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Jörg Kijanski
Der Tanz auf dem Vulkan geht weiter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2019

Berlin, 1920er Jahre. Gerade einmal drei Monate ist es her, da klärte Kommissar Ariel Spiro seinen ersten Fall auf. Ein jüdischer Bankier wurde ermordet und vor allem dessen Tochter Nike hatte es Spiro angetan. Diese ließ er in dem Glauben, wie sie ein Jude sein, ihrem Bruder Ambros widersprach er nicht, als dieser ihn für homosexuell hielt. Erstmals hatten sich die beiden Geschwister in die gleiche Person verliebt. Doch nachdem sich herausstellte, dass Spiro weder jüdisch war, noch sich zu Männern hingezogen fühlte, zerbrach die Freundschaft und machte einer ohnmächtigen Enttäuschung Platz. Seither fragt sich der Ermittler, was er, der aus Wittenberge zugezogen war, in dieser großen Metropole überhaupt noch verloren habe, zumal er von seinen Kollegen geschnitten wird. Als in einer von Anarchisten bevorzugten Weddinger Kneipe eine Schlägerei ausbricht – die neugegründete Sektion Weddinger Nationalsozialisten gibt ihren unrühmlichen Einstand -, schauen zwei Kollegen unbeteiligt zu, als Spiro heftig Prügel einsteckt.

Viel Zeit, über das Fehlverhalten seiner Kollegen und das vermeintliche Desinteresse von Nike nachzudenken, hat Spiro gleichwohl nicht. Zwei ungewöhnliche Mordfälle stellen ihn vor ein großes Rätsel. Das erste Opfer wird an Bord eines Passagierschiffes auf dem Müggelsee gefunden, das zweite Opfer am gleichen Tag in einem Bus auf dem Weg zum Luna-Park. Die Tatumstände sind identisch, die Todesursache zunächst unklar, ebenso die Identität der Opfer und selbstredend haben die mitreisenden Fahrgäste nichts bemerkt. Eine späte Spur führt Spiro in das Milieu russischer Immigranten, die nach wie vor in großer Zahl die Stadt bewohnen; darauf wartend, dass in ihrer Heimat der Bolschewismus zusammenbricht. Spiro und sein Partner Bohlke tappen im Dunkeln, da bekommt Spiro unerwartet Besuch. Nike vermisst ihren neuen Freund Anton, die große Hoffnung der Sozialdemokraten im Wedding, wenngleich dieser inzwischen offen mit den Anarchisten sympathisiert. Seit einigen Tagen ist Anton verschwunden …

Stimmungsvoll und facettenreich erzählt

Nach „Der weiße Affe“ (in dem Debüt geht es um die Ermordung von Nikes Vater) setzt Kerstin Ehmke ihre Ariel-Spiro-Reihe kongenial fort. Wenngleich die Ermittlungen aus den oben dargestellten gründen eher auf der Stelle treten, so bietet der Plot dennoch spannende und kurzweilige Unterhaltung. Dies liegt vor allem daran, dass es der Autorin hervorragend gelingt, die Atmosphäre des Berlins der 1920er Jahre einzufangen. Ausufernde Dekadenz auf der einen, bittere Armut auf der anderen Seite. Allen gemein ist jedoch die Gefahr vor der Syphilis in einer Zeit, die keine Tabus zu kennen scheint und alle Hemmungen fallen lässt. Werden in der „besseren Gesellschaft“ rauschende, ekstatische Feste zelebriert, so wissen die meisten Arbeiter nicht, woher sie Wohnraum oder etwas zu essen herbekommen sollen. Die Unterschiede zwischen arm und reich könnten gegensätzlicher nicht sein. In berauschenden wie verstörenden Bildern führt uns die Autorin durch jene Zeit, während die Mordfälle in den Hintergrund treten.

Alsbald wird klar, dass den Verbrechen eine politische Motivation zugrunde liegt. Bei seinem Eindringen in das russische Milieu erhält Spiro umfangreiche Einblicke in die Lage der russischen Emigranten. Mehr als einmal fällt dabei der Name des ukrainischen Volkshelden Nestor Machno, eine Legende der Anarchisten, der im Kampf gegen die Rote Armee von Trotzki im Stich gelassen wurde. Seitdem fehlt auch von ihm jede Spur.

Die Geschichte wird aus ständig wechselnden Perspektiven im Präsens erzählt und springt dabei zwischen den einzelnen Personen hin und her. Dies sorgt für hohe Authentizität, man ist „live“ dabei und steigert zudem das Lesetempo.

Fazit:

Wer in das schillernde Leben Berlins der 1920er Jahre eintauchen will, der findet hier die passende Literatur, welche nicht nur für Fans von Volker Kutscher eine Empfehlung ist. Es geschehen insgesamt vier Morde, die ihrer Auflösung harren. Und auch die Frage, ob und wie es denn womöglich mit Spiro und Nike weitergeht, spukt im Hinterkopf. Denn – zumindest rein gesellschaftlich – passen die (reiche) Bankierstochter und der (arme) Anarchist nicht wirklich zusammen. Doch wohin mag sich die Waagschale der Liebe für Nike neigen?

Die schwarze Fee

Die schwarze Fee

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