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Carsten Jaehner
Vom positiven und negativen Erleben von Schmerz

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jul 2020

Lindau am Bodensee, 1763. Isabeau Bersperger ist die Tochter des Werftmeisters und soll den Sohn des größten Flotteninhabers am Bodensee, Emmerat Lorentz, heiraten. Nichts ist für sie widerlicher als genau das, schließlich hat Emmerat ihrer Freundin Anna ein Kind untergejubelt und will nun nichts mehr davon wissen, obwohl er und Anna sich lieben. Als Erziehungsmaßnahme schicken die Berspergers Isabeau für ein Jahr zur Schwester ihrer Mutter, die mit ihrem Mann Gustave in Paris lebt, um zu lernen, wie man sich benimmt.

Isabeau beginnt sich schnell im Hause der strengen Tante zu langweilen, einzig die Momente mit ihrem Onkel geben ihr etwas Auftrieb. Dann lernt sie durch Zufall den jungen Marquis Donatien de Sade kennen, der sich in Paris einen geheimnisvollen Ruf aufbaut. Isabeu erliegt seiner Faszination und trifft sich heimlich mit ihm, während Paris von einer Reihe von Morden an jungen Frauen überschattet wird. Das Volk beschuldigt einen Wolf, die Taten begangen zu haben und verdächtigt den Marquis de Sade, dieser Wolf zu sein. Gejagt vom Stadtpolizisten Marais zieht sich die Schlinge um seinen Hals immer weiter zu, während in Lindau der junge Emmerat mit seinem Schicksal hadert, ein Mädchen heiraten zu müssen, das er nicht liebt und die ihm aber vor allen Leuten Hörner aufgesetzt hat.

Ein Marquis de Sade-Roman

Cornelia Haller legt mit „Der Geschmack von Schmerz“ ihren dritten Roman vor, der am Bodensee spielt, dieser hier spielt aber auch im langen Mittelteil in Paris zu Zeit König Ludwigs XV. Den Rahmen bildet die Handlung in Lindau, damals nur eine Insel und noch ohne Besiedlung an Land, mit Brücken ans Festland gebunden. Die Werft von Isabeaus Vater läuft nicht mehr ganz so gut, und so kommt es ihrem Vater recht, dass Emmerat Lorentz‘ Vater, der Besitzer der größten Flotte auf dem Bodensee, in eine Heirat der beiden Kinder einwilligt. Typisch für diese Zeit, werden die Kinder nicht gefragt und rebellieren dagegen, vor allem Isabeau. Ihre Freundin Anna ist verliebt in Emmerat und erwartet nach einem Stelldichein ein Kind von ihm. Doch niemand darf von dem Kind wissen und so wird sie bis zur Geburt in ein Kloster verbannt. Emmerat erfährt von der Schwangerschaft und verleugnet seine Vaterschaft, auch eine typische Handlungsweise für damals. Es kommt wie es kommen muss, die Hochzeit wird offen von Isabeau verweigert und sie zur Strafe nach Paris geschickt.

Dieser Vorlauf ist für die Geschichte wichtig, birgt aber eigentlich nichts Neues und ist so eine Geschichte, die man bereits einige Male gelesen hat. Doch die Autorin braucht einen Rahmen, um den Marquis de Sade einzuführen, was ihr bereits bei Ankunft Isabeaus in Paris spontan gelingt. Ein Retter in peinlicher Situation wird gesucht, und es ist der junge, gutaussehende, blauäugige Marquis de Sade, 23 Jahre alt und damit im besten Alter, jungen Dingern den Kopf zu verdrehen. Doch Isabeau muss erst einmal zu ihrer Tante, die sich als steifer Besen herausstellt. Bei einem der wenigen abendlichen Treffen ihres Onkels im eigenen Hause lernt sie zufällig offiziell Sade kennen, der sich ebenfalls in Isabeau verliebt, und von nun an werde die beiden versuchen, sich zu kontaktieren und sich zu treffen. Schon bald verfällt sie seinem Charme und seinen Neigungen, das Schmerz auch Lust bedeuten kann. Fasziniert davon beginnt ein Versteckspiel vor der Tante und dem Onkel, das Isabeau immer mehr in die Faszination des Schmerzes und der Lust verführt.

Gelungener Paris-Teil

Der Mittelteil des Romans, der in Paris spielt, ist der gelungendste der Autorin in diesem Roman. Sie beschreibt ein Paris unter Ludwig XV., das immer unzufriedener wird, obwohl ein Aufstand noch weit entfernt ist. Prostitution ist verboten, doch weiß jeder, wo man hin gehen und an wen man sich wenden muss, um seine Gelüste zu befriedigen. Je verbotener, desto erstrebenswerter ist alles, und das weiß die Autorin wohl darzustellen. Immer wieder taucht auch ein Mörder auf, der junge Mädchen tötet und ihre Herzen entreisst, und natürlich brodelt die Gerüchteküche und Sade ist Verdächtiger Nummer eins. Auch deswegen scheut er die Öffentlichkeit, was gut beschrieben wird.

Haller findet einen guten und geschickten Weg, die Exzesse des Marquis anzudeuten und das „Wesentliche“ der Fantasie des Lesers zu überlassen. Sie ergötzt sich nicht an den Leidenschaften des Marquis, sondern bleibt angenehm diskret, wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann sich gerne mit den Theaterstücken Sades befassen, die im Buchhandel erhältlich sind. Und obwohl sie nicht genau ins Detail geht, versteht sie es doch, Isabeaus Faszination für lustvollen Schmerz dem Leser erklärbar zu machen, so dass man sich von ihr nicht abgestossen fühlt, sondern zumindest Verständnis dafür aufbringen kann. Das ist geschickt gemacht und hätte auch daneben gehen können.

Spannende Faszination von Schmerz

Der Schwachpunkt des Romans ist allerdings leider das Ende des Romans, was nicht einmal an der Geschichte liegt – deren Ende mehr oder weniger vorraussehbar ist -, sondern am Erzählstil. Bereits zum Ende der Erzählung in Paris hat man das Gefühl, dass Erzählstränge fehlen oder unvollständig sind, man ist mitten im Geschehen und dann wird ein anderer Erzählstrang fortgeführt, ohne diesen gut zu beenden. Hier hätte ein gutes Lektorat gerade am Ende verhindern können, dass der Schluß erzählerisch unbefriedigend ist und überstürzt wirkt. Das ist schade, denn bis auf ein paar etwas hölzerne Formulierungen liefert die Autorin einen durchaus gelungenen Roman ab, der gerade im Teil in Paris durchaus zu überzeugen weiß.

Fazit:

Der Erzählteil in Paris um Isabeau und den Marquis de Sade ist durchaus gelungen, die Rahmenhandlung in Lindau fällt hingegen leider ab, gerade im Schlußteil. Die Autorin weiß den Leser in Paris an sich zu fesseln und wird trotz der Thematik nie erotisch-kitschig. Sie überlässt vieles der Fantasie des Lesers, am Ende leider an unpassenden Stellen. Ein Nachwort und eine Bibliographie runden den Roman aus dem Hause Tinte und Feder ab.

Der Geschmack von Schmerz

Der Geschmack von Schmerz

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Letzte Kommentare:
30.07.2019 16:16:16
Kessie69

Es ist das Jahr 1763, Isabeau lebt bei ihren Eltern in Lindau am Bodensee ein glückliches Leben. So denkt sie bei weitem nicht daran, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Ihre Eltern, vor allem ihr Vater, haben da ganz andere Pläne für ihre Tochter.

Ohne Vorwarnung, oder das irgendjemand mit Isabeau geredet hat, wird sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie soll Emmerat Lorenz heiraten, ausgerechnet Emmerat den sie für den größten Schuft hält. Doch die Bersperger-Werft ihres Vaters hat schon bessere Tage gesehen und Geld heiratet nun einmal Geld. Das Lorentzsche und Bersperger Unternehmen wird durch eine Heirat von Isabeau und Emmerat für jeden mehr als ertragreich sein. Ob die jungen Leute sich mögen oder sich mehr als unsympathisch sind, spielt dabei keine Rolle.

Doch so schnell fügt Isabeau sich nicht den Wünschen der Eltern. So kommt es, das ihre Eltern sie nach Paris zu ihrer Tante und Onkel, damit sie sich später der Eltern fügen wird.

Dort ist nicht alles so einfach und leicht wie sie es sich vorgestellt hat. Die Tante ist eine verbitterte Frau, die ständigt irgendwelche Leiden hat und Isabeau mit strenger Hand erziehen will. Und ihr Onkel ist so gut wie nie zu Hause. Es gibt ein paar Tarot Abende, ein Besuch bei der Oper als sie in die Gesellschaft eingeführt werden soll. Doch das alles ist nicht so aufregend und spannend, bis sie Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade näher kennenlernt. Ein Mann voller Geheimnisse und ganz anders als es die Etikette in Paris vom Adel fordert.

Immer mehr gerät Isabeau in den Strudel der Anziehung von Sade. Sie ahnt das es sich nicht schickt und sie ein gefährliches Spiel spielt. Aber das was Sade mit ihr macht, raubt ihr fasst den Verstand.

Zur gleichen Zeit geschehen scheußliche Morde. Die Opfer sind ausschließlich Frauen, erst aus den unteren Schichten, doch dann auch aus der gehobenen Klasse. Begibt Isabeau sich durch ihr heimliches Treiben in Gefahr?

Meine Meinung:

Zu Beginn der Geschichte hatte ich so meine Schwierigkeiten, da sich manche Passagen für mich unnötig in die Länge zogen. Doch nach dem ersten Drittel hat es mich der Schreibstil der Autorin gepackt und ich musste unbedingt weiter lesen um zu wissen was aus Isabeau wird und wer der Mörder ist.

Manches hat mich an Fifty Shades of Grey erinnert und ich stellte mir die Frage ob es eine Nacherzählung mit historischen Hintergrund wird. Doch weit gefehlt, denn im Nachwort erfährt der Leser um wen es sich bei Donatien-Alphonse-François Marquis de Sade handelt. Dieser hat tatsächlich gelebt und ein ausschweifendes Leben geführt. Das hat die Autorin dazu inspiriert diesen fiktiven Roman zu schreiben. Was soll ich sagen, es ist ihr voll und ganz gelungen eine spannende Geschichte zu schreiben. Die Charaktere wirken sehr real und alles könnte sich so zugetragen haben. Die historischen Hintergründe fließen gekonnt mit in des Geschehen ein. Auch die Settings sind gut gewählt und entführen einen in eine andere Welt. Mir hat der Roman gut gefallen.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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