er eine wunderschöne, wenn auch dramatische LIebesgeschichte erdachte. Doch alles andere in diesem Buch ist akribisch recherchiert und zu einem historisch belegten, spannenden und faszinierenden Gemälde über Raffaels Leben und seine Zeit komponiert.
Immer wieder habe ich neben der Lektüre die beschriebenen Werke von Raffael im Internet betrachtet und mich auch über die vielen historischen Personen und Ereignisse informiert und hatte somit eine Geschichtsstunde, wie sie lehrreicher, anschaulicher und eindrucksvoller nicht sein könnte.

Die Schreibweise und der Erzählstil von Noah Martin ist bildgewaltig und farbenprächtig, dabei aber absolut flüssig und spannend. Tief wurde ich in die Zeit der Hochrenaissance hineingezogen und fühlte mit Raffael, seinen Förderern und Freunden sowie seinen Feinden mit.

Die Protagonisten sind äußerst lebendig, authentisch, absolut mehrdimensional und gefühlsbetont ausgearbeitet und Martin gelang es, dass es von allen ein klares Bild vor Augen hatte. Wie gerne hätte ich Leonarda da Vinci selbst kennengelernt, wie gerne hätte ich Raffael bei seiner Arbeit live über die Schulter gesehen!

Überaus beeindruckt bin ich davon, wie der Autor so viele Puzzlesteine aus dem Leben Raffaels und der Geschichte der Renaissance zu einer einzigen gefälligen Geschichte zusammenfügt, niemals den roten Faden verliert und den Leser durch ständige Spannung bei der Stange hält in diesem opulenten Epos.

Für mich ist "Raffael - Das Lächeln der Madonna" von Noah Martin ein Meisterwerk über einen der bedeutendsten Künstler der Geschichte und ein Romangenuss der Extraklasse und ich bin sicher, dass nicht nur Kunst- und Geschichtsinteressierte ihre Freude an diesem herausragenden Roman haben werden.
Auf jeden Fall werde ich diesen interessanten Autor weiter im Auge behalten und freue mich schon auf weitere Werke von ihm!

24.05.2020 00:32:22
TochterAlice

Prall und sinnlich: Wie man sich eben so das Leben im Zeitalter der Rennaissance so vorstellt - so ist auch diese Romanbiographie über den Künstler Raffael.

Es geht rund und zwar in jeder Hinsicht: sowohl Ränke und Intrigen als auch jede Menge Frauengeschichten spannen sich um den Maler und seine Zeitgenossen. Da machte es nichts, dass er zeitlebens inmitten des Klerus lebte und wirkte - Medici und Borghia sind nur zwei Namen, die deutlich werden lassen, dass Kirche und Enthaltsamkeit damals zwei verschiedene Paar Schuhe waren.

Wir lernen den Künstler Raffael hier als geselligen und lebensfreudigen Mann kennen, dem seine Mitmenschen am Herzen lagen - so oder ähnlich mag er wohl gewesen sein und ähnlich waren auch die Geschichten, die um ihn kreisten.

Ab und zu war es mir dann doch ein wenig zu üppig und zu viel: auch wenn der Autor Noah Martin dem Werk eine akribisch geführte Liste aller Handelnden vorangestellt hat, war es mir im Endeffekt dann doch ein wenig zu kleinteilig, zu langatmig und insgesamt ein bisschen des Guten zu viel. Auch wenn ich ihn insgesamt sehr gerne gelesen habe, den Roman um Raffael und seine Zeit!

25.04.2020 14:52:08
elke17

Raffael, geboren 1483 in Urbino, gestorben 1520 gestorben ihn Rom. Maler und Architekt der Renaissance, dieser faszinierenden Epoche, der wir so viele weltberühmte Werke und Baudenkmäler verdanken. Zeitgenosse Michelangelos und Leonardos, Womanizer und Madonnenmaler. Ein Ausnahmekünstler mit vielen Facetten.
Und genau dieser Raffael steht im Zentrum des Romans von Noah Martin, der damit nicht nur eine lesenswerte Künstlerbiografie sondern auch einen historischen Roman geschrieben hat, der den Leser in das Italien einer längst vergangenen Zeit entführt.

Sein Werdegang ist erstaunlich. Früh auf sich allein gestellt, übernimmt der talentierte Junge die Malerwerkstatt seines Vaters, verlässt seine Heimat wegen politischer Unruhen in Richtung Perugia und holt sich bei Meister Perugino den letzten Schliff. Hier entstehen auch seine ersten Meisterwerke. Über Città di Castello dann nach Florenz und schlussendlich nach Rom. Seine Dienste stellt er überwiegend dem Klerus zur Verfügung, aber nimmt auch Aufträge solventer Bürger an.

Er ist ruhelos, im Leben wie in der Liebe, und es sind viele Frauen, die seinen Weg kreuzen. Doch keiner fühlt er sich so verbunden wie Margaretha Luti, der Fornarina, der er in zahlreichen Bildern ein Denkmal setzt. 1520 stirbt er, gerade einmal 37 Jahre alt.

17.02.2020 07:45:47
StephanieP

Im Buch „Raffael und das Lächeln der Madonna“ begleitet der Leser den Künstler Raffael Sanzio während seiner Schaffenszeit. Raffael ist einer der gefragtesten und begabtesten Künstler der Renaissance und wurde sogar in Rom beauftragt seine Altarbilder zu malen. Raffael hat sich in die Bäckerin Margherita verliebt, doch er ist aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen und der Machtkämpfe immer auf der Flucht.

Noah Martin schafft es die Epoche der Renaissance sehr authentisch und glaubwürdig darzustellen. Sein Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich daher sehr schnell lesen. Da der Autor ein großes Kunstverständnis aufweist und ausführlich recherchiert hat, lösen seine Beschreibungen der Gemälde und Orte beim Leser großes Kopfkino aus. Besonders gut gefällt mir zudem, dass der Autor auch die damaligen Machtverhältnisse und –kämpfe sowie die gesellschaftlichen Ansichten ausführlich in seinen Roman einbindet. Hierbei entstehen allerdings hin und wieder ein paar langatmige Szenen.

Noah Martin schafft es in seinen Roman sowohl reale Personen als auch fiktive Charaktere einzubinden. Ausnahmslos alle Protagonisten sind äußerst interessant und als Leser möchte man unbedingt mehr zu ihrem Leben, den Ansichten und dem Werdegang erfahren. Besonders gut gefällt mir die Einbindung historischer Personen, wie Leonardo da Vinci oder Michelangelo. Aber auch in politischer Sicht und der damaligen Machtpositionen wird auf historische Fakten und Personen zurückgegriffen, was die Handlung besonders glaubwürdig erschienen lässt.

Die historischen Fakten wirken gut und aufwendig recherchiert und haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Obwohl ich bezüglich Künstlern und Kunstgeschichte eigentlich uninteressiert bin, hat mir der historische Roman sehr gut gefallen und ich habe mich nach dem Lesen sogar noch mit Raffaels Werken befasst. Natürlich wurden hin und wieder zu Gunsten der Handlung die historischen Fakten etwas verändert. Dies führt der Autor allerdings in seinem Nachwort auf.

FAZIT:
„Raffael und das Lächeln der Madonna“ ist ein aufwendig recherchierter historischer Roman, welcher einen Einblick in das faszinierende Leben des Künstlers ermöglicht. Zudem werden die gesellschaftlichen Entwicklungen zur Zeit der Renaissance sehr authentisch dargestellt. Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch fesseln, obwohl es stellenweise ein paar Längen gab. Daher vergebe ich 4 Sterne!

Zeitpunkt.
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