Der Hunger der Lebenden

  • Ullstein
  • Erschienen: Januar 2019
  • 1
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Karin Speck
851001

Histo-Couch Rezension vonSep 2019

Ein heißer Sommer und ein verzwickter Mord

Sommer 1947, es ist unerträglich heiß. Die Menschen leiden unter der Hitze und dem Hunger, denn in Köln so kurz nach dem Krieg gibt es nichts mehr, was das Leben erträglicher machen könnte. Friederike Martthée ist an der Mordermittlung an einer früheren Kollegin beteiligt. Dieser Fall ist kein leichter. Es kommen Dinge zutage, die die Kollegin in kein gutes Licht setzen. Eine Verdächtige ist schnell gefunden, aber hat sie die Tat auch begangen? Nicht nur Zweifel plagen die junge Frau, auch die Not der Ärmsten lässt sie nicht los. Und dann ist plötzlich Richard Davis von der Royal Military Police wieder da. Was empfindet Friederike für ihn und vor allem, wie steht Richard zu ihr? Ob sie eine Chance haben?

Schwere Zeiten für Friederike Martthée

Beate Sauer beschreibt in dem zweiten Fall von Friederike Martthée ausführlich die Zustände im Sommer 1947. Natürlich zum einen den Mord an der Frau, aber vor allem auch die Verhältnisse in dieser Zeit. Das Leben war schwer für die Menschen und vor allem für die Ärmsten der Armen. Kinder sind es, die keine Hilfe bekommen oder nicht die Hilfe, die sie brauchen. Auch Friederike muss das erkennen. So geht ihr dieser Fall näher, als gut für sie ist. Aber gerade dieses Verhalten macht sie auch sympathisch. Sie übt nicht nur einfach ihren Job aus, sondern versucht zu helfen, wo sie helfen kann.

Leider ist es aber eben auch so, dass sie schnell an ihre Grenzen stößt. Grenzen, die ihr von anderen auferlegt werden. Vor allem ihre strenge Vorgesetzte verlangt immer wieder die nötige Disziplin von ihr. Friederike aber lässt sich auf ihrem Weg nicht beirren und wächst mit der Aufgabe. Die Autorin hat einen Charakter erschaffen, der sich nicht aufhalten lassen will. Als Leser ist man an ihrer Seite und hofft immer nur, dass sie es schafft und den Fall so klären kann, dass auch wirklich die Schuldigen bestraft werden und nicht jemand der eigentlich nur zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Bilder der Nachkriegszeit

Frau Sauer zeigt in diesem Roman die traurige Seite der Nachkriegszeit, in der vor allem die Kinder einen schweren Stand hatten. Als Waisen auf sich allein gestellt, heißt es nur: Überleben. Selbst die staatlichen Einrichtungen, die sich eigentlich um die Kinder kümmern sollten, sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Überhaupt scheint es fast so zu sein, dass die eigentliche Krimihandlung nur so nebenbei läuft. Das Leben der jungen Polizistin ist fast interessanter und ihre Arbeit sozusagen Beiwerk.

Die private Seite der jungen Frau hat ebenso seinen Weg in die Handlung gefunden. Die Entscheidung ihres Herzens ist dann auch keine leichte. Aber die Liebe kommt nur mit leisen Tönen daher und ist eher nur am Rande wahrnehmbar, was aber angenehm zu lesen ist.

Fazit:

„Der Hunger der Lebenden“ ist ein berührender Fall, nicht nur für Friederike Martthée. Er ist spannend aufgebaut und erzählt gleichzeitig von dem Leben in diesem einen Jahr in Köln. Auch die Auflösung kommt nicht zu schnell daher. Erst so nach und nach klärt sich alles auf. Erschreckend ist die Situation der Kinder dargestellt, erschreckend aber nachvollziehbar. Ein lebhaftes Bild dieses Jahres hat die Autorin Beate Sauer erschaffen und man darf darauf hoffen, dass Friederike Martthée noch so einige Fälle wird lösen dürfen.

Der Hunger der Lebenden

Beate Sauer, Ullstein

Der Hunger der Lebenden

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