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Nicole Goersch
Kein Historienschmöker, in den man sich vertiefen könnte

Buch-Rezension von Nicole Goersch Okt 2019

London 1932: Violet träumt von einer Karriere als Autorin beim Radio. Dann aber erleidet ihr Großvater, der das Savoy-Hotel leitet, einen Schlaganfall, so dass sie sich als Erbin nun widerwillig um die Geschicke des Luxushotels kümmern muss. Dabei geht es nicht nur friedvoll zu, sondern auch äußerst intrigant. Kann Violet sich behaupten und den Wunsch ihres Großvaters erfüllen?

Viel Platz

Als erstes fallen der großzügige Zeilenabstand und die große Schrift des Buches auf, zudem gibt es mehrere leere Seiten, weil ein Kapitel immer auf der rechten Seite beginnt. Mit knapp vierhundert Seiten kann man dieses Buch deshalb nicht als historischen Schmöker bezeichnen.

Der übersichtliche Text bewirkt, dass die Personen oberflächlich erscheinen, ebenso wie das Geschehen. Nur selten blitzen Wortperlen auf wie zum Beispiel auf Seite 62:„Eine kleine Weile wollte sie sich die Gleichgültigkeit zwischen Nacht und Tag hingeben.“ Ansonsten ist der Schreibstil einfach gehalten und lässt sich zügig lesen.

Viel Verwirrung

Gerade zu Beginn, wenn man noch nicht mit den Figuren vertraut ist, sorgt es für Verwirrung, wenn Violets Großvater manchmal als Sir Laurence und dann wieder als Larry betitelt wird. Selbst in ihren eigenen Gedanken besteht keine Konstanz. Die hochherrschaftliche Atmosphäre, die man mit dem Savoy-Hotel verbindet, blitzt nur ab und zu mal durch.

Leider hat es die angebliche Londoner Hotel-Dynastie, von der hier erzählt wird, so nie gegeben, schon gar nicht im Savoy. Das ist schade, denn wenn man den Klappentext liest, könnte man denken, dass zumindest Personen entlehnt sind, die wirklich gelebt haben. Da unterstellt man dann natürlich auch Absicht, dass am Ende bei den Nachbemerkungen nur auf berühmte Gäste des Hauses eingegangen wird.

Viele Erzählstränge

Am Anfang des Buches gibt es sehr viele lose Erzählstränge, bei denen einige Fragezeichen bleiben. Manche werden im Verlauf der Geschichte geklärt, manche nicht. Auch Violets Herkunft ist lange Zeit unklar. Auf ihre Vergangenheit wird nur sehr wenig eingegangen. Ausführlichere Beschreibungen, auch Ausschweifungen, Erläuterungen oder Charakterzüge, die anhand von Anekdoten oder Episoden erzählt werden, hätte man sich reichlicher gewünscht. So bleibt nur ein Geschichtsgerüst, das unbefriedigend ist. Es bleibt zu viel Raum für Spekulationen offen. Absichten und Motivationen für Handlungen der einzelnen Charaktere werden nicht erklärt.

Die Intrige, die sich um das Hotel und Sir Laurence spannt, ist aufregend, auch aufgrund der historischen Hintergründe, allerdings bleibt auch hier die wirkliche Motivation, die dahintersteckt, verborgen. Eine komplette Aufklärung gibt es indes ebenfalls nicht, so dass man auf den zweiten Band warten muss. Vielleicht hätte man auch die Geschichte mit Sir Laurence beginnen können, denn zwischen den Zeilen blitzt durch, welch interessantes Leben er hinter sich hat.

Fazit:

Normalerweise möchte man sich als Leser in eine alte Welt fallen lassen und darin versinken, was bei diesem Roman nicht gelingen möchte, dafür gibt es zu wenig Beschreibungen der Umgebung und  des Alltäglichen, die die Fantasie anregen und einen Kosmos erschaffen können. So ist der Roman zu kurz und zu oberflächlich für einen Historienschmöker, der eine vergangene Welt aufleben lässt.

Das Savoy - Aufbruch einer Familie

Das Savoy - Aufbruch einer Familie

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Letzte Kommentare:
10.05.2020 14:47:32
buecherwurm1310

England 1932: Sir Laurence Wilder ist stolz auf sein Hotel Savoy, in dem Menschen aus aller Welt absteigen. Als er einen Schlaganfall erleidet, gibt es eine Überraschung, denn nicht sein Sohn soll das Hotel weiterführen, sondern seine uneheliche Enkelin Violet, die im Hotel bei ihrem Großvater aufgewachsen ist. Obwohl das nicht ihr Plan war, will Violet ihrem Großvater seinen Wunsch erfüllen. Larry hat den Verdacht, dass er vergiftet werden sollte. Es ist nicht leicht für Violet, sich in diese Aufgabe hineinzufinden.
Dieses Buch ist der Auftaktband zu einer Trilogie über das berühmte Hotel Savoy.
Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen und die Geschichte ist unterhaltsam.
Die Personen sind sehr unterschiedlich dargestellt. Einige von ihnen wurden ausführlich beschrieben, anderen blieben recht blass.
Sir Laurence Wilder, genannt Larry, führt das Hotel seit zig Jahren sehr erfolgreich. Daher wurde er sogar zum Ritter geschlagen. Violet wird vor Aufgaben gestellt, auf die sie nicht vorbereitet war. Eigentlich wollte sie Karriere beim Radio machen, aber der Wunsch ihres Großvaters konnte sie nicht abschlagen. Seitens der Familie macht man es ihr auch nicht leicht. Violet verliebt sich in den Hausmechaniker John Mankiewicz, aber eigentlich hatte sie ihr weiteres Leben mit Max Hammersmith geplant, der ihr Chef bei der BBC ist.
In Deutschland verändern sich gerade die politischen Verhältnisse und die Auswirkungen machen sich auch in England bemerkbar.
Es ist schön einmal hinter die Kulissen eines Nobelhotels zu schauen. Am Ende bleiben einige Fragen offen, so dass wir auf die Fortsetzung warten müssen.
Ein unterhaltsamer Roman.

Zeitpunkt.
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