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Jörg Kijanski
Eine Festung verschwindet, ihre Geheimnisse bleiben

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2019

1907. Welschtirol. Palera liegt auf der Hochebene von Folgaria in unmittelbarer Grenze zu Italien. Die Menschen des beschaulichen Dorfes leben in Armut und Abgeschiedenheit. Fließendes Wasser, Strom, selbst eine befestigte Straße ins nächste Tal gibt es nicht. Dies ändert sich, als die Entscheidung getroffen wird, auf der von Kühen im Sommer genutzten Wiese oberhalb von Palera das Fort Martinella zu errichten. Monate später erschließen zwei Straßen das Dorf, eine Armierungsstraße wird gebaut, um den Martinella genannten Bergrücken zu erschließen. In der Albergo Stella Alpina treffen sich die Dorfbewohner auf einen Rotwein und rätseln, warum ausgerechnet auf der Martinella ein Fort gebaut werden soll? Diese Frage stellt sich auch Stanislaus Haschek, der für die Durchführung der Arbeiten verantwortlich ist. An der vom Generalstabschef vorgegebenen Stelle ist das Fort den Angriffen italienischer Granaten wehrlos ausgeliefert, da die eigenen Geschütze zu schwach sind, um die italienischen Stellungen anzugreifen.

Doch zunächst werden kritische Fragen verdrängt, denn die armen Dorfbewohner erleben einen ungeahnten Aufschwung. Durch hunderte Arbeiter wird die Gaststätte von Sergio Toller endlich gefüllt, Fabrio Longhi, der Zimmermann, kann sich vor Aufträgen kaum retten und selbst ein Bauer wie Basil Perprummer findet eine besser bezahlte Arbeit. Vor allem aber Paolo Morelli sahnt groß ab, denn der Fuhrunternehmer ist nicht nur wegen seines Lastkraftwagens gefragt, sondern auch besonders geschäftstüchtig. Allerdings arbeitet er nicht immer mit sauberen Mitteln, schlägt seine Frau und steigt Longhis Frau nach. Folglich ist er bei vielen Dorfbewohnern unbeliebt. Dass er mit Anton Rechenberger, dem Werkmeister des Forts, später krumme Geschäfte macht, vermuten viele im Dorf; allein die Beweise fehlen.

Später fehlt zudem reichlich Zement, was bei einem Granateinschlag während des Krieges zu drei Todesfällen führt. Dieser Vorfall wird nicht nur die Dorfbewohner über Jahrzehnte beschäftigen, ebenso wie das zuvor spurlose Verschwinden Fabrio Longhis im August 1913. Mit ihm verschwanden auch geheime Baupläne, doch das Longhi zu den Italienern übergelaufen sein soll, glaubt im Dorf niemand.

Festungsbaugeschichte und dubiose Todesfälle

Autor Rolf Hentzschel ist ein Experte für Festungsbauten im Alpenraum des 20. Jahrhunderts. So erzählt er nicht nur kenntnisreich über den Bau des (fiktiven) Forts Martinella, sondern würzt dies auch mit großem Augenzwinkern, in dem er bissig-ironisch darstellt, was man alles falsch machen kann. „Pfusch am Bau“ durch das Entwenden wichtiger Baumaterialien (durch Rechenberger und Morelli) ist da schon fast eines der kleineren Vergehen.

„12. September 1914: Unternehmen Potemkin: die Bauabnahme! Die Geniedirektion vertuscht die Planungsmängel, die Baufirma die Baumängel und wir unsere Ausbildungsmängel. Meine beiden Sanitäter strangulieren bei der Selbstretterübung um ein Haar einen Statisten.

23. September 1914: Landesschütze P. aus Palera erschießt nachts auf Patrouille seine eigene Kuh auf der Weide vor dem Fort. Sie hatte wohl auf Italienisch gemuht!“

Die Geschichte der Festung, die nach Ende des Ersten Weltkrieges alsbald zum Plündern freigegeben wird (Eisenschrott ist besonders wertvoll), streckt sich über mehrere Jahrzehnte, wobei recht bald nur noch eine Ruine zu bestaunen sein wird. Bis dahin geben sich unterschiedlichste Nationalitäten von Bauarbeitern und Soldaten die berühmte Klinke in die Hand und prägen die Geschichte des (ebenfalls fiktiven) Dorfes und seiner Bewohner. Nach dem Ersten Weltkrieg kommt Mussolini gefolgt vom Zweiten Weltkrieg. Viele Dörfler und wenige Festungssoldaten werden diese Zeit nicht überleben, sei es durch ihren Einsatz im Krieg, natürlichen Tod oder gewalttätige Weise. Letztere gibt dem Roman seine durchgehende Spannung, denn was aus Fabrio Longhi geworden ist, bleibt lange im Dunkeln. Doch noch ein anderes, schreckliches Geheimnis kann erst zu Beginn der 1960er Jahre durch zwei Hobbyforscher weitgehend aufgelöst werden. 

Fazit:

„Gefangene der Festung“ ist eine spannende Reise durch die Zeit der beiden Weltkriege und deren Auswirkungen auf eine bis dato unbelastete, kleine Dorfgemeinschaft. Diese beschäftigte sich bislang mit Fragen der eigenen Identität, denn wenngleich die meisten italienische Namen haben, so sprechen sie doch überwiegend die deutsche Sprache. Ein mysteriöses Verschwinden und ein ebensolcher Granateinschlag verleihen dem Ganzen spürbare Elemente eines Kriminalromans und über den Festungsbau in Südtirol lernt man einiges. Vielschichtige, teils amüsante Unterhaltung, die eine Empfehlung verdient!

Gefangene der Festung

Gefangene der Festung

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