Das Geständnis der Frannie Langton

Erschienen: Mai 2019

Bibliographische Angaben

*Übersetzung: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann

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Annette Gloser
Ein Leben erzählen

Buch-Rezension von Annette Gloser Aug 2019

Im Jahr 1826 steht in London das Dienstmädchen Frances Langton vor Gericht. Sie wird beschuldigt, ihren Dienstherrn und seine Frau ermordet zu haben. Aber Frannie hat keine Erinnerung an das Geschehen. Tatsächlich war ihr der Dienstherr zuwider, dessen Gemahlin jedoch hat Frannie geliebt, ja, die beiden Frauen sollen sogar ein Liebesverhältnis gehabt haben. So jedenfalls flüstern es sich die braven Londoner Bürger hinter vorgehaltener Hand zu. Frannie schweigt. Sie weiß nicht, was passiert ist, aber sie kann nicht glauben, dass sie diese Tat begangen haben soll. Ihr Verteidiger beschwört sie: „Geben Sie mir etwas, womit ich ihr Leben retten kann!“. Sie bekommt Feder und Papier, doch statt eines Geständnisses beginnt sie, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Eine Geschichte, wie sie dramatischer und tragischer kaum sein könnte.

Eine schwarze Perle

Autorin Sarah Collins las gerne Romane der Brontè-Schwestern und anderer Autoren aus der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Was sie in diesen Romanen aber nicht fand, war ihre eigene Welt: Die Welt einer schwarzen Frau auf Jamaica. Daher beschloss sie, ihr eigenes Buch darüber zu schreiben. Sie lässt die Sklavin Frannie ihre Geschichte selbst erzählen, nur unterbrochen von Verhörprotokollen aus dem (fiktiven) Gerichtsprozess, Tagebuchnotizen oder ähnlichem. Frannies Lebensgeschichte beginnt auf einer Zuckerrohrplantage auf Jamaica und führt sie schließlich nach London. Sie ist privilegiert unter den Sklaven, denn sie wohnt im Herrenhaus und darf lesen und schreiben lernen. Als ihr Besitzer Jamaica verlassen muss, nimmt er sie mit nach London. Doch Frannies Hoffnung auf Freiheit wird enttäuscht. Wohl ist die Sklaverei in England verboten, aber ihr Besitzer verschenkt die junge Frau großzügig an einen Freund, in dessen Haushalt sie mit Misstrauen beäugt wird.

Frannie berichtet über ihr Leben mit einem Fatalismus und zugleich einer Leichtigkeit, die dem Leser tief unter die Haut gehen. Dabei liest man wunderbare, weise Sätze voller Lebensklugheit: „Kein Mensch kennt das Schlimmste, zu dem er fähig ist, bis er es getan hat!“. Dieser Roman hat eine außergewöhnliche, wunderbare Sprache, in der deutschen Fassung offenbar nicht zuletzt auch dank einer sensiblen und hochklassigen Übersetzung. Dafür Dank an den Verlag sowie an die Übersetzer Ulrike Wasel und Klaus Timmermann! Man spürt beim Lesen Reife und Gelassenheit, gleichzeitig aber auch regelrechte Hochspannung. All die tiefen Gefühle Frannies, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Bitternis, sie werden auch für den Leser nacherlebbar. So etwas bekommt man nicht oft in die Hand!

Schwarz in einem Meer von Weißen

Frannie Langton ist eine ganz besondere Romanfigur. Die Autorin Sarah Collins lässt ihre Frannie sich selbst durch das Erzählen der Lebensgeschichte darstellen. Gleichzeitig zeichnet sie aus ihrer Perspektive auch die anderen Romanfiguren. Es entsteht eine tiefe und umfassende Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. Gleichzeitig entsteht vor den Augen des Lesers das Bild einer verabscheuungswürdigen Gesellschaft, in der das Leben schwarzer Menschen nichts wert ist und indem nichts unversucht bleibt, um bestehenden Besitz zu wahren, auch wenn er auf dem Leid und der Not anderer Menschen beruht. Obwohl Frannie ja nur den Blick auf die Menschen in ihrer Umgebung hat, ist die Handlung von großer Komplexität und Frannies Erkenntnisse messerscharf, ihre Schlussfolgerungen so eindeutig, dass man als Leser einen klaren und erschreckenden Einblick in das Denken der Engländer Anfang des 19. Jahrhunderts bekommt. Sarah Collins greift dabei nicht auf Stereotype zurück. Sie hat ganz einzigartige und differenzierte Romanfiguren entstehen lassen, und dennoch steht jede von ihnen für eine bestimmte Aussage. Nur wenige können dem Leser mit seinem heutigen Denken sympathisch sein, führen sie uns doch die ganze Borniertheit und Überheblichkeit vor Augen, die damals das Denken der weißen Europäer beherrschten und die in ihren Grundzügen bis heute in so manchem Zeitungsartikel oder Parteiprogramm wiederzufinden sind.

Fazit:                                                                                                                                           

„Das Geständnis der Frannie Langton“ ist ein großartiger und zutiefst berührender Roman mit einem ungewöhnlichen, vielleicht sogar verstörenden Sujet. Er zwingt zum Denken, zum Überdenken eigener Haltungen. Frannie Langton ist eine ganz besondere Romanfigur und wenn man den altbekannten Vergleich mit den Perlen aus dem Büchermeer bemühen darf, so hat der Verlag Droemer Knaur hier tatsächlich eine Perle aus der Flut der historischen Romane gefischt, in diesem Fall eine schwarze Perle. Eine Kostbarkeit auf dem deutschen Büchermarkt!

Das Geständnis der Frannie Langton

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