Lempi, das heißt Liebe

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

Elina Kritzokat (Nachwort, Übersetzung)

Couch-Wertung:

96

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Birgit Stöckel
Krieg und Liebe in Finnland

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Jul 2019

„Lempi, das heißt Liebe“ ist der Debütroman von Minna Rytisalo und zeitgleich eine leise, feine Geschichte, die aus der Menge an Historienromane hervorsticht. Gekonnt verwebt die Autorin zwei zentrale Themen: Die Darstellung Lempis, deren Name auf Altfinnisch tatsächlich „Liebe“ bedeutet, und die Zeit während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in Finnland. Ihr großes Erzähltalent stellt die Autorin in einer ruhigen, unaufgeregten, manchmal einfachen Sprache unter Beweis, die jedoch trotzdem oder gerade deswegen ihre eigene Magie, ihren eigenen Reiz besitzt und die Leser und Leserinnen schon bald gefangen nimmt.

Ungewöhnliche Darstellung der zentralen Figur

Die Autorin leiht ihre Stimme drei Personen, die uns Lempi und das Leben in Finnland näher bringen: Viljami, Lempis Mann, Elli, ihrer Magd, und Sisko, ihrer Zwillingsschwester. Reizvoll ist die absolute Subjekitivtät, mit der wir uns aus den verschiedenen Perspektiven Lempi annähern. Besonders Viljami und Elli sind absolut gegensätzliche Pole. Viljami befindet sich nach seiner Entlassung aus der Armee auf dem Rückweg nach Hause und ergeht sich in einer Art innerem Monolog, in dem er den einen glorreichen Sommer, der ihm mit Lempi vergönnt war, Revue passieren lässt. Aus jeder Zeile spricht die tiefe Liebe für seine Frau, sein unendlicher Schmerz, dass sie verschwunden sein soll und seine Bewunderung für die Mühelosigkeit, mit der sie sich, als Städterin, in das harte Landleben fügte. Nebenbei liest man auch die Anzeichen der posttraumatischen Belastungsstörung, die er durch den Krieg erlitten hat, hinaus.

Elli, die Magd, auf der anderen Seite, lässt kein gutes Haar an ihrer Herrin und stellt sie uns als eine faule, herablassende und selbstgefällige Frau dar, die es versteht, ihren Mann hinters Licht zu führen und ihn auszunutzen. Das Spannende dabei ist, dass man sich während des Lesens unwillkürlich fragt, ob man einen Menschen wirklich jemals kennen kann, wenn ein und dieselbe Person von zwei anderen so konträr beurteilt wird. Den Lesenden bleibt es nun selbst überlassen, aus den Berichten, Erzählungen und Sichtweisen ein eigenes Bild von Lempi zusammenzusetzen, das sicherlich bei jedem unterschiedlich ausfallen dürfte. Unterstützung erfährt man dabei von Sisko, Lempis Zwillingsschwester, die ebenfalls ihre Erfahrungen und Ansichten über Lempi mit einbringt und somit manches aus den vorhergegangenen Abschnitten verdeutlich und relativiert.

Wenig bekannte finnische Geschichte

Sisko, die in der Geschichte als alte Frau auf ihr Leben zurück blickt, hat allerdings noch eine andere Aufgabe: Nämlich die Rolle und das Schicksal einer Frau zu erzählen, die sich mit einem deutschen Offizier einlässt. Während ihr Bericht über ihre gemeinsame Zeit mit Lempi relativ kurz ausfällt und mit deren Hochzeit mehr oder weniger endet, bekommt ihr weiteres Leben sehr viel mehr Raum. Die Finnen waren „Waffenbrüder“ der Deutschen und daher waren Verbindungen zwischen deutschen Offizieren und finnischen Frauen weder ungewöhnlich noch verpönt. Doch nach Ende des Zweiten Weltkrieges änderte Finnland, das sich nie offiziell als Verbündeter sondern eben nur als „Waffenbruder“ des Deutschen Reichs bezeichnet hatte, seine Haltung um 180 Grad. Die finnischen Frauen, insbesondere die, die mit ihren Männern nach Deutschland gingen und irgendwann wieder heimkehrten, wurden verachtet, beschimpft und benachteiligt oder sogar bestraft. Hier ist der Übersetzerin ein großer Dank auszusprechen, die in einem kurzen Nachwort die geschichtlichen Zusammenhänge, die in Finnland so gut wie jedem bekannt sind, für die deutschen Lesenden erläutert.

Fazit:

„Lempi - das heißt Liebe“ ist ein wundervoller Roman der leisen Töne von einer talentierten Autorin. Dabei ist nicht nur die ungewöhnliche Art der Charakterisierung der zentralen Hauptfigur spannend, sondern auch die Darstellung der Lebensumstände in Finnland während des Zweiten Weltkriegs. Darüber ist in Deutschland noch nicht allzu viel bekannt. Besonders schön ist, dass die Autorin nicht alles bis ins kleinste Detail aufklärt, sondern dem Leser während der ganzen Geschichte so viele Informationen zukommen lässt, dass er sich die offenen Fragen selber beantworten kann. Von solchen Büchern dürfte es gerne mehr geben.

Lempi, das heißt Liebe

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