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Heike Stepprath
Eine Buchdruckerin behauptet sich

Buch-Rezension von Heike Stepprath Apr 2020

Tübingen, 1554. Magdalena Morhart ist in zweiter Ehe mit dem Buchdrucker Ulrich verheiratet. Als dieser unerwartet stirbt, beginnt für sie eine harte Zeit. Zwar hat sie lukrative Aufträge für ihre Druckerei und verdient damit den Lebensunterhalt für ihre fünf Kinder und ihren Stiefsohn, aber nach dem Gesetz muss sie sich nach dem Trauerjahr wieder verheiraten oder ihrem Stiefsohn Ulrich das Geschäft überlassen. Magdalena entscheidet sich dafür, die Druckerei selber weiterzuführen. Mit Fachkenntnis, planerischem Geschick und gesundem Menschenverstand überwindet sie die Hürden, die ihr ihre Gegner in den Weg stellten. Sie sichert sich Aufträge der Universitäten und sogar der Württembergischen Regierung. Das Landrecht musste in großer Auflage und kurzer Zeit gedruckt werden. Gleichzeitig wehrt sich die eigenwillige Witwe gegen Verleumdungen und Intrigen, die sogar aus der eigenen Familie herbeigeführt werden. Es beginnt ein spannender Wettlauf gegen die Zeit.

Sophia Langner lässt ihre Leser eine kurze, aber wichtige Zeitspanne im Leben von Magdalena Morhart miterleben. Die Witwe eines Druckers übernimmt 1554 das Geschäft samt Verkaufsraum. Die damaligen Gesetze sahen vor, dass eine Frau das Handwerk zwar erben, aber nicht alleine fortführen durfte. So wäre dem ältesten Sohn Ulrich die Druckerei zugesprochen worden. Allerdings zeigte sich schnell, dass dieser kein Geschick für die Leitung der Druckerei hatte und sogar fast den finanziellen Ruin verursachte. Einzig der Druck des Landrechts kann die Druckerei und damit die Existenz der Familie retten. Wie ein Krimi lesen sich die wahren Begebenheiten, dass nun Teile aus dem streng geheimen Dokument gestohlen oder Titel ohne Lizenz gedruckt werden. Die Protagonistin ist bis zu diesem Punkt schon ausreichend plastisch gezeichnet, dass man Sympathie für sie empfindet und während des Lesens mitfiebert. Auch die anderen Charaktere fügen sich glaubhaft in die Geschehnisse ein. Die rege Tätigkeit in der Werkstatt entsteht dabei ebenso bildhaft wie das gemeinsame Treffen zu den Mahlzeiten.

Intrigen, Diebstahl und der Schwarze Tod

Dem Roman liegt eine umfangreiche Recherche um die Person von Magdalena Morhart zugrunde. Nicht nur, dass sie eine der ersten Frauen war, die selbstständig eine Druckerei mit angeschlossenem Verkaufsraum führte, sondern vor allem der reale Erbstreit gegen ihren Stiefsohn Ulrich wurde zeitgeschichtlich dokumentiert. Die Autorin sichtete dafür Korrespondenz, Beschlüsse und Rechnungen, die so zu einer authentischen Wiedergabe im historischen Roman führten. Der Buchdruck und die Verarbeitung am Bücherrad werden beschrieben, ebenso wie die damalige Neuerung, durch den Abdruck von Holzschnitten komplexe Themen bildhaft darzustellen. Gesellschaftliche Gepflogenheiten und Ansichten über Moral und Usus runden dieses Bild ab. Lücken in der Historie werden mit logisch passender Fiktion ergänzt. Die Epoche wird dadurch lebendig und erlebbar. Wenn man schon alle Intrigen abgewehrt glaubt, kommt ein noch größerer Gegner nach Tübingen: Die Pest.

Fakten spannend erzählt

„Die Herrin der Lettern“ liest sich spannend wie ein Krimi. Der Schreibstil ist temporeich und eingängig, was dazu führt, die mehr als 500 Seiten im Nu zu lesen. Die Beschreibungen der Behausung samt Druckerpressen geben genügend Einblick, um sich die vergangene Zeit vorstellen zu können. Wie nebenbei fließen Fakten über das seinerzeit übliche Recht ein und mit welchen Auflagen das Gewerk zu kämpfen hatte. Der Buchdruck wurde zu Morharts Zeiten seit gut einhundert Jahren immer wieder optimiert, was auch in der Handlung deutlich wird. Magdalena besucht Messen und wählt sorgfältig die benötigten Materialien aus. Dennoch darf sie als Frau keine Lehrlinge ausbilden und ist auf den Zusammenhalt der Familie angewiesen. Belegt ist, dass sie das Württembergische Landrecht in 1.000-facher Ausfertigung lieferte. Der Roman hält sich nah an die überlieferten Fakten und stellt eine dabei eine entschlossene und mutige Frau der frühen Neuzeit dar. Fiktive Figuren werden für die Handlung kaum benötigt.

Fazit:

Die Historikerin Sophia Langner hätte sich den Roman um Magdalena Morhart nicht spannender ausdenken können. Erbstreitigkeiten, Intrigen und die Pestwelle erschweren das Überleben dieser erfolgreichen Buchdruckerin. Der auf Fakten beruhende Roman über ihren beachtlichen Erfolg im 16. Jahrhundert ist ein unbedingter Lesetipp.

Die Herrin der Lettern

Die Herrin der Lettern

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