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Jörg Kijanski
Opulenter und vielschichtiger Thriller

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2019

London 1748. Der Winter hat die Stadt fest im Griff. König George II. residiert im St. James’s Palace, sein Sohn Frederick ist Kronprinz, der Prince of Wales. Alles wäre in bester Ordnung, gäbe es nicht immer wieder Hinweise auf einen geplanten Aufstand der Jakobiter, die dem im Exil befindlichen Bonnie Prince Charles aus dem Haus der Stuarts zurück auf den Thron verhelfen möchten. Henry Fielding, Friedensrichter von Westminster, wird von höchsten Regierungskreisen gebeten, John Shinfield mit der Suche nach den vermeintlichen Verschwörern zu beauftragen. Shinfield, einst als Spion für die Krone tätig, zog sich nach dem mysteriösen Tod seiner Frau Sara komplett aus der Öffentlichkeit zurück, obwohl er als vermögender Sohn des Earl of Finchempstead einer der begehrtesten Männer der Stadt ist.

Shinfield muss den Auftrag notgedrungen annehmen, denn ein altes Geheimnis darf nicht an die Öffentlichkeit dringen. Eine viel versprechende Spur führt ihn zu seinem früheren Freund Alexander Steele, der angeblich ein Kontaktmann der Jakobiter sein soll. Kurz darauf steht Shinfields Leben plötzlich Kopf. Eine Frau, die sich als Rebecca Fredericks vorstellt, ähnelt seiner Sara verblüffend. Zudem stellt sich ein Mr. Paul de l’Estragnol bei Shinfield vor, der Shinfield seine Hilfe anbietet. Doch bis zuletzt sind die Ziele des geheimnisvollen Fremden unklar. Klar ist indessen nur, dass Shinfields Leben schnell bedroht wird und er niemandem mehr trauen kann.

Als wäre dies nicht schlimm genug, treibt noch ein brutaler Serienmörder sein Unwesen. Bislang nur in den Gassen des Pöbels, die billigen Dirnen in den Armenvierteln sind leichte Beute. Doch der Täter verfolgt noch ein anderes Ziel und schon bald gibt es ein erstes Opfer in den Kreisen der feinen Gesellschaft …

Etliche Intrigen, ein bisschen Jack the Ripper und ganz viel Atmosphäre

Jakob Bedford legt mit „Abtrünniges Blut“ ein vielschichtiges Werk vor, das den Leser grandios in die Mitte des 18. Jahrhunderts entführt. Atmosphärisch brillant dargestellt, erlebt man die ausufernden Gelage des Adels und dessen überbordende Selbstgefälligkeit. Es geht nur um Titel, Einfluss und vor allem um Geld. Wegen dieser Oberflächlichkeiten zog sich John Shinfield vollständig zurück, denn die Einladungen, die er zahlreich erhielt, hatten meist nur einen Zweck: Man wollte ihm die mehr oder wenige ansehnliche Tochter des Hauses vorstellen. Nun muss Shinfield zurück in jene adeligen Schichten, die er innerlich verabscheut, was auch an seiner eigenen Herkunft, genauer an seinem Vater liegt. So nimmt denn auch das Privatleben des Protagonisten einen gehörigen Teil des Romans ein, ohne dass dieser unnötig in die Länge gezogen wird. Die eigentliche Ermittlungsarbeit übernimmt derweil Paul de l’Estragnol ein, der sich in bester Sherlock-Holmes-Manier oftmals zu verkleiden weiß. Seine Rolle bleibt weitgehend unklar und klärt sich erst vollends im ohnehin nicht wendungsarmen Finale auf.

„Die Bedrohung ist noch nicht gebannt, Sir. Mitnichten. Glauben Sie mir, aus dem Untergrund heraus versuchen die Jakobiter weiter, unsere bestehende Ordnung zu stürzen. Dabei unterstützt, das wird Sie nicht erstaunen, werden sie von den Franzosen. Und vom Papst. Bis heute haben die Katholiken sich nicht damit abgefunden, dass sich unsere anglikanische Kirche nicht der Diktatur ihres Kirchenoberhauptes beugt. Denn unser Oberhaupt ist einzig der König. Legitimiert durch unser Parlament.“

Bis zum überraschenden Abschluss gilt es den Intrigen des Adels sowie einem brutalen Monster bei seinen unheimlichen Gelüsten zu folgen. Die Darstellung seiner Brutalität wird jedoch meist nachträglich beschrieben, so dass hier das Kopfkino des Lesers zum Gruseln beiträgt. Die Lebensumstände der einfachsten Menschen, des Bodensatzes der Gesellschaft wenn man so will, werden ebenso wie die Gerüche und sonstigen Eindrücke der Stadt ausdrucksvoll beschrieben und zum Leben erweckt. Dort, wo eine junge, Hunger leidende Dirne für wenig Geld zwangsläufig jeden Kunden akzeptieren muss, egal wie stinkend und besoffen er sein mag, sind die Frauen leichte Beute für ein menschliches Monster, das zwangsläufig ein wenig an Jack the Ripper erinnert.

Fazit:

Der Roman hat zwei parallel laufende Handlungsstränge. Einerseits die Angst vor aufständischen Umtrieben der Jakobiter mit dem Ziel, den deutschstämmigen Protestanten aus dem Haus Hannover, George II., zu stürzen und durch den Katholiken Bonnie Prince Charles aus dem Haus der Stuarts zu ersetzen. Andererseits die Jagd nach einem ebenso brutalen wie gerissenen Serienmörder, der es schon bald nicht mehr nur auf die Dirnen der Stadt absehen wird. Beide Fälle sind eng miteinander verwoben, die Intrigen und Ränkespiele reichhaltig und das Ende überraschend. Bis dahin darf man ganz tief in die Atmosphäre der Stadt und seiner Menschen eintauchen. Leider fehlen dem Buch jegliche Anhänge wie ein Stadtplan oder ein Personenregister. Beides wäre schön beziehungsweise hilfreich gewesen. Von dieser Kleinigkeit abgesehen ist „Abtrünniges Blut“ ein in jeder Hinsicht „gewichtiges“ Buch und eine klare Empfehlung!

Abtrünniges Blut

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