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Alexandra Hopf
Auftakt einer Reihe zur Entwicklung der Kinogeschichte

Buch-Rezension von Alexandra Hopf Aug 2019

1926 lebt Elsa, ehemals Schauspielerin am Wiener Burgtheater, glücklich mit ihrem Mann Karl in München, welche die zweitgrößte Kinometropole nach Berlin ist. Karls Mutter, Zenzi, hat in jungen Jahren mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann Quirin mit zwei kleinen Ladenkinos den Grundstein für die Donaubauer-Dynastie gelegt. Schon damals hatte sie die Zügel fest in der Hand und auch heute leitet die Patriarchin mit Unterstützung ihrer Kinder das mittlerweile auf fünf Kinos angewachsene Imperium. Gerade eben wurde das imposante Lichtspielhaus „Elvira“ eröffnet. Das luxuriöse Kino ist das modernste in München und Karls und Elsas ganzer Stolz. Karl verwirklichte die Idee mit Heinrich, seinem Schwager und Kamerad aus Kriegstagen. Doch mitten in all der Freude bricht für Elsa die Welt zusammen. Klammheimlich verlässt sie Karl. Er geht mit der farbigen Revuetänzerin Flora Bloem nach Amerika, um dort mit seiner Geliebten ein neues Leben aufzubauen. Doch Elsa ist eine ebenso starke Frau wie ihre Schwiegermutter Zenzi. Verbissen kämpft sie um das Erbe ihrer beiden Töchter Sidonie und Jette. Sie muss sich gegen ihre willensstarke Schwiegermutter und gegen ihren Schwager Heinrich behaupten. Der Spagat zwischen Karriere und alleinerziehender Mutter ist kaum zu schaffen. Ihr Privatleben bleibt vollends auf der Strecke. Dann erlangt der Tonfilm seinen Aufschwung und löst den Stummfilm ab. Die Technik aller Lichtspielhäuser muss kostspielig umgerüstet werden und das nachdem der Bau des Elvira schon immense Ausgaben mit sich gebracht hat. Wird sich Elsa in ihrem verbissenen Kampf bei der Donaubauer- Dynastie behaupten können?

„Wir Donaubauer- Frauen schaffen das allweil allein“

Heidi Rehn ist schon für ihre gut recherchierten Familiensagen bekannt. Diesmal spielt ihre Geschichte zwischen der Goldenen Zwanzigern und den vierziger Jahren. Sie lässt den Leser bereits wissen, dass diese Reihe fortgesetzt werden wird und dann zeitlich später angesiedelt sein wird. Als besonderes Thema hat sich die Autorin die Entstehung der Lichtspielhäuser in Deutschland herausgesucht. Wie gewohnt hat Heidi Rehn dazu exzellente Recherchearbeit betrieben und man kann diesbezüglich einiges Wissenswertes erfahren. Nach typischer „Rehn“-Manier erfolgt die Beschreibung der damaligen beeindruckenden Kinosäle sehr bildhaft und man hat als Leser das Gefühl selbst inmitten dieser Etablissements zu stehen und alles mit eigenen Augen zu betrachten.

Schleppender Beginn, nimmt gegen Ende aber Fahrt auf

Obwohl der Roman mit einem Paukenschlag beginnt und man nach der „Flucht“ von Karl mitten im Geschehen steht, läuft die Geschichte eher schleppend an. Der Beginn dreht sich zunächst nur um die Filme der damaligen Zeit und die ganze Handlung zieht sich etwas. Es werden viele Filmtitel und Schauspielgrößen damaliger Zeit wie z.B. Hans Albers oder Heinz Rühmann namentlich genannt. Aber in der Gesamtheit wirkt es fast wie eine ermüdende Aufzählung. Man hat immer das Verlangen, dass doch endlich etwas Entscheidendes passieren müsste. Mit Auftreten der Figur Hitler gewinnt der Roman endlich an Brisanz. Sehr geschickt verbindet die Autorin ihre fiktive Geschichte der Familie Donaubauer mit den realen historischen Begebenheiten. Man kann den Wandel vom  Auftreten Hitlers bis zu seiner Machtergreifung mitverfolgen. Plötzlich ist ein Lichtspiel nicht nur zum Vergnügen da, sondern dient als Instrument für den Nationalsozialismus um seine Propaganda ans Volk heranzubringen. Heidi Rehn vermittelt dem Leser anhand ihrer Persönlichkeiten wie gespalten auch das deutsche Volk durch die damalige Entwicklung war.

Authentisch überzeugende Charaktere

Der männliche Protagonist Heinrich bezieht relativ zügig Position hinter den Forderungen und Vorstellungen seiner nationalsozialistischen Freunde. Doch kann er dem Leser nicht wirkliche Sympathien entlocken, zu stark ist die Konkurrenz mit den beiden weiblichen Protagonisten.

Zenzi ist ein echtes bayrisches Urgestein. Eine wahnsinnig starke Frau, die allerdings eher wie ein Mann im Frauenkörper wirkt. Das liegt wohl auch an ihrer imposanten Größe, ihrer dröhnenden Stimme und ihrer Leidenschaft Zigarren zu rauchen. Doch sie weiß, was sie will, und dadurch beeindruckt sie die Leserschaft. Ihr ganzes Lebenswerk ist der Aufbau der Donaubauer-Lichtspiele. Es gilt allein dieses Imperium der Familie zu erhalten. Sehr besonnen wägt sie ab, welche Entscheidungen sie treffen muss. Vor allem als die Kinos zu Propagandainstrumenten werden, versucht sie einen Mittelweg zu finden, ohne sich klar zu Hitler positionieren zu müssen und trotzdem nicht Gefahr zu laufen die Lichtspiellizenzen durch Fehlverhalten zu verlieren.

Elsa steht ihrer Schwiegermutter in persönlicher Stärke in nichts nach. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind, bilden sie trotzdem ein gutes Team, vor allem, wenn es darum geht, den parteitreuen Heinrich in die Schranken zu weisen. Trotz der Tiefschläge lässt sie sich nicht unterkriegen und kämpft wie eine Löwin. Sie liebt ihre Töchter über alles, auch wenn die leider in ihrer Kindheit durch die Kinos etwas vernachlässigt werden. Aber schließlich geschieht das alles nur zu ihrem Besten.

Sprachlich eine besondere Herausforderung

Die Sprache der Autorin ist generell leicht verständlich und eher trivial. Allerdings bedient sie sich einer Besonderheit, die den Lesefluss leider unangenehm stört. Es wird hier einiges in bayrischem Dialekt kommuniziert. Da sich beispielsweise Zenzi nur in Dialekt verständigt, macht dies das Lesevergnügen doch recht anstrengend, auch wenn Heidi Rehn am Ende ein Glossar mit Worterklärungen anhängt und dabei auch besondere bayerische Begriffe erläutert werden.

Der zweite Punkt, der das Lesen des Werkes etwas ausbremst, sind die größeren Zeitsprünge zwischen den Kapiteln. Es wird zwar in der Kapitelüberschrift immer darauf hingewiesen und die fehlende Handlung in Rückblenden ergänzt, aber dabei wechselt die Erzählperspektive. Man muss sich immer erst wieder darauf einstellen, dass aus der Sicht einer anderen Person berichtet wird.

Stilvolles Cover

Der Knaur Verlag liefert zum ersten Teil dieser Saga ein stimmungsvolles Cover. Es zeigt einen beeindruckenden Kinosaal. Darin steht eine elegant gekleidete Frau, die ihre Haare im Stil der zwanziger Jahre frisiert hat. Am Ende des Buches befindet sich das bereits erwähnte Glossar und eine umfassende Liste in dem alle genannten Filme aufgezählt und erläutert werden.

Fazit:

Heidi Rehn kann mit ihrer exzellenten Recherchearbeit überzeugen. Es gelingt ihr dem Leser einen großen Einblick in die Geschichte der Kinowelt zu vermitteln. Auch die historisch reale politische Entwicklung in Deutschland wird interessant wiedergegeben.

Leider wird der gute Eindruck durch den schleppenden Beginn und die dadurch bedingten Überlängen etwas getrübt. Auch die Tatsache, dass die Verwendung von übermäßig viel Dialektsprache den Lesefluss unterbricht, wirkt sich im Gesamteindruck etwas störend aus.

Am Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse und man hätte da gerne noch etwas ausführlicher erfahren wie es weitergeht. Das Buch endet genau mit Beginn des Zweiten Weltkrieges. Leider wirkt der Schluss dann etwas abrupt.

Trotzdem kann man gespannt sein, wie es wohl im Frühjahr 2020 weitergeht. Denn mit dem Hinweis auf die Fortsetzung lässt die Autorin den Leser zurück.

Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung

Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung

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